Erst als der Meyer genüsslich in sein mutig selbstbestelltes Kichererbsenmousse-Sandwich biss, wurde der Abend lustig. Aktion für ein lustiges Zürich, nenne ich das mal. Meyer nahm meinen neugierigen Blick auf und streckte mir das Sandwich unter die Nase. Nach einem unherzhaften Bisschen musste ich zugeben, das Sandwich schmeckte – ganz ordentlich. In Wahrheit schmeckte es wie abgelaufener Thon an einem Zerriebenem-Glas-Dressing. Schrecklich, doch ich sagte Meyer nichts davon, wollte seine Gefühle nicht verletzen. Und da er meine Artikel eh nie liest, wird er es auch nie herausfinden.
Der Flach orderte einmal mehr einen Vodka-Apfelsaft. Er hat wohl irgendwo in der Clubszene mitbekommen, dass die Jungen das jetzt trinken. Aber zu Flach muss ich sagen, die Monogamie steht ihm ausgezeichnet. Noch nie hat der Mann so gut ausgesehen. Selbst nackt, vornübergebeugt und inmitten von Passanten macht er immer noch eine Topfalle. Er erschien im Freizeit-Army-Look und passte so wunderbar ins Gesamtbild des Zähringer Publikums.
Wir setzten uns alle an einen grossen Tisch den wir unverhofft mit ein paar alten Bekannten teilten. Wobei beim Begriff „alte Bekannte“ nur der erste Teil zutraf. Sie hiess Maria aber früher nannten wir sie offensichtlich Mary. Wir hatten keine Ahnung mehr wer sie war aber sie kannte Rainers Sternzeichen und meins auch – und sie wusste, dass ich 1996 eine Darmspieglung im Unispital vornehmen liess. Sie gab dem Ausdruck Fernstalking seine Bedeutung. Aber wie’s halt so ist mit diesen Leuten die man nicht mehr kennt, lässt man sich irgendwann brechen und sagt: „Ach, die Mary, alles klar!“ Die Freundin, die sie dabei hatte, war nett. Sie sagte ganz leise, dass ich aussehe wie der Richard Gere. In Anbetracht, dass Gere die 60 pusht und sich in der Freizeit entklaute Hamster den Darmausgang hochjagen lässt, könnte man das jetzt als Demütigung auffassen. Aber ich schätzte die Dame so ein, dass sie den Gere hauptsächlich von «American Gigolo» her kannte und somit war für mich die Sache gegessen.
Womit wir beim Thema wären. In meiner Hungersnot bestellte ich mit Mais gefüllte Teigtaschen und einen grünen Salat. Das kam alles auf einem Teller und der grüne Salat beinhaltete noch einen Eimer voll Randensalat welcher jetzt unkontrolliert die Unterseite meiner Teigtaschen vollblutete. Vielleicht muss ich hier noch sagen, ich hasse Randen. Wenn mein Randenhass Leute wäre, wäre ich China, okay? Verfickte Scheisse aber auch. Hungerverzweifelt wie ich war, trug ich jetzt sorgfältig den oberen, unverseuchten Teil der Teigtaschen ab und schauffelte mit dem Messer den kostbaren Mais heraus. Danach flüchtete ich mich in den „grünen“ Salat. Der war aber mit Petersilie besprüht worden. Ich hasse Petersilie. Wenn man im Lexikon unter Petersiliehasser nachschlägt, sieht man mein Bild dort, okay? Sie hätten ja nicht einfach ein ganzes Petersiliesträusschen auf den Salat legen können, so dass ich es mit einer einfachen Handbewegung hätte entfernen können . Nein, es musste die Petesilie-Schrotflinte in Betrieb genommen werden. So blieb mir keine andere Wahl als meine Essensruine dem Meyer rüberzuschieben, welcher dankend annahm, hatte er mit seinem furztrochenen Humussandwich doch viel zu wenig gehabt. Die Höhe war aber, dass der Hugentobler, still wie ein Mäuschen, sich das selbe Menue einverleibte und es nicht für nötig hielt mir zu sagen, dass seine Maisteigtaschen-Böden von den Randen verschont geblieben sind. Also nötigte ich ihn mir eine halbe Teigtasche abzugeben. Sie wäre so köstlich gewesen – hätte mir der Kuhn nicht den letzten Bissen noch mit seiner Scheisszigi in den Arsch geritten. Als ich mir erlaubte, mich über den Rauch zu ärgern, behauptete Kuhn kindisch, es sei der Flach der rauche. Dabei sah ich doch ganz deutlich die Zigarette zwischen Kuhns Wixgriffeln.
Kinder, Kinder, das nächste Mal gehen wir Kegeln oder so. Ich verliess die KULT-Rasselbande früh an diesem Abend. Ich musste mich schonen, denn bald würde ich nach Ibiza aufbrechen und wer will schon mit einer überarbeiteten/unterschlafenen Niere dort ankommen. Ich nicht. Ciao zäme. Hebet na en Schöne – aber nöd mine! Wuaaahhh…!!!


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