Entwicklungshilfe

Neulich wurde ich Opfer eines Verkupplungsversuches. Naja, was heisst «Opfer»? Ich hatte das Glück, das Kupplungsgegenstück im Vorfeld schon mal gesehen zu haben und da es recht hübsch war, hatte ich wenig gegen den Versuch einzuwenden.

Woran ich allerdings nicht gedacht hatte, war, dass es sich bei der Kupplerin um eine Frau handelte.

Leider, man muss es sagen, verstehen Schweizer Frauen vom Verkuppeln etwa so viel wie die Macher von Tele Top etwas vom Fernsehen. Dem darf ich auf gar keinen Fall weiterhin untätig zusehen.

Darum hier die Gebrauchsanleitung für Frauen, wie Sie ihre Kollegen in 5 Schritten erfolgreich verkuppeln.

1. Ein Plan muss her
Ladies, um zu verkuppeln braucht Ihr einen Plan! Hallo!!! Es reicht nicht einfach nur dafür zu sorgen, dass die beiden potenziellen zukünftigen Herr und Frau Müller-Meyer an der gleichen Party auftauchen! Schon klar dass Ihr glaubt, dass ein Mann einfach aus lauter Notgeilheit jede bespringt, die ihm vor die Nase gesetzt wird (aber dann müsstet Ihr wenigstens DAS zu Stande bringen – doch dazu mehr in Punkt 5.) Natürlich seid Ihr dieser Meinung, weil jeder Kerl, den Ihr kennen lernt, Euch abschleppen und vernaschen will. Aber das liegt nur daran, dass Ihr eine echte Prinzessin, ein Supermodel, eine Traumfrau, unglaublich hübsch, witzig, gebildet und charmant seid. Ihr seid PERFEKT – aber leider schon vergeben. Eure Kollegin aber nicht und die braucht jetzt dringend Eure Hilfe. Denkt dran: an dem Abend geht es mal NICHT um Euch, sondern um Eure Freundin!

Wichtig: Der Plan muss auch bis zu Ende gedacht sein. Notiert Euch Ziel, Strategie, Taktik, Alternativzüge (weil es immer anders kommt) etc. – und beginnt erst dann mit der Umsetzung!

2. Vorspiel ist alles
Männer sind unsicher (mit Ausnahme aller meiner Freunde und auch aller anderen Männer, die ich kenne, aber das sind bloss seltene Ausnahmen). Männer müssen im Vorfeld bestätigt werden, dass ihre Bemühungen auch auf fruchtbaren Boden fallen könnten. Der Abend ist für den Mann gelaufen, wenn er an die Party bestellt wurde, sich freut und dann inzwischen alles anders und der Verkupplungsversuch abgeblasen ist, z.B. weil die Kollegin sich wieder mit dem Ex versöhnt hat, schwanger oder prämenstruell ist – und der Mann nichts davon weiss, so dass er voll ins Fettnäpfchen tritt und sich furchtbar blamiert oder – noch schlimmer – einen Korb bekommt. Darum lässt er es lieber sein, wenn er nichts mehr hört – schliesslich hat er bereit genügend schmerzhafte Erfahrungen mit weiblicher Ambivalenz gesammelt.

Also: spätestens am Tag der Party, noch besser einen Tag zuvor ihn mit einem Reminder, gekoppelt an eine Aufforderung, anheizen, z.B. mit einer SMS wie «Hey, Du kommst dann heute Abend schon, oder? Wir freuen uns auf Dich!» Oder: «Wir gehen vorher noch was trinken, willst Du dich vielleicht dort schon zu uns gesellen? Das wär toll!» Ihm das Gefühl geben, dass er wichtig und erwünscht sei. Sowas kriegt Ihr doch hin, oder?

3. Das Setting zählt
Überhaupt: ein Verkupplungsversuch an einer lauten Party ist etwa so gut gewählt wie ein gemeinsames Fotoalbum mit dem/der Ex als Hochzeitsgeschenk. Kann einfach nicht funktionieren. Es braucht Ruhe für die Annäherung und möglichst wenig Ablenkung durch ein breitgefächertes Alternativangebot. Privates Essen, Privatapéro, Privatswingerparty – hauptsache privat. Das wäre dann schon die halbe Miete. Aber eigentlich gehört das ja zur Planung.

4. Mach Dich mal locke›!
Wenn man merkt, dass die zu verkuppelnde Kollegin einen Stock mitgebracht hat, und zwar in ihrem Hintern, sie also völlig verkrampft ist, muss man sofort reagieren und sie abfüllen, damit sie etwas lustig wird. Aber unbedingt frühzeitig, dafür gemässigt damit beginnen! Je später man loslegt, umso schneller muss es gehen, also um so schwieriger wird die Dosierung. Wenn sie oben ohne auf der Bar tanzt oder mit dem Garderobenpersonal knutscht, wars wohl zuviel des Guten.

5. Laden, Zielen…
Bleibt es doch bei der lauten Party und laufen sich die beiden Herzblatt-Kandidaten über den Weg, so hat man die absolute Pflicht, als Amor den Pfeil abzuschiessen. Also nicht abwarten in der Hoffnung, dass etwas passiert, sondern sich aktiv betätigen.

Tu einfach was, egal was, Hauptsache irgendwas!

Nochmals: wenn es im Zoo schon schwer ist, vom Aussterben bedrohte Männchen und Weibchen, die man zusammen in ein Gehege gesperrt hat, zur Paarung zu bringen, wie schwierig und kompliziert muss das erst bei Menschen sein? Eben, gopf! Dabei braucht es gar nicht mal so viel dazu, es reicht ja z.B. ein «Oh, Ihr beide kennt Euch glaubs schon/nicht, oder? Darf ich vorstellen…» Und schon läufts – sofern die vorangehenden 4 Punkte ebenfalls berücksichtigt worden sind. Und wenn es dann wider Erwarten immer noch nicht vorwärts geht, bleibt noch eine letzte direkte Intervention, als ultimo ratio, als Lackmustest, ob überhaupt je was draus werden könnte. Wenn der nichts bringt, könnt Ihr ruhigen Gewissens die Übung abbrechen – Ihr habt alles versucht, wenn Ihr nach 3 Uhr morgens verzweifelt ausruft: «Ja um Himmelsgottswillen, ich halts einfach nicht mehr aus. So knutscht doch endlich mal miteinander!!!»

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Autor: Henrik Petro

In den 90ern prägte Henrik als Moderator von Sputnik TV trotz seines Ostschweizer Dialektes die Erinnerungen der Partyjugend bis heute. Während mehrere Jahre war er Chefredaktor des gleichnamigen Magazins. Später schrieb er fürs Fernsehen (u.a. Chefautor von Dieter Moor und Rob Spence, eine Folge der SitCom "Fertig Luschtig") und produzierte auch (u.a. 150 Folgen von "Der Scharmör"). Er war die ersten Jahre von Radio Street Parade Musikchef und war dann später einige Jahre Autojournalist.

Arbeitet heute hauptberuflich als Frauenversteher, aber da er von seinen Freundinnen, BFFs, Kolleginnen und wem er sonst noch sein epiliertes Ohr leiht, kein Geld dafür verlangen kann, dass sie ihm ihre Männerprobleme in allen Details schildern, arbeitet er zusätzlich noch gegen Entgelt als Chefredaktor in einem Fachverlag. Damit sein Hirn unter dieser Belastung (und wegen Handy-Antennen) nicht explodiert oder eine Selbstlobotomie durchführt (was ihm zwar die Aufmerksamkeit von Gunter von Hagen garantieren und somit zur Unsterblichkeit verhelfen würde), schreibt er Kolumnen für kult. Am liebsten über menschliche Begegnungen. Oder überhaupt über Menschen. Oder darüber, was Menschen so tun. Oder getan haben. Oder tun könnten. Oder sagen. Oder gesagt haben. Oder sagen könnten.

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