Einen nicht eindeutig unterscheidbaren Vor- und Nachnamen

Zur Abwechslung einmal etwas in eigener Sache. Werdende Eltern: gebt Euren Kindern eindeutig unterscheidbare Vornamen. Nicht dass ich das Gefühl habe, mein Vor- und Nachname seien uneindeutig als solche erkennbar. Während meiner Schulzeit hatte ich auch nie Probleme: Lehrer, Jugendamt, Dealer und der müffelnde Mann mit dem zerknautschten Regenmantel, der auf dem Schulhof Süssigkeiten verteilte, sprachen mich immer richtig mit Vornamen an.

Das Unheil begann, als ich mit 18 mein erstes Bankkonto eröffnete. Das war zu einer Zeit, als man für eine Banklehre noch kein Masterdiplom mitbringen musste, sondern ruhig auch Analphabet sein durfte.

Brav füllte ich nach bestem Wissen und Gewissen das Antragsformular aus. Vorname: Henrik. Nachname: Petro.

Nach kurzer Zeit erhielt ich auch ein Willkommensschreiben: Sehr geehrter Herr Henrik…

Ich rief an um der Bank mitzuteilen, dass die einen Fehler gemacht hätten und dass sie das doch bitte ändern sollten.
«Geht nicht», sagte der Mann am Telefon. «Die Konten werden dem Nachnamen zugeordnet. Wir müssten das Konto auflösen und ein neues eröffnen.»

Mir gefiel vor allem der Konjunktiv. Wieso müssten? Tun Sie es!
«Es ist manchmal nicht ganz einfach, spezielle Vor- und Nachnamen voneinander zu unterscheiden», versuchte der Mann sich zu entschuldigen.

Ach ja, jetzt war es natürlich meine Schuld! Wozu habe ich denn so ein fucking Formular ausgefüllt, wo ganz eindeutig «Vorname» und «Nachname» getrennt, separat und einzeln anzugeben waren? Es nützt das beste Formular nichts, wenn es dann doch nur von einem Schwachkopf im System erfasst wird.

Später kamen unzählige weitere Beispiele dazu. Dutzende Formulare, auf denen ich Vor- und Nachname getrennt aufführen musste, wurden von Idioten falsch erfasst. Ich versuchte verschiedene Tricks, zum Beispiel den Nachnamen konsequent in Grossbuchstaben zu schreiben. Hat’s funktioniert? Dreimal dürft Ihr raten.

Dann hatte ich die glorreiche Idee, meine Schreiben und Mails nicht mehr mit vollem Namen zu unterzeichnen, sondern nur noch mit initialisiertem Vornamen, also mit «H. Petro». Um es ganz deutlich zu machen. Und was ist passiert? Die Antworten kamen mit einem jovialen «Hallo Petro», als ob ich meinen Nachnamen abkürzen und jedem Dahergelaufenen das «Du» anbieten würde.

Mal ganz ehrlich: Wieviele Menschen kennt Ihr, die mit Vornamen Petro heissen? Na? Wahrscheinlich keinen! Vielleicht Pedro, ja, oder Pietro – aber nicht Petro! Und jetzt der Gegencheck: wieviele Menschen kennt Ihr, die mit Vornamen Henrik oder Hendrik heissen? Aha, doch den einen oder anderen. Na also – wieso ist das denn so schwierig? Es ist doch nicht so, dass jeder Mensch so dumm ist wie Sarah Palin – oder doch? Ach, Du BIST Sarah Palin? Na dann sorry, gell?

Jedenfalls, bitte liebe werdende Eltern: gebt Euren Kindern eindeutig unterscheidbare Vornamen! Sonst werden die irgendwann Kolumnenschreiber, anstatt in der Bank Karriere zu machen.

Und das will wirklich keiner!

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Autor: Henrik Petro

In den 90ern prägte Henrik als Moderator von Sputnik TV trotz seines Ostschweizer Dialektes die Erinnerungen der Partyjugend bis heute. Während mehrere Jahre war er Chefredaktor des gleichnamigen Magazins. Später schrieb er fürs Fernsehen (u.a. Chefautor von Dieter Moor und Rob Spence, eine Folge der SitCom "Fertig Luschtig") und produzierte auch (u.a. 150 Folgen von "Der Scharmör"). Er war die ersten Jahre von Radio Street Parade Musikchef und war dann später einige Jahre Autojournalist.

Arbeitet heute hauptberuflich als Frauenversteher, aber da er von seinen Freundinnen, BFFs, Kolleginnen und wem er sonst noch sein epiliertes Ohr leiht, kein Geld dafür verlangen kann, dass sie ihm ihre Männerprobleme in allen Details schildern, arbeitet er zusätzlich noch gegen Entgelt als Chefredaktor in einem Fachverlag. Damit sein Hirn unter dieser Belastung (und wegen Handy-Antennen) nicht explodiert oder eine Selbstlobotomie durchführt (was ihm zwar die Aufmerksamkeit von Gunter von Hagen garantieren und somit zur Unsterblichkeit verhelfen würde), schreibt er Kolumnen für kult. Am liebsten über menschliche Begegnungen. Oder überhaupt über Menschen. Oder darüber, was Menschen so tun. Oder getan haben. Oder tun könnten. Oder sagen. Oder gesagt haben. Oder sagen könnten.

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das muss man haben: eine magistratin, die zwetschgenwähe backen kann

Das grosse Lachen