In 10 Schritten zum Super-Manager

Du pendelst mit Ende Dreissig noch zwischen Letten, Seebadi Enge und Mata Hari, fährst ausschliesslich am Kanzleiflomi gekaufte Drei-Gang-Velos, bist stolz auf deinen M-Budget-Vorrat in deiner WG und hast – obwohl du die grösste Musiksammlung deines Umfelds besitzt – seit zwei Jahren keinen Franken mehr für legal heruntergeladene Musik ausgegeben – kurz: Du bist ein selbstgerechtes und faules, aber glückliches Arschloch. Bis…

…bis du diesem Kerl begegnest, der im Gymi immer hinter dir sass, bevor er von der Schule geflogen ist, weil er einfach zu dumm war. Der Typ arbeitet nun in irgend so einer Privatbank, macht irgendwas mit Asset Management, fährt einen Aston Martin DBS, trägt eine 700 Franken teure Jeans am Arsch, lebt in einer Eigentumswohnung in Zug und hat eine Schnecke am Arm, die – wenn sie in den USA statt in der Ukraine geboren worden wäre – heute mit Brad Pitt verheiratet wäre.

Und das erste Mal in deinem Leben bekommst du ernsthafte Zweifel, ob es vielleicht doch keine so gute Idee gewesen war damals, das Jus Studium zu schmeissen und stattdessen DJ mit zweitem Standbein Barkeeper (bzw. im Laufe der Zeit umgekehrt) zu werden.

Was nun? Die verlorene Zeit nachholen geht nicht. Das Studium doch noch abzuschliessen ist zu anstrengend und zu teuer. Das muss doch irgendwie schneller gehen? Hier die gute Nachricht: Ja, es geht schneller. Wenn du diese goldenen Regeln für Quereinsteiger befolgst, schaffst Du es in 10 Schritten zum Super-Manager.

1. Erfinde einen Traum-Lebenslauf. Je grossspuriger das Auftreten, je exklusiver die Job-Stationen, umso weniger getraut sich jemand, das nachzuprüfen. Strebst du zum Beispiel eine Karriere in der Bundesverwaltung an, hilft auf jeden Fall ein angedichteter Doktortitel. Als Miss Schweiz Kandidatin reicht ein herbeihalluziniertes Fernstudium. Tipp: Für die Referenzliste ein paar Namen aus NZZ und Bilanz mit Fantasie-Handynummer draufschreiben. Da getraut sich eh kein Schwein anzurufen. Und wenn doch, so ist das halt leider «die alte Handynummer».

2. Nutze neue Technologien und Medien, wo es nur geht: Fälsche alle möglichen Diplome im Indesign, kopiere dich mit Photoshop in Bilder mit Polit- und Wirtschaftsgrössen rein, schicke als erste Amtshandlung an deinem neuen Arbeitsplatz dein Dossier vom persönlichen Mailaccount aus an alle Headhunter, sprich Entlassungen grundsätzlich nur per SMS oder Email aus (beeindruckt besonders in Verlagshäusern wie TAMEDIA), spioniere die PCs deiner Mitarbeiter nach brauchbaren Ideen aus, melde dich unter einer falschen Identität bei allen Konkurrenten als Facebook-Freund an und verwende die so in Erfahrung gebrachten Peinlichkeiten gegen sie.

3. Koks dir jegliche Skrupel weg. Wenn du die Massenentlassung nicht machst, macht sie halt ein anderer. Und dir klopft dann bestimmt keiner auf die Schulter dafür, dass du auf dein soziales Gewissen gehört hast. Hast Du Mühe, deinen Kokskonsum in Grenzen zuhalten, dann friss dir eine Schutzschicht an. Mit 30, 40 kg Übergewicht fällt es leichter, den Bösewicht zu spielen. Tipp: um das Gewissen im Zaum zu halten hilft es, ein paar Patenschaften in Afrika zu übernehmen.

4. Jede gute Idee ist von dir. Jede Idee, die nicht von dir ist, ist keine gute Idee. Team? Wir? Gibt es nicht. Alle sind auswechselbar mit einer Ausnahme – Du! Verkaufe die brauchbaren Ideen der anderen als deine eigenen, deine geflopten Ideen schiebe dafür den anderen in die Schuhe.

5. Suche dir nur Freunde, die dich karrieremässig weiter bringen. Alle anderen sozialen Kontakte sind reine Zeitverschwendung. Ausser vielleicht die eingebildeten Freunde. Aber auch auf die solltest du nur hören, wenn sie absolut skrupellos, zynisch und schmerzfrei sind.

6. Niemals lächeln oder gar lachen. Damit gibst Du dich menschlich – und somit verletzlich. Ein absolutes No-Go! Die Botschaft: Mit dem Sauhaufen, den du führen musst, gibt es nichts zu lachen. So bauen alle deine Untergebenen und Mitstreiter unbewusst einen Schuldkomplex auf und spuren besser. Tipp: Den gequälten Gesichtsausdruck bei Clint Eastwood abschauen und einüben.

7. Frauen im Betrieb latent minderwertig behandeln. Komplimente nie wegen der Leistung, sondern ausschliesslich auf körperliche Vorzüge bezogen abgeben. Aber auch dann so, als würde es dich ein wenig ekeln, das zu sagen. Du bist der Kontrollfreak, dessen williger Geist nur durch gelegentliches Schwächeln des Fleisches aus der Bahn gebracht werden kann. Das zumindest die Legende, die du aufbaust. Tatsächlich kannst Du dich nach Büroschluss mit dem Angebot der stadtbesten Escort-Dienstleistungsunternehmen austoben. Auf Geschäftskosten, versteht sich.

8. Jeden Morgen hinter verschlossener Bürotür, aber doch hörbar laut, am Telefon virtuelle Untergebene, Geschäftspartner oder GL-Mitglieder zusammen stauchen und dabei nicht vor persönlichen Beleidigungen zurückschrecken.

9. Dein einziges Ziel nie aus den Augen verlieren: Bonus, Bonus, Bonus! Dafür ist jedes Mittel recht.

10. Ist die Zitrone ausgequetscht, sprich der Verwaltungsrat ist dir und deiner Unfähigkeit auf die Schliche gekommen, hat dich nur noch eins zu interessieren: Abfindung! Denn der Unternehmensleitung ist es zu peinlich, öffentlich einzugestehen, dass sie einer Pfeife wie dir aufgesessen ist. Dein Stillschweigen soll darum gefälligst vergoldet werden. Das wiederum weckt das Interesse anderer Unternehmen: denn wer viel Geld erhält, muss auch viel wert sein. Und das Spiel beginnt von neuem.

Falscher Doktortitel, steile Karriere:
http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/01/08/Schweiz/Bundeskriminalpolizei-Seltsamer-Abgang

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Autor: Henrik Petro

In den 90ern prägte Henrik als Moderator von Sputnik TV trotz seines Ostschweizer Dialektes die Erinnerungen der Partyjugend bis heute. Während mehrere Jahre war er Chefredaktor des gleichnamigen Magazins. Später schrieb er fürs Fernsehen (u.a. Chefautor von Dieter Moor und Rob Spence, eine Folge der SitCom "Fertig Luschtig") und produzierte auch (u.a. 150 Folgen von "Der Scharmör"). Er war die ersten Jahre von Radio Street Parade Musikchef und war dann später einige Jahre Autojournalist.

Arbeitet heute hauptberuflich als Frauenversteher, aber da er von seinen Freundinnen, BFFs, Kolleginnen und wem er sonst noch sein epiliertes Ohr leiht, kein Geld dafür verlangen kann, dass sie ihm ihre Männerprobleme in allen Details schildern, arbeitet er zusätzlich noch gegen Entgelt als Chefredaktor in einem Fachverlag. Damit sein Hirn unter dieser Belastung (und wegen Handy-Antennen) nicht explodiert oder eine Selbstlobotomie durchführt (was ihm zwar die Aufmerksamkeit von Gunter von Hagen garantieren und somit zur Unsterblichkeit verhelfen würde), schreibt er Kolumnen für kult. Am liebsten über menschliche Begegnungen. Oder überhaupt über Menschen. Oder darüber, was Menschen so tun. Oder getan haben. Oder tun könnten. Oder sagen. Oder gesagt haben. Oder sagen könnten.

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