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Aus der Region, für die Region: Völlig voreingenommene Berichterstattung für die Musik von Reza Dinally

Reza Dinally ist cool. Er hat einen Bart (und zwar einen richtigen, nicht so einen Hamsterfriedhof, wie ihn einige Milchbubi-Hipsters in ihren Gesichtern heranzüchten) und ganz grosse, braune Augen. Grosser Bart, grosse Augen und – wie es noch praktisch ist, wenn man Musik macht – eine richtig grosse Stimme. Ich mag ihn! Drum schreibe ich dieses Textli – deshalb und weil gute Schweizer Musik promotet gehört.

Der Junge ist ein Mischmasch aus geschätzten 430 Nationen, seine Eltern – eine Dame aus dem Bernischen und ein Engländer mit mauritischen Wurzeln – lernten sich in London kennen und lieben und kehrten gemeinsam in die Schweiz zurück, wo sie Reza und seine grosse Schwester fabrizierten. Haben sie gut gemacht, finde ich. High 5, Herr und Frau Dinally.

Rezas diverser Hintergrund zieht sich weiter in sein musikalisches Schaffen.

Hört man sich die Klänge an, die Reza und seine Band zusammenzaubern, dann reissen sie einen mit, nicht nur auf dem Sofa, sondern im Hirn. Mal beruhigen sie einen, oft sogar, und genau dann, wenn man denkt, man hätte sie druchschaut, dann schwemmen sie einen weg, pusten einen fort, wie der Wind über einer nordischen Ebene, der einem salzige Meerluft ins Gesicht peitscht. Vielleicht sind da auch noch ein paar wilde Ponys, aber auf jeden Fall ist da saftiges, weites Grün. Für mich zumindest.

Das Spektrum auf „Depths Of Montmartre“ reicht von sehr ruhigen, fast meditativen Klängen bis hin zu kraftvollen Donnerschlägen. Musik und Texte stammen aus Rezas Feder und wurden zusammen mit der Band weiterentwickelt – das Resultat zeigt sowohl seitens Sound als auch seitens Texten erstaunlichen Tiefgang.

Mein Lieblingstrack ist „Montmartre“. Höre ich den Song, was ich in den letzten Tagen ca. 450’000mal getan habe, finde ich mich gleich auf einem Floss wieder und treibe einen Fluss hinunter. Im Frühling. Mit geschlossenen Augen.

Ich mag Musik, die solche Bilder in mein Hirn zaubert, die Poesie ist, sogar wenn man nicht auf den Text achtet. Musik, die bewegt, auch wenn man still dasitzt und einfach nur lauscht. Musik, die man sich einverleibt, auch wenn sie nur im Hintergrund läuft. „Mach mal bitz lüüter“-Musik.

Und solche Musik macht Reza Dinally. Und wie.

 

Foto: Sandro Bäbler

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Yonni Meyer

Autor: Yonni Meyer

Yonni Meyer (*1982) wuchs dort auf, wo’s mehr Kühe als Menschen gibt. Und das war gut so. Kantonsschule in der Nordschweizer Provinz (Hopp Schafuuse). Studium im Welschland (Sprachen und Psychologie). Umzug an die Zürcher Langstrasse 2011. Seither konstant kulturgeschockt. Ende Juli 2013 Geburt des Facebook-Blogs „Pony M.“
September 2013 Einstieg bei KULT. Ab 2014 Aufbruch in die freelancerische Text-Landschaft der Schweiz. Meyer mag Blues. Meyer mag Kalifornien. Meyer mag Igel. Meyer mag Menschen. Manchmal.

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