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Ein Mittagessen Im Lipp mit Frank Ebinger

Auch das letzte Interview dieses Jahres aus der Reihe „Rockstars des Alltags“ kommt aus der Brasserie Lipp in Zürich. Wie alle in diesem Jahr. Bei dieser Gelegenheit möchten wir der Brasserie Lipp, ihren Mitarbeitern und der Familie Candrian herzlich für ihr Engagement und Gastrecht bedanken. Es war ein ausserordentlich leckeres Jahr bei Euch. Mit zwölf spannenden Gesprächen und ebensovielen vorzüglichen Essen. Dieses Mal hab ich zum Abschluss noch einmal Moules&Frites genommen. Frank wählte Austern&Champagner. Aber nicht irgendwelche, sondern ganz Spezielle. Hab vergessen, wie die hiessen. Aber es machte den Eindruck, als verstehe Frank etwas davon. Vom Wein sowieso. Aber das weiss ja jeder. Im Gegensatz zu ein paar anderen Sachen. Aber lesen Sie selbst:

 

Was hast denn jetzt so alles?

 

Das Casa del Vino natürlich, dann das Alice Choo …

 

Das Alice Choo gehört Dir?

 

Als einer von Dreien, ja, klar.

 

Wusste ich nicht. Wusste nur das mit den Weinflaschen, nicht, dass Du auch noch Gastronmie machst.

 

Ich habe ja das La Rocca schon lange, zusammen mit Mauri, ich war die graue Maus im Hintergrund. Das haben wir jetzt umgebaut, das heisst jetzt «Italian Monkey», das machen wir jetzt im gleichen Atemzug mit dem Alice Choo.

 

Das liegt  ja grad daneben. Ist ein bisschen wie beim Monopoly, Dir gehört jetzt praktisch der  Escher-Wyss-Platz.

 

Nein, aber wir können ja nicht von jedem erwarten, dass er Asia-Food gerne hat. So können wir einem sagen, er könne vor dem Ausgang auch einen Teller Spaghetti essen und dann danach auch in den Club rüber kommen.

 

Ist aber nett. Was hast Du sonst noch?

 

Das Tinto, das hab ich knapp drei Jahre jetzt.

 

Aber eigentlich bist Du ja Weinhändler. Wie kommst Du denn zur Gastro? Hast Du soviel Wein geliefert, dass die die Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten und dann hast du gesagt, ok, gibst mir halt den Laden?

 

Nein, es hat mich schon immer gereizt, in Zürich so eine richtige Tapas-Bar zu machen, so wie in Barcelona oder Madrid, das hat in Zürich glaub noch keiner so richtig hingekriegt. Wir sind auf dem besten Weg dazu, obwohl die Zürcher nicht grad die schnellsten sind. Wenn Du zum Beispiel Lammnierchen servierst, dann sind sie oft nicht parat. Sie sagen, sie wollen etwas typisch Spanisches. Und bestellen dann Poulet. Aber weisst Du, das mit diesen Beizen, das kommt einfach, ich bin ja gar kein Beizer, ich steh da ja auch nicht drin …

 

Wie kamst Du denn zum Wein?

 

Über eine Frau. Meine Freundin nach dem KV war die Tochter eines Getränkehändlers. Der sagte irgendwann: Fertig lustig mit Getränkehandel, aber wir könnten eine Weinhandlung machen. Ich hatte grad nichts zu tun und dachte, ok, ist noch gut, und hab mich richtig reingekniet. Ich hab alles gemacht: Keller aufgeräumt, die alten Email-Schilder ausgegraben, die Syphon-Flaschen ausgewaschen, ausgeliefert, verkauft, eingekauft, einfach alles. Nach fünf, sechs Jahren hab ich gesagt: Entweder kann ich hier alles machen und ihr lässt mich, oder ich muss weiterziehen.

 

Typisch so ein Junger halt, nach ein paar Jahren denken, er könne das auch, aber besser?

 

Nein, mein Schwiegervater war der Chef, meine Frau die Sekretärin und ich das Mädchen für alles, ich hab ja den ganzen Laden geschmissen, hatte aber keine Kompetenzen, etwas zu entscheiden. Wir kamen irgendwie nicht auf einen grünen Zweig und ich fand einfach, ich wüsste wie es geht, aber mir sind die Hände gebunden. Dann hab ich ein bisschen rebelliert und gesagt: Jetzt entweder oder. Dann fanden sie, ok, lassen wir den mal machen, mein Schwiegervater hat sich dann zurückgezogen, hat mir auch die nötigen finanziellen Mittel überlassen, das heisst, es waren ja auch viele Handycaps dabei, Warenlager bis unters Dach mit Zeugs, das schwer zu verkaufen war, aber ich habs dann irgendwie hingekriegt. Ich hab dann den Laden umgekrempelt und gesagt, es heisse jetzt nicht mehr «Haus des Weins» sondern «Casa del vino» und ich mach jetzt voll auf Spanien.

 

Das war die Lösung? Konzentration auf ein Land?

 

Ja. Weinhandel ist extrem finanzintensiv, also wenn Du der Beste sein willst, das kannst Du gar nicht, das kannst Du nur, wenn Du dich spezialisierst. Es hat soviele Italiener in der Stadt, die Weinhandel betreiben, dann hats die Bordeaux-Spezialisten, dann die Grossen, die Möwenpicks und so. Die paar Spanier, die es hatte, waren so Traditionalisten, so ein bisschen eingeschlafen, die haben daneben noch Stockfisch verkauft und Büchsen mit eingelegten Muscheln und Chamon und so. Ich sagte immer: Ihr seid gar keine Weinhändler, ihr verkauft Kraut und Rüben. Wein haben sie gar nicht richtig verstanden. Die Spanier haben ihren eigenen Wein gar nie richtig ernstgenommen. Dann wars Ende achziger Jahre, Sevilla Kulturhauptstadt, Olympiade und so, und ich fand, doch, die haben Struktur und Potential und ich hab mir dann die Besten und Innovativsten paar ausgesucht.

 

Da musst Du aber schon was davon verstehen.

 

Ich hatte ja das Glück, dass ich das von Grund auf lernen konnte ohne Druck. Mein Lehrgeld hatte mein Schwiegervater bezahlt, ganz einfach. Aber es ist mir gelungen, dass dann auch umzusetzen. Wir haben mittlerweile doch ca. sechzig Generalvertretungen, alle unter den Top100 von Spanien, wir verkaufen richtig viel.

 

Wo hast Du denn das KV gemacht?

 

General-Transport am Bahnhofplatz, Import-Export, eine kleine Firma. Heidi Ulmer von Jet-Set war die beste Freundin meiner Mutter und wir hatten die kleinen Sendungen für Jet-Set importiert. So kam ich da rein.

 

Dir wurde ja alles immer irgendwie gemischelt. Nicht mit «unten durch» oder «von der Schule geflogen und dann..» …

 

Ich bin ein Frühscheidungskind. Dann sind wir nach Oberrieden umgezogen, meine Mutter war dann mit dem Fussballer Fritz Künzli verheiratet, da war ich dann sofort der «Star von Oberrieden», musste für alle Autogramme besorgen.

 

Ich hab ich immer gesagt, der Köbi Kuhn sei mein Onkel. Das war in den Zeiten, als die Cupfinals jeweils FCZ gegen FCB waren, Kuhn gegen Odermatt. Und der Cupfinal war am Pfingsmontag, wir im Pfadilager, sind dann immer zum nächsten Bauern gelaufen um das Spiel im Radio mitzuverfolgen …

 

Künzli ging dann nach Amerika, war ja einer der ersten Schweizer in der amerikanischen Liga und wir hatten zuhause dann immer die Leibchen der ganz Grossen, ich hatte das von Pele, FC Santos, das trug ich dann auf dem Pausenplatz, wenn es zuhause niemand merkte. Dann bekamen die beien persönliche Probleme miteinander und ich kam aufs Internat. Sie fanden, das wär das Beste für mich, was auch stimmte, ich mein, ich war damals dreizehn, meistens alleine zuhause, schöne Attika-Wohnung, da hab ich immer Kollegen eingeladen und das sah dann nicht mehr so schön aus.

 

Wo warst Du?

 

Alpines Progymnasium Flims

 

Wars gut?

 

Im Nachhinein schon. War zwar ein bisschen mitlitärisch: Viertel vor Sieben läutet es, Sieben Bett gemacht, Viertel nach Sieben Morgenessen.. so drillmässig.. aber es ging.

 

Hattest Du da nichts das Gefühl, nicht gewollt zu sein, als Du ins Internat kamst?

 

Nein, gar nicht. Meine Mutter bekam mich ja schon mit Achtzehn, ich war eh immer mehr bei den Grosseltern, aber wenn Du das von Anfang an nicht so persönlich nimmst, sondern denkst, ok, die sind jetzt einfach ein bisschen jung … Mein Vater sagte jeweils, ich sei ein Zufallstreffer gewesen, wurde auf dem Schulhausplatz gezeugt, ich dachte, ok, der ist halt so, kein Problem. Meine Mutter liess mich aber nie hängen. Es kam keiner ins Haus, der mich nicht akzeptierte. Ich wurde sehr früh sehr selbständig. Es war alles gut, wie es war.  Nicht immer ganz einfach, aber ok.

 

Wo wohnst Du jetzt? Zürich?

 

Erlenbach. Ich bin in den letzten zehn Jahren zehn Mal umgezogen.

 

Häuserbesetzer? Oder immer umgezogen, wenn ein Zahlungsbefehl kam?

 

Nein. Reiselustig. Nach der zweiten Scheidung zog ich mit einem Freund ins Seefeld, vis-à-vis vom Razzia, das war eine Geile Junggesellenwohnung mit Lift direkt in die Wohnung und dem Tram, dass dir durch die Wohnung fährt … dann wohnte ich in Zollikon, dann im Kreis 4 … dann irgendwann in Wollishofen ..

 

Für mich ist alles auf der anderen Seite vom Bellevue schon fast Glarnerland. Da brauchst Du Stunden, um dahin zu kommen und wenn Du dort bist, wimmelts von Einbahn- und Sackgassen und Fahrverbot und so. Das ist mir alles zu kompliziert und verkehrstechnisch dogmatisch. Aber mal was anderes: In Spanien hat ja keiner mehr Geld, mit 50% Jugendarbetslosigkeit siehts auch nicht so aus, als ob sich das bald mal ändert. Spührst Du das als Händler von Spanischen Weinen?

 

Die Produzenten sind mehr unter Druck, sie pushen den Verkauf, wollen natürlich in die reiche Schweiiz verkaufen, weil die Schweiz zahlt ihre Rechnungen und bunkern den Wein nicht, sondern trinken ihn. Der lokale Markt für Weine über zehn Euro ist praktisch tot. Und die Bodegas, die sich immer schon auf den Export spezialisiert haben sind besser dran als die Traditionalisten, die immer gesagt haben «Viva Espana – Wir veraufen vor allem in Spanien, Madrid und so», die gibt es kaum mehr.

 

Wär das nicht der Moment wo man hingehen könnte und sagen: Ok, wir kaufen da jetzt mal ein paar Bodegas auf.

 

Naja, ich weiss nicht. Es gab viele Baufirmen, die plötzlich viel Geld hatten und sagten, lass uns doch ein Weingut kaufen, das ist noch chic. Und vor zehn Jahren fing es plötzlich an zu rumpeln und siebzig Prozent der Güter standen zum Verkauf. Heute kann der Spanier nur noch überleben, wenn er ein Verkaufsnetz hat und in verschiedene andere Länder exportiert. Aber die Stimmung ist besser als auch schon. Ich bin ja etwa drei Monate im Jahr da. Die Krise war ja keine klassische Wirtschaftskrise, es war eine Politiker- und Bankenkrise.

 

Dann kamst Du also mit zwanzig zum Weinhandel, jetzt bist Du dreiundfünzig, Zeit für die Midlife-Crises so mit «das haben wir jetzt über 30 Jahre lange gemacht, da muss es doch noch was anderes geben …

 

… die ist ja schon da. Den Club hab ich eigentlich gemacht, weil ich in Bangkok in einen Laden gegangen bin, der hiess «Maggie Choo», der hat mich so inspiriert, bisschen lasziv, bisschen anrüchig,  kein Puff, nichts, einfach auf hohem Niveau ein bisschen verrucht. Dann hab ich das meinen Freunden hier erzählt und bin dann im Sommer mit dem Francesco spontan nach Bangkok und gingen in dieses «Maggie Choo» und er war total begeistert und wollte sowas unbedingt in Zürich machen. Ich dachte, will ich jetzt als alter Sack noch sowas machen, aber er ist ja zwanzig Jahre jünger als ich und  wollte es unbedingt. Aber man musste ja auch eine geeignete Location finden, so eine, wo es eine Treppe runter gibt und ein Untergeschoss, da dachte ich gleich ans Indochine. Wir haben uns dann mit dem Indochine unterhalten und uns relativ schnell geeinigt. Vor allem haben wir den Mietvertrag bis 2026 übernommen, Du weisst ja was das heisst, oder? Bist ja auch Jahrgang 61.

 

Keine Ahnung.

 

Da werden wir pensioniert. Steht auf jeder Police: Auszahlung ab 1.1.2026.

 

Hab keine. Ich glaub eh nicht dran, dass wir da noch was bekommen sollten, wenn es soweit ist.

 

Jedenfalls haben wir dann umgebaut, eine neute Küche eingebaut, alles, dass de Köche während dem Kochen nach draussen sehen können, es muss ein eigenes Angestellten-WC haben, bei den Männern muss es ein Pissoir haben, obligatorisch.

 

Hä? Wieso?

 

Wahrscheinlich weil nicht jeder absitzen kann, keine Ahnung. Man muss die Behörden ja auch nicht vestehen. Man muss einfach machen, was sie sagen. Aber wir haben ein Riesen-Team zusammen. Unser Barman ist aus Berlin, bis zum Hals tätowiert, ein Riesentyp. Mittlerweile sind wir zu dritt, sind auch finanziell gut aufgestellt. Es ist ein Superladen. Wir wollten ja auch einen Club machen für uns, weniger für die Jungen, unter 25 kommst Du nicht rein. Wenn Du zu uns kommst, sollst Du Dich ein bisschen wie in einer anderen Welt fühlen, mit Leuten, die nicht schon in allen anderen Locations dieser Stadt  gearbeitet haben. Ich hab zum Beispiel auch den Weinkeller selber einrichtet, die Gestelle aufgebaut, über hundertfünzig Positionen Wein ensortiert. Alles sauber gelistet, dann hab ichdie Verantwortlichen kommen lassen, ihnen das erklärt und gesagt: Ok, wenn ich in drei Monaten wieder hier runter komme und irgendwas ist verändert, dann häng ich den Verantwortlichen an den Eiern an die Decke.

 

Das hat die Leute dann sicher extrem motiviert.

 

Nein, so extrem war das ja nicht. Es hat mir einfach Spass gemacht, das Teil selber einzurichten, wieder mal in den Stollen zu gehen, zu schwitzen, ich hab das ja zwanzig Jahre lang nicht mehr gemacht, klar, am Abend war ich fertig, hatte Rückenschmerzen, aber es hat sich geil angefühlt.

 

Drum verteil ich die Kults auch immer wieder mal gerne selber. Mit den Händen zu Arbeiten gibt einem, der sonst nur mit dem Kopf arbeitet, ein gutes Gefühl.

 

Ist ja heute noch so. Die im Lager sagen, die im Büro machen ja nichts, sitzen nur rum, und die im Büro sagen, die im Lager sind Deppen, karren ja nur Kisten rum und so.

 

Klassiker. Die Faulen gegen die Dummen. 

 

Und am Schluss sind immer die Chefs die Arschlöcher.

 

So soll es sein. Ich war ja auch mal Lastwagenbeifahrer bei der NCR, Sommerjob während dem Studium. Da galt ein strenger Kollegen-Kodex. Da geht keiner in die Pause, wenn nicht alle Laster abgeladen sind. Musste ich auch erst lernen. Ein Student wird in solchen Situationen nicht grad geschont. 

 

Hatte was ähnliches gemacht, ich war Muldenträger auf dem Bau, den Bauschutt runtertragen und die leere Tonne wieder rauf. den ganzen Tag lang …

 

Dann warst Du ja ein Riesenkasten am Schluss.

 

Nein, im Gegenteil. ich war eher schmächtig. Hab ja dann auch Fussball gespielt, beim FCZ … war ja klar, als Stiefsohn vom Fritz Künzli …

 

Ich bin ja jetzt nicht der, der sagt «mein Verein über alles», klar mein Herz schlägt für den FC Winterthur, aber eigentlich hätte ich mehr Freude, wenn der FCZ die Schweiz international so vertreten würde wie es der FCB macht. Und dass sie GC übernehmen sollen. Und ein eigenes Stadion bekommen. Und einen anderen Präsidenten. Irgendwie haben die einfach keine Kultur. Wollte kürzlich im Fan-Shop ein Retro-Leibschen kaufen, hab gefragt, ob sie das haben, so FCZ-Siebzigerjahre, die weissen Baumwollleibchen mit dem grossen Kreislogo auf der linken Brust und ohne blöde Werbung drauf. Hatten die nicht. Ich mein, dann hast Du einen Fan-Shop aber nichts drin, was an die beste Zeit des Vereins erinnert. Ist doch eine Scheisskultur, oder? Dem Verein wurde in den letzten zwanzig Jahren das emotionale Knochenmark ausgesaugt und jetzt hat er nicht mal mehr eine DNA. Wenn mein Herz  Lust auf Fussball hat, dann geh ich auf die Schützenwiese. 

 

Das Letzi find ich architektonisch richtig geil …

 

… einmal im Jahr, wenn das Leichtathletikmeeting ist, mags ja Sinn machen. Oder für Konzerte ists auch gut. Aber für Fussball? komm schon ..

 

… aber es ist geil gebaut, so runterversetzt, warst Du damals auch am U2-Konzert?

 

Ja, beim Zweiten, wo es geregnet hat.

 

Ich war voll in einer Lounge, da ist der Albert von Monaco gekommen, die haben dann in den Katakomben unten aufs Taxi gewartet, waren voll verpisst, die sind dann ins Hyatt, wir mit, das war noch lustig, weil der Albert und seine Leute waren ziemlich gut unterwegs, er kam dann irgendwann in den Adiletten daher, ein lustiger Abend. Bono hätte auch kommen sollen, aber wollte dann doch lieber schlafen gehen.

 

Nicht einmal die Rockstars sind noch Rockstars.

 

Letztes Jahr bin ich ja drei Tage lang mit Zucchero abgehängt. Den hatte ich in Istanbul kennengelernt und ich hatte ihn eingeladen im Tinto zu essen, wenn er in Zürich ist. Dann kam der auch wirklich und sagte: Frankie, Du hast gesagt ich soll kommen, also bin ich jetzt hier. Wir haben ihn dann drei Tage lang betreut, nach dem Konzert extra noch eine Pizzeria aufgemacht für ihn, weil er nicht in ein Nobelrestaurant gehen wollte. Aber er ist wirklich ein lustiger Typ. Der ist wie wir.

 

Einfach berühmter.

 

Ich geh ja ein- bis zweimal pro Jahr nach Bodrum, Detox-Kur, in einer einfachen schönen Anlage in einem superschönen Ort. Und seit ein paar Jahren hörst Du immer, dass Naomi Campbell da hingeht oder Kate Moss, ich bin ja ein bisschen ein Kate Moss Fan. Und ich dachte, ja einmal, wenn ich da bin, wird die ja wohl auch kommen. Und voll, ich steh da so an der Reception und hab die Massagen gebucht, da stand Kate Moss neben mir und hat eingecheckt.

 

Die Kate Moss hab ich auch mal kennengelernt, im Hannover Grand in London, hab sie aber nicht gekannt, erst zuhause, als ich in der Gala ein Paperazzi-Bild gesehen hatte, dachte ich, shit, das war ja die Moss am anderen Abend, ich Depp. 

 

Das war so eine Bungalow-Anlage, ich hatte das Zimmer oben, sie unten, das war so ringhörig, wenn ich auf dem WC war, konnte ich jedes Wort hören, wenn sie telefonierte. Und sie hat andauernd telefoniert, bis morgens um zwei. Ich hätte ein Buch schreiben können, was die alles erzählt hat. Sie war richtig herzlich, auch mit den Angestellten.

 

Hofentlich auch. Das Schöne am Berühmtsein ist ja, dass man es sich leisten kann, bescheiden zu sein. Wenn man niemand ist, muss man ja immer so tun als ob, aber wenn man jemand ist, dann brauchts das ja nicht mehr, dann muss man nicht mehr so tun, dann ist mans ja.

 

Ich dachte dann schon, wenn der Moment kommt, dann mach ich noch ein Selfie mit ihr. Aber weisst Du was? Ich habs nicht gemacht. Ich kam mir irgendwie blöd vor.

 

Ist eigentlich auch viel cooler, das in einer solchen Situation eben nicht zu machen. Aber nochmals zurück: 2026, wenn die Pensionskasse fällig wird, was willst Du bis dahin noch machen?

 

Ich steh morgens um acht mal auf, trink meinen Kaffee, beantworte meine Mails, halb neun geh ich duschen, halb zehn bin ich im Büro, hab meine Mails aber schon gemacht und kann grad Gas geben. Dann geh ich lunchen. Ich mach vor allem, was mir Spass macht. Ich bin nicht mehr jeden Tag voll im Tagesgeschäft. Das machen meine Leute. Aber ich betreue immer noch gerne meine Lieferanten und meine Kunden, die ja zum Teil schon 30 Jahre bei mir sind. Ansonsten kümmere ich mich um das Wesentliche und die Zahlen. Dazu gehören auch unser Weingut in Spanien, die Restaurants, der Club und natürlich meine Familie, mir wird’s nicht langweilig.

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Autor: Rainer Kuhn

Rainer Kuhn (*1961) hat das ganze Ding hier gegründet, aufgepäppelt, fünf Mal neu erfunden, vorher Werber, noch vorher Betriebsökonomie studiert, noch vorher Tennislehrer gewesen. Dazwischen immer mal wieder ein Kind gemacht. Wollte eigentlich mal Pferdekutscher im Fex-Tal werden, später dann Pfarrer. Im Herzen ein Landbub, im Kopf dauernd unterwegs. Schreibt drum. Hat ein paar Gitarren und ein paar Amps in der Garage stehen. Macht Musik, wenn er Zeit hat. Hat er aber selten. Blues und Folk wärs. Steht nicht gern früh auf. Füllt trotzdem die Kult-Verteilboxen jeden Monat mehrmals eigenhändig auf. Fährt Harley im Sommer. Leider mit Helm. Mag Mainstream-Medien nicht. Mangels Alternativen halt Pirat geworden. Aber das ist manchmal auch streng.

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