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15 Dinge, die ich über die Kult-Leute erfahren habe

Ein Weihnachtsessen ist immer eine wundervolle Gelegenheit, mehr über seine Gspänli in Erfahrung zu bringen. Nicht, dass ich eine andere Wahl gehabt hätte – schliesslich kannte ich als Kult-Newbi bei meinem ersten Kult-Weihnachtsessen nur den Rainer. Um nicht blöd alleine rumzustehen, musste ich also Smalltalk machen und mich sehr interessiert an allem zeigen. Eigentlich bin ich ja sonst nicht so, aber es hat auch Vorteile. Zum Beispiel, dass man dann was zu schreiben weiss. Ich glaube man nennt das Recherche.

  1. Rainer löscht immer den Verlauf auf seinem Computer, bevor er das Büro verlässt. Sollte er mal einen Unfall haben, will er in der Intensivstation seine Angehörigen nicht als erstes bitten müssen, den Verlauf auf seinem Computer zu löschen.
  2. Kaspar Isler hat eine eigene Firma, die super läuft. Er ist deshalb sehr zufrieden mit sich und seinem Leben. So wie nur 26-Jährige zufrieden mit sich und ihrem Leben sein können. Ausserdem interessiert er sich für Midi Gottet, weil der nie auftaucht, wenn er sollte, und wenn er dann tatsächlich auftaucht, sei er öfter «unausgeglichen», was bedeutet, dass er selten durch besonders gesittetes Benehmen auffällt, sagt Kaspar. Gottet hat bei diversen Kultleuten aus ganz unterschiedlichen Gründen definitiv Eindruck hinterlassen – unter anderem auch bei Yonnie Meier, aus Gründen, die wir hier nicht weiter erörtern wollen.
  3. Auch Alex Flach spricht gern über Midi Gottet, lieber aber noch über sich selber und seine langjährigen Erfahrungen in der Zürcher Clubszene. Er gilt dort als feste Grösse, was keine Anspielung auf seine Statur sei soll. Flach bestellt einer Frau, die an der Bar steht und nicht zum Kellner durchzudringen vermag, auch schon mal einen Drink. Er brüllt dann einfach über alle hinweg, das nennt man gute Erziehung. Flach möchte dann aber auch für seine Gentleman-Manieren gelobt werden. Ausserdem hat Flach einst Carl H. geohrfeigt, sagt er, weil dieser seinen Freund Neger geschimpft habe. Danach habe H. nach der Security gerufen. Flachs Eltern, erzählt er später, hatten eine schwarze Katze, die Negerli hiess. Und abends stellte sich Frau Flach jeweils an die Haustüre und rief laut in die Nacht: Negerli, Negerli! Vielleicht hat Alex Flach ein Trauma davongetragen. Kaspar Isler findet, auch Carl H. habe wahrscheinlich ein Trauma, denn eigentlich sei der ganz nett. Leider  habe nie jemand mit ihm spielen wollen, damals, als sie alle noch jung waren. Wären die Jungs nicht so gemein gewesen zum Carli, hätte alles ganz anders kommen können, sagt Kaspar.
  4. Angela Kuhn ist so hübsch wie ihr Vater und mag Frauen mit festem Händedruck. Sie wirkt sehr abgeklärt.
  5. Ist Midi Gottet eigentlich schon da?
  6. David Cappellini greift gern an seinen Haarknoten, wenn er spricht und hat die letzten Monate gratis gearbeitet für sein Storyfilter-Projekt. Das Adjektiv, das am besten auf Cappellini zutrifft, ist: «süss». Ich hoffe, er kann damit leben. Sonst soll er zu Midi meditieren gehen.
  7. Yonni Meier mag keinen Geisskäse. Und ihre Wimpern wirken in Natura weniger bedrohlich. Ausserdem ist sie richtig schnell im Kopf und wäre bestimmt für die Bühne geeignet, will aber nicht auf die Bühne. Yonni hat auch noch eine offene Rechnung mit Kurt Aeschbacher und ich hoffe, sie wird ihm auch eine Ohrfeige verpassen. Am besten öffentlich. Vielleicht kann ihr Flach dabei behilflich sein. Noch besser wär ein Tritt in die Eier. Aeschbi hätte es verdient.
  8. Rafi Hazera mag Geisskäse und hat eine melancholische Aura, weshalb er wohl so ein guter Komiker ist. Obschon das völlig unlogisch ist, denn nur weil viele Komiker Melancholiker sind, heisst das noch lange nicht, dass, wer eine melancholische Aura hat, auch ein guter Komiker sein muss. Ich hasse es, wenn Leute diesen logischen Fehlschluss machen. Rafi ist trotzdem ein guter Komiker.
  9. Jelena Keller möchte gern wissen, warum es heisst: „Dumm fickt gut.“ Obschon diese Phrase ja eigentlich selbsterklärend ist. Man könnte auch sagen: „Dumm isst gut.“ Oder: „Dumm scheisst gut.“ Denn dumm macht sich einfach nicht so viele Gedanken, das vereinfacht die Dinge. Aber so weltbewegend ist die Frage auch wieder nicht.
  10. Und wo bleibt Midi Gottet?
  11. Christian Platz hat mit seinem Hut den Style-Award gewonnen. Natürlich ist er als Hut-Träger altbekannt, aber einen Hut muss man auch zu tragen wissen, man muss ihn sporten können. Schade gibt es kein analoges deutsches Wort dafür.
  12. Reinhold Weber trinkt Bier und macht nicht gern Smalltalk, jedenfalls nicht mit mir, was vielleicht daran liegt, dass ich beim ersten Kontakt drei Mal nachfragen musste, was er eigentlich gesagt hat. Vielleicht hält er mich für taub. Wenigstens habe ich oft genug «Wie bitte?» gebrüllt, um nicht für taubstumm gehalten werden zu können.
  13. Die Basler mussten früh nach Hause, weil sie, nun, nach Basel mussten. Arme Schweine.
  14. Der nette Werbemensch, der mir gegenüber sass und dessen Namen ich leider vergessen habe, weil ich mir Namen schlecht merken kann, hat seine 14-Jährige Tochter und ihre Kolleginnen zu einem Punk-Konzert gefahren und war ganz überrascht, dass er damit als cooler Daddy punkten konnte – und als Zugabe noch ein Super-Konzert erlebte.
  15. Und dann, endlich, kommt auch Midi Gottet. Er trägt eine Brille. Er trinkt Moscow Madness. Er mag Frauen und ich bin sicher, die Frauen mögen ihn, auch wenn Frauen sich selten so schlecht benehmen, wie Gottet sich gerüchteweise benehmen soll, wenn er überhaupt auftaucht. Wobei er beim Kult-Weihnachtsessen ja aufgetaucht ist und sich erst noch einwandfrei benommen hat und nicht einmal als letzter nach Hause gegangen ist. Er kann jedenfalls den Gentleman geben, ohne dafür gelobt werden zu wollen, vielleicht, um sich dann später umso schlechter benehmen zu können. Leider hat er das nicht getan.

Ich habe nicht ganz über alle etwas in Erfahrung gebracht und ich möchte mich hier bei allen entschuldigen, die nicht vorkommen. Aber sie hätten sich ja an mich ranmachen können, dann hätte ich auch was zu schreiben gewusst. Selber schuld.

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Autor: Michèle Binswanger

Michèle Binswanger ist auf dem Land aufgewachsen und liebte Pferde. Dann studierte sie Philosophie und wäre fast Philosophin geworden. Aber weil ihre Kommilitonen immer so aussahen, als wären sie Jahre unabgestaubt im Schrank gestanden, erschien ihr das zu unglamourös. Also wurde sie Journalistin. Das ist zwar auch nicht viel glamouröser, aber der Job machte Spass. Die Phrasen, die sie in ihrem Job am häufigsten hört, sind: „Das ist aber mutig“. Und: „Ich bin zwar nicht immer gleicher Meinung, aber schreiben kannst du.“ Das würde sie auch unterschreiben.

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