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Mal nach Ibiza, all die Openings machen. Teil 2.

Dienstag, 20. Mai

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, auf der Kreuzung. Mit dem Méhani. Am Montag.

Dienstag  war eigentlich eher ruhig. Mittwoch auch. Und kalt. Bisschen frieren, aber trotzdem an den Pool. Man ist ja jetzt in Ibiza und in Ibiza lässt man sich von einer verdeckten Sonne nicht vorschreiben, ob man sein Tüchlein auf einen Liegestuhl legen darf oder nicht. Und während man dann so da liegt, auf dem Tüchlein, auf dem Liegestuhl, frierend, weil windig, aber trotzdem, während man also so da liegt, fragt man sich bei der Gelegenheit auch grad, obs jetzt eigentlich „in Ibiza“ oder „auf Ibiza“ heisst. Weils eine Insel ist. Und man ja da immer irgendwie drauf ist. Und nicht drin. Es kommen einem noch einige anderen Fragen auf, wenn nichts los ist. Zum Beispiel: Was, wenn jetzt voll zwei Wochen lang nichts los ist? Aber es sind ja jetzt dann all die Openings. Drum bin ich ja da. So rein nüchtern betrachtet. Aber rein nüchtern betrachtet sind Betrachtungen halt in der Regel dann auch entsprechend trocken. Ich fahr noch kurz ins neue Hardrock-Hotel. Paar Bilder machen. vielleicht gibt das ja dann eine kleine Geschichte. Nur: Wenn nichts los ist, ist auch im Hardrock-Hotel nichts los. Ich schlafe also vorsorglich ein bisschen. Übermorgen ist die Eröffnung vom Lio’s. Dem Superedelfuckingrichpeoplemitfuckingriesenyachten-Club, für den mein Freund Ulises seinen braungebrannten Kopf hinhält. Da muss ich was hermachen. Soll ja nicht gleich jeder sehen, dass ich nicht dazugehöre. Gut hat mich Ulises eingeladen, als sein persönlicher Gast, das wirkt dann mindestens etwa so wie zwei Scheinwerfer.

Mittwoch, 21. Mai

Zuhause ists wärmer als hier. So eine Scheisse aber auch. Kann keine sonnige Strandbilder auf Facebook posten und die zuhause neidisch machen, wenn die das bessere Wetter haben als ich. Also Pulli anziehen und irgendwie bewegen. Ein Freund erzählte mir von einem kleinen Fischrestaurant, fünf Gehminuten runter vom Destino. Wobei Restaurant ein recht grosszügiges Wort ist für einen Container und eine Handvoll alter Blechtische. Der Weg ist mindestens so abenteuerlich. Erst über die Mauer kraxeln, dann den Hang runter, am Anfang siehts noch aus wie ein Gehweg, hab auch Leute gesehen, die da durchgegangen sind, das verliert sich dann aber irgendwo zwischen ein paar Büschen und man muss einen Steinhang runter, ein paar Meter von der Kante weg, von der man, wenn man da ausrutschen würde, einen auf Klippenspringer machen müsste, um wenigstens einen halbwegs souveränen Abgang hinzulegen. Ich schau drum gar nicht erst hin. Nur runter, Richtung dieser Baracke. wie beim Autofahren lernen, einfach dorthin schauen, wo man hinfahren will und nicht dahin, wo ein Hindernis ist. Ich komme an, setz mich hin, bestelle den Fisch und rauch erst mal eins. Und überleg mir, was ich zuhause denn so erzählen könnte. Insider-Tipp tönt noch gut. Ich esse also den besten Fisch der Insel im geheimsten Fischrestaurant der Insel, dort, wo sonst nur die angesagtesten DJ’s (sic!) hingehen. Und ein paar Rentner vielleicht noch, die oben beim Busch links statt rechts am Busch vorbeigegangen sind und drum hier unten gelandet sind. Und hier Fotos machen von sich und dem Sonnenuntergang. Erst er von ihr, dann sie von ihm. sie lachen dabei nur kurz, nämlich kurz bevor der Schatz abdrückt. Danach verfällt ihr Kiefer wieder in die „Wir-sind-jetzt-schon-40-Jahre-verheiratet-wo-war-denn-mein-Leben-in-der-ganzen-Zeit?“-Ablösch-Starre. Zuhause werden sie dann die Bilder ihren Freunden zeigen, die auch schon 40 Jahre verheiratet sind und die dann sagen: Wow, ihr seht nach 40 Jahren immer noch so glücklich aus auf den Bildern. Vielleicht sind sie es ja auch. Man siehts einfach nicht, wenn sie sich grad nicht gegenseitig vor Sonnenuntergängen fotografieren. Vielleicht wird Lachen ja auch überbewertet. Sauberes Besteck auch.

Ich geh kurz noch in die Stadt. Und entdecke den schönsten Laden seit langem. Doch noch was zu erzählen.

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Autor: Rainer Kuhn

Rainer Kuhn (*1961) hat das ganze Ding hier gegründet, aufgepäppelt, fünf Mal neu erfunden, vorher Werber, noch vorher Betriebsökonomie studiert, noch vorher Tennislehrer gewesen. Dazwischen immer mal wieder ein Kind gemacht. Wollte eigentlich mal Pferdekutscher im Fex-Tal werden, später dann Pfarrer. Im Herzen ein Landbub, im Kopf dauernd unterwegs. Schreibt drum. Hat ein paar Gitarren und ein paar Amps in der Garage stehen. Macht Musik, wenn er Zeit hat. Hat er aber selten. Blues und Folk wärs. Steht nicht gern früh auf. Füllt trotzdem die Kult-Verteilboxen jeden Monat mehrmals eigenhändig auf. Fährt Harley im Sommer. Leider mit Helm. Mag Mainstream-Medien nicht. Mangels Alternativen halt Pirat geworden. Aber das ist manchmal auch streng.

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