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Vom Einkaufen in Deutschland und dem schlechten Gewissen

So alle paar Monate gehe auch ich über die Grenze einkaufen. Vorwiegend Waschmittel und Pflegeprodukte. Nicht wahnsinnig viel. Aber genug um mir das Gefühl zu geben ein paar Franken gespart zu haben. Was ich auch tue. Denn ein Deo für 2,50 Euro ist schon eher mit einem realistischen Preis verbunden als etwa 6,00 CHF für das gleiche Produkt in der Schweiz. Nun wird mir aber weisgemacht, dass ich ein schlechtes Gewissen für meine wenigen Auslands-Schnäppchen haben muss. «Ein richtiger Patriot lässt sein Geld in die Schweizer Wirtschaft fliessen» oder «Der heimische Markt muss unterstützt werden! Unsere Lokalen Geschäfte brauchen dein Geld!» Und das ist natürlich ebenso richtig. Deswegen renne ich nicht für jeden Brunz über den Zoll, sondern kaufe mein Fleisch, mein Delicorn und auch meine Filme und Bücher (Ja, ich bin old school und kaufe ab und zu mal noch einen Film oder ein Buch) praktisch nur in der Schweiz. Patriotismus wiederhergestellt?

Aber wenn ich dann sehe, wie mies die Schweizer Behörden teilweise die anständig arbeitende Bevölkerung behandeln muss ich den mir vorgeworfenen fehlenden Patriotismus schon etwas hinterfragen. Sozialarbeiter, die ihre Arbeit in etwa so seriös machen wie Donald Duck auf LSD, Einstelltage beim RAV für absolut nichts und wieder nichts, dabei hast du jahrelang brav deine Beiträge bezahlt oder, wie gerade aktuell in den Medien, ein junger vom Sozialamt abgewimmelter Mann der sich nichts mehr zu essen kaufen kann und anstatt mit einer Dose Ravioli mit der Antwort per Autostopp ins nächste Spital oder zu den Pfarrer-Sieber-Hilfswerken zu fahren abgestraft wurde. Also bitte Sozialamt Langnau, eine Dose Prix Garantie-Ravioli kostet gerade mal 2,70 CHF. Aber ich soll mir jetzt ein schlechtes Gewissen machen, wenn ich ein paar Franken durchs Einkaufen im Ausland einspare und meinem Land «Schaden zufüge», während der soziale Apparat einem hungernden Mann nicht mal eine Dose Ravioli spendieren kann?

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage lieber, was du für dein Land tun kannst.“, sprach einst der grosse John F. Kennedy. Nun, vielleicht sollte dieses Spruch besser lauten «Frage nicht, was deine Mitmenschen für dich tun können. Frage lieber, was du für deine Mitmenschen tun kannst.», denn das Land wird regiert von einer ziemlich undurchschaubaren Maschinerie und von Sozialwerken, die für die schwächer Bevölkerungsschicht absolut notwendig sind, jedoch von einem Haufen Maniacs gesteuert werden, die sich entweder nicht um die einzelnen Menschen in Problemsituationen kümmern oder schlichtweg einfach zu dumm oder zu faul sind diesen Job richtig zu machen.*

*Dem Autor ist bewusst, dass unser Land grossartig ist und auch die Sozialwerke, verglichen mit dem grössten Teil der Rest der Welt.

 

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Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

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