in

Also, wenns denn umsverrecken sein muss: Der Hafenkran.

Der Hafenkran. Unglaublich, dass man sich immer noch über sowas aufregen kann. Da hatte halt irgendwann irgendeiner  die idee, dass es doch cool wäre, einen Hafenkran in Zürich aufzustellen, nicht ein neuer, nein, so ein alter verrotteter Kran aus Rostock, das wäre doch der Hammer, Hafenkran aus Rostock, direkt vors Grossmünster – Päng – das würde doch knallen, das wär sogar Kunst, und nach eine halben Jahr würde man den sowieso wieder abbauen und … äh … ja … was eigentlich? Versenken? Abmontieren und zurück nach Rostock? Einschmelzen? … egal. Wegmachen reicht vorerst. Man würde dann sagen können, Zürich sei weltoffen und so, nicht so zwinglianisch Fübü. Und dann ging dieser Gag von Amt zu Amt und am Schluss meinte die Regierung: Was kostet das? Eine Viertelmillion? Logo, machen wir, streichen wir einfach ein paar kleinere kulturelle Zuwendungen. Aber dann kamen ein paar andere und fanden das doof, dass man eine Viertelmillion ausgeben wolle für so einen Scheiss, da gäbe es wichtigere Sachen, für die man das Geld ausgeben sollte, und überhaupt, so ein Kran auf der Flaniermeile würde extrem uncool aussehen.Und sie sammelten Unterschriften ein von Leuten, die auch keinen Hafenkran wollten, und sie sammelten so viele, dass die Stadtregierung eine Abstimmung beim Volk in dieser Angelegenheit machen musste. Das haben sie dann auch gemacht, und das Volk sagte “Ja”. Sauberer demokratischer Entscheid. Hat man gerne umgesetzt. Und jetzt steht er da. Am Limmatquai. Und in den Medien. Auch bei uns. Und in einem halben Jahr wird er wieder abgebaut, und dann ist er wieder weg. Jetzt steht da also einfach mal  Sommer einen Sommer lang ein Hafenkran hier in der Stadt. Schon noch schräg. Jetzt kann man das Teil mit gutem Gewissen einen Schrott finden und absolut legitim jene auslachen können, die das als “Kunst” definieren. Man kann sich auch berechtigterweise fragen, warum überall im kulturellen Bereich gespart werden muss und dann sowas. Kann man alles. Und jetzt? Es wurde abgestimmt, es gab eine Mehrheit, die das wollte, und drum ists jetzt so. Was solls. So läufts halt. Einmal scheissts die einen an, ein andermal die anderen. Die, die sich jetzt über diesen Kran aufregen und dagegen gewesen sind, die haben halt jetzt Pech gehabt. Vielleicht haben sie ein andermal Glück, und die Sache, die sie dann vertreten, findet eine Mehrheit. Also sollten sie endlich aufhören zu heulen. Und als einer, der das ganze Projekt damals auch ein bisschen seltsam fand, finde ich heute: Sieht doch noch witzig aus. Ist doch ok. Vielleicht verden die Leute ihn vermissen, wenn er dann wieder weg ist. Lassen wirs doch einfach so wie es ist und haben einen Sommer lang Spass daran, dass dieser ganze Shit durchgezogen wurde. Ist ja nicht für ewig. Nehmen wir ihn rein. Aber eins wollen wir klarstellen: Kunst ist das sicher nicht. Drum sollten sich jetzt gerne auch mal die Intellektuellen ein bisschen entspannen.

Gefällt dir dieser Beitrag?

One Comment

Leave a Reply

One Ping

  1. Pingback:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Autor: Rainer Kuhn

Rainer Kuhn (*1961) hat das ganze Ding hier gegründet, aufgepäppelt, fünf Mal neu erfunden, vorher Werber, noch vorher Betriebsökonomie studiert, noch vorher Tennislehrer gewesen. Dazwischen immer mal wieder ein Kind gemacht. Wollte eigentlich mal Pferdekutscher im Fex-Tal werden, später dann Pfarrer. Im Herzen ein Landbub, im Kopf dauernd unterwegs. Schreibt drum. Hat ein paar Gitarren und ein paar Amps in der Garage stehen. Macht Musik, wenn er Zeit hat. Hat er aber selten. Blues und Folk wärs. Steht nicht gern früh auf. Füllt trotzdem die Kult-Verteilboxen jeden Monat mehrmals eigenhändig auf. Fährt Harley im Sommer. Leider mit Helm. Mag Mainstream-Medien nicht. Mangels Alternativen halt Pirat geworden. Aber das ist manchmal auch streng.

Facebook Profil

Die Geister zu St. Jakob

Das Landkind in mir