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Über Alles

Wenn ich über längere Zeit hinweg nicht schreibe, liegt der Grund dafür meist entweder an der Tatsache, dass ich schlicht nichts zu sagen habe, oder daran, dass das, was ich sagen will, mir über den Kopf hinaus wächst. Momentan ist es glücklicherweise zweiteres, was mich von regelmässigem abtippen meiner Gedanken abhält. Glücklicherweise, weil ich in den Zeiten, die Gedanken- und Wortlos vorüberziehen, meist nur so vor mich her existiere.

Nicht unglücklich.
Nicht glücklich.

Gerade schreib ich in ein Notizbuch, was bedeutet dass ich den voraussichtlichen Mist nachher abtippen muss. Es ist neu. Rosa. Vom Manor. 6.50.-. Mitsamt neuem Stift. 1.-.
Wenn ich mit Freunden spreche, heisst es immer wieder „schreib was drüber“
Dann schreib ich nicht drüber, weil ich ja gerade drüber gesprochen habe, worauf hin es weg ist. Puff.

Ich sollte mehr schreiben, heisst es also. Sollte. Ich sollte mehr schreiben. Naja, mein Vater sollte weniger Rauchen, meine Schwester keine Zicke sein und mein Freund mich immer voll und ganz verstehen.
Man sollte monogam leben, aber tolerant bleiben, man sollte kein Fleisch essen, am besten keine Tierprodukte, kein Fett, kein Zucker, keine Süssungsmittel, aber man sollte essen, und sich keine Gedanken machen, aber darüber nachdenken, man sollte studieren, man sollte gleichzeitig Geld verdienen, man sollte unabhängig sein aber Beziehungen pflegen, mehr in die Natur gehen, stets dem Fortschritt folgen.
Man sollte mehr Sex haben, weniger übersexen, individuell sein, der Gruppe angehören, unter Leute gehen, Allein sein schätzen, man sollte liebevoll, verständnisvoll, respektvoll sein, sein.

Ich sollte, ihr solltet auch, man sollte immer. So viel. Alles.
Zufrieden sein damit, was man hat, was man ist, ist nicht.
Man sollte, bis man macht, tut, ist, und macht, tut, ist man, sollte es erfüllen, beglücken – doch der Rausch verfliegt und übrig bleibt die Ruhelosigkeit, der Drang davonzurennen, zu suchen, zu erreichen, denn das, das sollte doch nicht alles sein.

Mein Teufel heisst nicht Luzifer. „Der Erleuchtete“ passt mir nicht. Mit Religion habe ich wenig am Hut, aber der Teufel ist das Böse, das Böse ist Angst, meine Angst ist unter anderem, etwas zu sollen, was ich nicht will. Sollte ist mein Teufel.
Einer der Wege Leben zu leben ist, glücklich zu sein und keine Angst zu haben. Also lasse ich das sollen und kann zu können beginnen.
Ich sollte nicht schreiben.
Ich könnte schreiben.

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Autor: Angela Kuhn

Angela Kuhn (*1994). Im Herzen Stadtzürcherin. Auf dem Papier aus Winterthur. Ein wenig noch aus Sizilien. Und ein wenig aus der Rioja. 19 Jahre alt und erfahren, in den Augen der Geschwister. 19 Jahre jung und ahnungslos, in den Augen der Welt. Schreibt immer mehr, aber noch zu wenig. Spricht immer weniger, aber noch zu viel. Weiss nicht mehr woher, weiss noch nicht wohin. Fragt sich, wie die Welt hinter Schulbüchern aussieht - vielleicht glitzert sie. Mag alles Glitzernde. Und Kaffee. Ist ein Sommermensch. Und Ästhetin. An Weihnachten Christkind. Singt ein wenig. Spielt Gitarre. Und Schlagzeug. Und Uno. Nichts davon wirklich schlecht, nichts davon wirklich gut. Nicht religiös, weil noch keine für sie glaubhafte Religion erfunden worden ist. Bleibt Weltoffen. Setzt auf die Zukunft.

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Du oh Random-Bild aus dem weltweiten Internetz, hiermit taufe ich dich….

Ich bin Helene Fischer. Sagt der Tages-Anzeiger.