Warten, bis der Tod endlich mal Zeit hat

Da hocken Sie jetzt also.

Vielleicht haben Sie in die Hosen gemacht. Sie wissen das nie so genau, es interessiert Sie aber auch nicht sonderlich.

Ein Mensch kommt, guckt Sie erwartungsvoll an. Wer ist das? Sie grübeln. Der Mensch guckt jetzt traurig. Er kennt Sie nämlich. Genaugenommen ist er Ihr Sohn. Behauptet er nun jedenfalls.

Ah, sagen Sie. Haben Sie einen Sohn? Interessant.

Und was ist das da im Mund? Sie fischen es heraus. Sieht aus wie ein Zahn. Schon wieder einer ausgefallen! Naja, macht ja jetzt auch keinen Unterscheid mehr.

Aber jetzt haben Sie in die Hosen gemacht.
Oder?
Schwer zu sagen.

Der Mensch, der angeblich Ihr Sohn ist, fragt, wie es Ihnen gehe. Na wie schon, sagen Sie, ich bin alt. Idiot.

Sie warten auf den Tod. Schon recht lange. Wie lange hocken Sie jetzt schon hier drin, mit all diesen anderen alten Stinkern? Schwer zu sagen.

So kommt der Sommer und der Winter und der Sommer und der Winter. Und das Aufstehen wird immer mühsamer. Erst brauchen Sie dafür eine Stunde. Später einen Helfer. Dann zwei.

Schöner Mist, das alles. Wäre irgendwie angenehmer gewesen, eines Abends einfach für immer einzuschlafen, damals, als man noch halbwegs frisch war. Oder zack, ein Autounfall. Etwas, das schnell geht. Etwas, bei dem man sich selbst nicht so lange zuschauen muss.

Schon wieder kommt ein Mensch, was will der? Er will Sie füttern. Richtig, da brauchen Sie ja jetzt auch Hilfe. Wahrscheinlich bräuchten Sie sie auch beim Sterben. Bloss dauert das halt.

Vielleicht klappt’s ja morgen.

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Autor: meyer

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