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Der achte Versuch

Während gerade jeder in meiner Umgebung dem Sommer nachtrauert schwebe ich im Glück.
Ich liebe ihn. Er wärmt mich mit schwarzem Kaffee am morgen und viel zu grossen Pullovern, er spielt mit Rot- und Brauntönen, riecht nach Zimt und lässt kleine Kinder mit zu grossen Gummistiefeln in Pfützen plantschen. Er sorgt dafür dass ich gut einschlafe wenn ich unter meiner Daunendecke dem Regenschauer zuhöre und lädt mich auf Starbucks- und Kinobesuche ein.
Der Herbst. Lieblingsjahreszeit. Nicht nur weil ich dann Geburtstag habe, oder Räbeliechtliumzug ist, auch weil es kalt genug um sich einzukuscheln, aber noch warm genug um sich nicht einpacken zu müssen, weil man sich vorzeitig auf Weihnachtsglück und Skiurlaub freut, die Julibräune aber noch immer leicht zu sehen ist.
All diese schönen Gedanken begleiten mich, während ich durch Zürich bummle, wo schon überall Schals in allen Farben verkauft werden und erste Halloweenkostüme zu sehen sind, als plötzlich von allen Seiten (und ich meine, ALLEN Seiten) 4 (4!) Händchenhaltende und kichernde Pärchen an mir vorbei gehen. Und fällts einem ein Mal auf, lässt es einen nicht mehr los. Sie sind überall!
Im Kino, im Bus, in allen Kaffees und Einkaufsläden. Und bitte, seid wann gehen alle gigelnden, glücklichen Paare Sonntagabend gleichzeitig in den offenen Coop am Stadelhofen Znacht einkaufen? Ja, natürlich, lange an der Kasse anstehen wenn man sich sonntags um 5 doch noch in die Stadt zwingt um nicht verhungern zu müssen, das ist der Preis, den man für Faulheit bezahlt, aber lange an der Kasse anstehen, als 19jähriges, aus Sonntagsgründen ungeschminktes, brillentragendes, und hungriges Mädchen, zwischen so vielen Paaren, dass man sich fühlt wie mit 8 auf der Schulreise, wenn die Anzahl Kinder ungerade, und man selbst von Läusen befallen ist, ist scheisse.
Einsam. Verdammt.
Das Herbstglück kann mir niemand nehmen, aber teilen kann ich es auch nicht, denn schlussendlich bin ich allein mit Daunendecke und Tee und Nudeln und den Simpsons, denke an die Paare vor und hinter mir in der Schlange, und dass ich, hätte ich eine Beziehung, niemals um 5 mit ihm im Coop an der Kasse stehen, sondern ihn ins Kino oder zum Essen einladen würde, oder auf eine Pizza im Bett, oder in die Ferien ans Meer, weil, oh, ich vermisse den Sommer auch. Und Händchenhalten und kichern.

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Autor: Angela Kuhn

Angela Kuhn (*1994). Im Herzen Stadtzürcherin. Auf dem Papier aus Winterthur. Ein wenig noch aus Sizilien. Und ein wenig aus der Rioja. 19 Jahre alt und erfahren, in den Augen der Geschwister. 19 Jahre jung und ahnungslos, in den Augen der Welt. Schreibt immer mehr, aber noch zu wenig. Spricht immer weniger, aber noch zu viel. Weiss nicht mehr woher, weiss noch nicht wohin. Fragt sich, wie die Welt hinter Schulbüchern aussieht - vielleicht glitzert sie. Mag alles Glitzernde. Und Kaffee. Ist ein Sommermensch. Und Ästhetin. An Weihnachten Christkind. Singt ein wenig. Spielt Gitarre. Und Schlagzeug. Und Uno. Nichts davon wirklich schlecht, nichts davon wirklich gut. Nicht religiös, weil noch keine für sie glaubhafte Religion erfunden worden ist. Bleibt Weltoffen. Setzt auf die Zukunft.

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