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Von der Kunst, richtig zu wählen

Wenn ich darüber recherchiere, begegnen mir Zitate von Teenagern mit Liebeskummer. Weisen alten Männern die nie zum Schuss kamen. Hoffnungslosen Romantikern. Jedes dieser Worte, seien sie noch so abgedroschen, haben was Wahres.
Es gibt keine Liebe zweimal, sagt man. Jedem Menschen gegenüber empfindet man dieses tiefe Zuneigungsgefühl anders. Nun muss man sich mal vorstellen, wieviel Liebe herumschwirrt! 8 Milliarden Menschen. Angenommen, jeder dieser Menschen empfindet irgendeine Form der liebe für grob geschätzt fünf weitere. Mathe war nie meine Stärke, aber das macht richtig viel viel Liebe! Verschiedene! Rechnet man noch allgemeine Liebe dazu, die Liebe zu den Haustieren, dem Job, irgendwelchen Gegenständen – verdammt viel Liebe um uns rum. Was wir nicht verstehen, nicht erklären können, aber müssen, so wie mit allem auf dieser Welt, was in unserer Natur liegt.
Liebe ich also einen Menschen, brauche ich sofort Definitionen. Nicht zu knapp. Was ist jetzt das genau zwischen uns und was für Regeln stellen wir auf, du darfst nicht, ich darf nicht, es muss ja funktionieren, ändere dich, denn ich liebe dich zwar aber der Zigarettengestank passt mir nicht, und sowieso, hör mal auf zu schmatzen.
Als ich Emma vor kurzem Beziehungsstress vorheulte (auf Whatsapp natürlich. Weil man sich da eh nie missversteht.) hiess sie mich in der Welt der unnötigen Beziehungsprobleme willkommen und riet zu Alkohol und Sex.
Bei solchem hin und her Geplärre, wenn der Auslöser der Diskussion schon ewig vergessen ist, keiner Recht hat aber beide unbedingt wollen, ist das Drama vorprogrammiert. Warum streitet man weiter und will seinen Standpunkt wieder und wieder erklären, wenn man schon lange vögeln könnte? Das Ziel vom Ganzen ist, die eigene Version und Meinung zu erklären, was zu nichts führt, da schlussendlich beide wissen, was der andere meint, Zeit und Kraft investierten aber noch am gleichen Punkt stehen, meilenweit vom Höhepunkt entfernt.
Das Ganze bringt eh nichts. Denn würde man Streitende fragen, so würden – denke ich – die meisten kaum daran zweifeln, dass es wieder gut kommt. Wegen Liebe.
Wenn man jemanden so richtig festfest liebt, kann die Erkenntnis, wie weh dieser Mensch einem tun kann – ob willentlich oder nicht – sehr erschreckend sein. Die meisten Beziehungen zerbrechen daraufhin aufgrund von Selbstschutz. Keifendem, gemeinem Selbstschutz. Ganz nach dem Motto “lieber jetzt kurz und schmerzlos als irgendwann unerwartet und schrecklich”. Traurig, wenn man sich dessen bewusst wird.
Wieso können wir nicht aufhören, ein Happy End zu suchen, selbst nachdem wir ein Happy Being gefunden haben? Vernebelt uns das herumschwirren von hundertmilliardentausendundeiner Liebe den Kopf?
Oder liegt es in unserer Natur, und der Angewohnheit zu vergleichen? Das Gegenüber mit anderen, scheinbar besseren, zu vergleichen, die Beziehung mit anderen, scheinbar besseren, zu vergleichen, solange, bis man nur noch die Differenzen sieht, Eigenschaften, die vorher schon da waren, aber aus lauter Verliebtheit nicht erkannt wurden, was eigentlich auch richtig ist? Weil den Traummann oder die Traumfrau findet man nicht in Magazinen, kann man nicht mit Hilfe von Beziehungsratgebern formen, man muss sie erkennen, was viele nur anfangs und dank der rosaroten Brille zu Stande bringen. Doch die ist irgendwann verflogen, und dann liegt die Arbeit nicht darin, ihn oder sie zu verändern, oder im Streit seinen Standpunkt zu vertreten und Recht zu haben, sonder darin, zu erkennen, wie Einzigartig und Schön und Lieb er oder sie ist, und sich klarzumachen, dass er oder sie ganz viel Liebe hat. Für einen selbst. Wenn das nicht ein Traum ist, Traumhaft, die Vorstellung, dass jemand einen LIEBT, und wenn das diesen Menschen nicht zum Traummann oder der Traumfrau macht, dann weiss ich auch nicht mehr weiter. Es geht darum, diesen Menschen zu wählen, die Liebe zu ihm zu wählen. Zu erkennen.
Fakt ist, es gibt so viel davon, und keine ist gleich. Dafür sollte man dankbar sein, so richtig.
Und für Sex, natürlich.
Die allerwichtigste Beziehung, nebst denjenigen zu Vater, Mutter, Schwester, Bruder, Sohn, Tochter, Freund, Freundinnen et cetera, ist jedenfalls diejenige zu sich selbst. Wenn man dann noch das Glück hat, jemanden zu finden, der diese Beziehung unterstützt, ergänzt und liebt, dann ist es vollkommen.

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Autor: Angela Kuhn

Angela Kuhn (*1994). Im Herzen Stadtzürcherin. Auf dem Papier aus Winterthur. Ein wenig noch aus Sizilien. Und ein wenig aus der Rioja. 19 Jahre alt und erfahren, in den Augen der Geschwister. 19 Jahre jung und ahnungslos, in den Augen der Welt. Schreibt immer mehr, aber noch zu wenig. Spricht immer weniger, aber noch zu viel. Weiss nicht mehr woher, weiss noch nicht wohin. Fragt sich, wie die Welt hinter Schulbüchern aussieht - vielleicht glitzert sie. Mag alles Glitzernde. Und Kaffee. Ist ein Sommermensch. Und Ästhetin. An Weihnachten Christkind. Singt ein wenig. Spielt Gitarre. Und Schlagzeug. Und Uno. Nichts davon wirklich schlecht, nichts davon wirklich gut. Nicht religiös, weil noch keine für sie glaubhafte Religion erfunden worden ist. Bleibt Weltoffen. Setzt auf die Zukunft.

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