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There’s no cure for facebook

Schau, dass ich das Meer nicht verdecke. Nimm mich also eher an den Rand…. ja, den linken Rand, damit ich in Richtung Bildmitte blicke. Wenn du mich rechts platzierst, fahre ich ja quasi aus dem Bild raus, das wär dilettantisch – es muss aber professionell aussehen. A. stellt nur Bilder ins Netz, die aussehen, als wären sie vom Profifotografen gemacht und stundenlang mit Photoshop bearbeitet worden. Das ist unsere visuelle Benchmark.

Sitze ich aufrecht? Wirke ich selbstbewusst? B. hat kürzlich ein Bild von sich auf einer Yacht gepostet und sah darauf so selbstbewusst aus wie Daniel Craig in Casino Royal. Da müssen wir hin.

Wirke ich tiefgründig? Also nimmt man mir ab, dass meine Seele mit diesem Naturschauspiel verschmilzt? Ich will mindstens so tiefgründig wirken wie C. auf dem Foto beim Yoga in Indien. Man soll aber auch sehen, dass ich den Moment bedingungslos geniesse. Natürlich nicht so oberflächlich wie D. auf diesem Partyfoto neulich. Wobei das eine richtig abgefahrene Party gewesen sein muss – D. hat dabei sicher mächtig Spass gehabt. Diesen Eindruck soll der Betrachter natürlich nun von mir haben – einfach ohne die Models, die links und rechts neben D. posierten. Sehen Hintergrund und Landschaft atemberaubend aus? Hat man dabei das Gefühl, ich würde etwas richtig Abgefahrenes und Einzigartiges tun und mächtig Spass dabei haben? So dass man denkt: «Mann hat der ein geiles Leben!»?

Das wirkt aber nur, wenn es aussieht, als wäre ich wirklich weit weg. E. war gerade erst wieder in Ibiza. Man soll gut erkennen, dass ich gen Süden gefahren bin und mich der ganze Partyshizzle hier einen Scheiss interessiert und ich einfach alles zurücklassen, ja loslassen kann, wenn ich Lust darauf habe.

Sieht man, dass es ein grosser Töff ist, auf dem ich sitze? F. hat ja dieses Bild, auf dem er mit diesen Jet-Schuhen aus dem Meer aufsteigt. Das ist schon sehr cool. Um das zu toppen muss man also schon das Gefühl haben, dass ich für diese grenzenlose Freiheit, die ich hier abbilde, auch einen hohen Preis zahle, nämlich den der Gefahr. Ein gefährliches Motorrad macht männlich. Denn nur ein echter Mann stellt sich seiner Angst.

Ja, Freiheit ist eine zentrale Botschaft. Wenn ich schon nicht reiten kann wie G. mit ihren ständigen Bildern auf ihrem Schimmel am Strand, so soll ich trotzdem völlig ungebunden rüberkommen. Geheimnisvoll, aber nicht so bemüht wie H. in der Grabkammer der Pyramide und origineller als I. auf der Bergspitze.

Und vor allem: sieht das Bild natürlich aus? Also so, als wäre es reiner Zufall, dass wir genau diesen Moment, genau diese Stimmung und genau diese Haltung eingefangen haben? Dann, ja genau dann haben wir es geschafft. Und ich kann anfangen, die Likes zu zählen.

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Henrik Petro

Autor: Henrik Petro

In den 90ern prägte Henrik als Moderator von Sputnik TV trotz seines Ostschweizer Dialektes die Erinnerungen der Partyjugend bis heute. Während mehrere Jahre war er Chefredaktor des gleichnamigen Magazins. Später schrieb er fürs Fernsehen (u.a. Chefautor von Dieter Moor und Rob Spence, eine Folge der SitCom "Fertig Luschtig") und produzierte auch (u.a. 150 Folgen von "Der Scharmör"). Er war die ersten Jahre von Radio Street Parade Musikchef und war dann später einige Jahre Autojournalist.

Arbeitet heute hauptberuflich als Frauenversteher, aber da er von seinen Freundinnen, BFFs, Kolleginnen und wem er sonst noch sein epiliertes Ohr leiht, kein Geld dafür verlangen kann, dass sie ihm ihre Männerprobleme in allen Details schildern, arbeitet er zusätzlich noch gegen Entgelt als Chefredaktor in einem Fachverlag. Damit sein Hirn unter dieser Belastung (und wegen Handy-Antennen) nicht explodiert oder eine Selbstlobotomie durchführt (was ihm zwar die Aufmerksamkeit von Gunter von Hagen garantieren und somit zur Unsterblichkeit verhelfen würde), schreibt er Kolumnen für kult. Am liebsten über menschliche Begegnungen. Oder überhaupt über Menschen. Oder darüber, was Menschen so tun. Oder getan haben. Oder tun könnten. Oder sagen. Oder gesagt haben. Oder sagen könnten.

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