Das zweite Interview dieses Jahres aus der Reihe „Rockstars des Alltags“ kommt wieder aus dem Alice Choo in Zürich. Bei einem liebevoll zubereiteten asiatischen Business-Lunch lässt es sich entspannt plaudern. Da ich beim letzten Mal fast vergessen hatte, mein Gegenüber zu fotografieren, wollte ich es dieses Mal gleich zu Beginn machen. Sicher ist sicher. Noch sicherer war es, Chrigi das Foto gleich selber machen zu lassen, schliesslich ist er der mit dem Auge, so als Fotograf, Filmer und Cutter. Ich bin eher der mit dem Aufnahmegerät. Und liess es die nächsten neunzig Minuten einfach laufen. Und das hat es aufgenommen:
Wie weit können wir zurück?
So zehn Leben sollten reichen, oder?
Normalerweise klinken wir irgenwann bei der Pubertät ein. Aber in deinem Fall ist das noch heikel, nicht?
Nein, eigentlich nicht.
Nein?
Nein, überhaupt nicht.
Weil, ist schon noch heavy, oder?
Ist ja jetzt auch schon lange her, 1991 war das.
Wie alt warst Du da?
21. Man sagt ja immer, die Siebnerzahlen im Leben gäben jeweils eine grosse Wende. Bei mir stimmte das total.
Was war denn bis 21? Heile Welt?
Mehr oder weniger heile Welt, ja. Einschlagend für mich war, dass ich mit 16 «kreisrunder Haarausfall» bekommen habe. Das ist, wenn einem die Haare in kreisrunden Teilen ausfällt. Das ist eine Krankheit, von der man nicht genau weiss, was es ist und was man dagegen tun kann. Mit 18 hatte ich dann gar keine Haare mehr.
Ist aber ein Scheissalter, um sowas zu bekommen.
Ein totales Scheissalter, ja. In dem Alter will man ja cool sein und gut aussehen. Und ich hatte wirklich alles weg. Keine Haare, keine Augenbrauen, keine Wimpern mehr, nichts.
Wurdest Du deswegen ausgelacht auf dem Pausenplatz?
Nein, ich war relativ kräftig. Hatte Karate gemacht und so…
… warst Du da schon beim Andy Hug im Training?
Nein, das war später, als ich vom Gymi weg war.
Mit 16 fielen Dir die Haare aus. Und dann?
Ja gut, vorher war ich extrem selbstsicher und das ist dann halt zusammengebrochen. Ich trug eine Mütze bis tief ins Gesicht, damit man es nicht sieht, und die meisten Leute dachten: Ah, Chemotherapie, armer Bub, krank und so. Das hat mich dann eher introvertiert gemacht. Ich habe mich einfach zurückgezogen.
Wie reagierte Dein Freundeskreis darauf? Hat sich der dann verändert?
Nein, der blieb derselbe, das war relativ stabil. Aber für mich brauchte ich eine Zeit lang, um das zu akzeptieren. Anfangs hatte ich ein Toupet, ich spielte Handball und bei einem Match flog mir dann das Toupet vom Kopf, das war natürlich superpeinlich. Ich hab dann aufgehört mit Handball spielen, obwohl ich eigentlich noch recht talentiert war. Später hat sich das dann wieder ein bisschen regeneriert, die Haare kamen wieder, dann fielen sie wieder aus, das war immer so ein hin und her, bis heute.
Und nach zwei Jahren hattest Du dich daran gewöhnt?
Eher zehn Jahre.
Dann wurden die Glatzen eh hip hier in Zürich.
Ja, aber es war schon ein Unterschied, die Augenbrauen fehlen, das sieht schon anders aus, seltsam irgendwie. Für mich war das extrem heavy, so in die Schule zu müssen. Auf der anderen Seite hab ich auch was gelernt, ich habe eine andere Perspektive bekommen, vorher war alles eher oberflächlich, alles lief super, ich war gut in der Schule, im Sport, kam gut an bei den Girls, das Elternhaus war gut. Und plötzlich war ich der, der komisch angeschaut wurde. Und dann kurz vor der Matur ist dann das mit meinen Eltern passiert …
… passiert …. was genau ist da eigentlich «passiert»?
Ja, was ist passiert … ich hatte Ferien, arbeitete in einer Videothek, abends um zehn kam mich ein Freund abholen und wir wollten noch was zu kiffen organisieren, hatten aber nichts gefunden, und so anderthalb Stunden später kam ich nach Hause, und als ich nach Hause kam lagen beide Eltern im Wohnzimmer mit zwei Kopfschüssen am Boden. Dann kam natürlich die Polizei und …
.. ja nachher, aber jetzt wart mal, erst kommst Du nach Hause , kommst in das Zimmer und stehst vor dieser Situation. Was geht da in einem vor?
Das ist natürlich völlig unreal. Ich gab mir während des ganzen Abends sicher zwanzig Mal eine Ohrfeige in der Hoffnung, ich wache auf. Ich konnte das nicht richtig fassen. Ich hab dann zwar reagiert, da bin ich noch extrem, ich hatte schon mehrmals situationen, wo es um Leben und Tod ging, und ich habe gemekrt, in solchen Situationen reagiere ich immer sehr rational, funktioniere nur noch. Zuerst schaute ich nach, ob sie noch Leben, taten sie aber nicht, dann rief ich gleich den Krankenwagen und die Polizei, es hatte frisch geschneit und die Polizei kam mit 10 Leuten, latschten ums Haus herum, und ich so: Hey, was ist mit den Spuren? Wollt ihr nicht zuerst Spuren sichern, bevor ihr einfach so rumläuft? Die hatten das richtig verhängt, dachten es war ein Selbstmord und ich hätte die Waffen versteckt …
… wurdest Du verdächtigt?
Ja, klar, aber nur kurz, ich war sieben Stunden im Verhör, und dann kam irgendwann die Frage nach meinem Bruder, was ich da für ein Gefühl hätte. Ich hatte irgendwie ein komisches Gefühl, konnte nicht mit Bestimmtheit sagen «Nein, der sicher nicht». Wenig später kam er in die Schweiz, kam grad zum Verhör, aber es ist nichts rausgekommen. Danach hab ich ihn gesehen und er hatte einen Zusammenbruch, ich hatte ein komisches Gefühl und hab ihm ein paar Fragen gestellt, er sagte ein paar Sachen, von wegen Mafia und er sei erpresst worden und blablabla …, da wusste ich, er wusste mehr und hab ihm gesagt, er müsse zur Polizei gehen und aussagen, das hat er dann gemacht und kam nicht mehr aus dem Gefängnis raus. Erst ganz am Schluss, als er ins Sterbehaus kam, er hatte Aids, ist dann daran gestorben.
Und wieso hat er das gemacht?
Geld. Er hatte Aids, spielte gerne den Grosszügigen in der Disco, er war Artist, hatte eine Show und trat in Casinos auf, er war sehr talentiert. Er hatte einen älteren Geschäftspartner, sie hatten abends getrunken und diskutiert, dass mein Bruder ja nicht mehr so lange zu leben hat und dass er doch noch Geld ausgeben wollte, dann kam die Idee, dass die Eltern ja Geld haben, also bringen sie sie doch einfach um. Die Idee war zuerst, die ganze Familie umzubringen, auch die Grosseltern und mich …
… da muss man aber schon extrem schräg drauf sein … das man dann noch das Gefühl hat, man kommt davon?
… ja, ich glaub bei ihm ist das schon in Schizophrenie bergegangen, er hatte so wie zwei Gesichter … und ehrlich gesagt, die Polizei hat ja nichts rausgefunden, er ist wegen mir zusammengebrochen …
Wie hast Du das denn verarbeitet? Psychoanalyse oder so?
Nein, ich hatte das Glück, dass meine Mutter sehr spirituell war, Pendeln, Medien und solche Sachen waren für mich normal und real, und nachdem das passiert ist, hatte ich Kontakt zu Leuten, die Rückführungen machten und auch Kommunikation mit Toten und von denen bekam ich so Techniken, ich ging dann nach Hause und hab das gemacht, und dann gab es einen Riesenknall im Haus, ich bin total erschrocken, dachte, das wär jetzt ein bisschen too much … Irgendwann bin ich dann eingeschlafen und dann wieder wie aufgewacht, aber nicht richtig, so eine Art Astralkörper, ich bin aufgestanden und ins Zimmer nebenan gegangen, wo meine Eltern waren, und ich habe mit ihnen geredet, über die Situation, wie ich mich verhalten soll, wie ich mich gegenüber meinem Bruder verhalten soll, und ich hatte so fast ein Jahr lang ein Paralleleben, ich war ein einer Welt mit meinen Eltern, die war für mich fast realer als die reale Welt, und in dieser Welt waren sie ja da, waren sie nicht tot, und das andere ist eine Art Traum.
Ist das nicht etwas, wo man jetzt sagen müsste, das wäre eine Psychose? So wie im Hitchcock-Film, wo der Perkins mit seiner toten Mutter zusammenlebt …
Man kann es so oder so interpretieren. Mir hat es gut getan, das war meine Art der Verarbeitung, ich habe dadurch auch nie Hass empfunden …
… von Anfang an nicht?
Nein, ich bin halt so erzogen worden, dass Hass nicht wirklich funktioniert, ich hatte meinen Bruder auch im Gefängsis besucht, hab versucht ihn zu unterstützen, bis ich einfach Mühe hatte mit seiner Attitude, weil er quasi immer nur darüber geredet hatte, was für ein Armer er doch sei, dass er jetzt im Gefängnis sitzen müsse und so … nach einer Weile hatte ich mich dann eher von ihm distanziert.
Ist ja grundsätzlich eine spannende Fragen, generell, wenn jemand stirbt: Tun Dir die Leute leid, die gestorben sind? Oder eher die Hinterbliebenen?
Der wesentliche Punkt für mich war, dass es für mich klar war, dass meine Eltern noch da sind, für mich war klar, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, dass meine Eltern in einer anderen Dimension sind, wo es ihnen gut geht, wo sie mich aber wahrnehmen und mich sehen und das letzte, was sie wollen, ist, dass ich leide, weil sie nichts machen können.
Was mich jetzt Wunder nimmt: Haben die «Toten» so eine Art Trauerbewusstsein? Ich mein, denken sie vielleicht: Scheisse, jetzt bin ich da, ich wär lieber noch ein bisschen dort geblieben?
Nein. Also das gibt es sicher auch, aber im Falle meiner Eltern war die Akzeptanz da, es ist passiert, es gehört zu einem höheren Plan und es geht ihnen gut. Das Schlimmste für sie ist, wenn sie sehen, dass es den Leuten, die sie lieben, nicht gut geht.
Gibt es ein Gefühl von «vermissen» von der anderen Seite her? Von dieser Seite ist das sicher so, aber von der anderen Seite her?
Ich denke, es gibts auf beiden Seiten, aber man muss auch aufpassen, ich hatte schnell gemerkt, dass extreme Trauer auch viel mit Egoismus zu tun hat. ICH will, dass sie noch da sind, ihnen gehts eigentlich gut … ich hatte für mich einfach ziemlich schnell gemerkt, dass das Schlimmste, was ich machen konnte, war, mich aufzugeben und in Depressionen rutsche … ich habe zwar etwas verloren, aber meine Eltern sind auf der anderen Seite und sehen mich und denken, shit, wir wollen ja, dass es ihm gut geht, aber können nicht helfen … das hat mir die Kraft gegeben, das so zu sehen …
Das würde ja bedeuten, dass man ein Fest machen sollte, wenn jemand stirbt, dass man das Leben erst recht geniessen sollte.
Eigentlich schon … für mich ist der Tod eine Geburt in eine andere Ebene …
Hast Du Angst vor dem Tod?
Vor dem Tod selber nicht, vielleicht vor der Art, wie es passiert, aber vor dem Tod nicht, ich denke, es ist der süsseste Kuss des Lebens …
Die ganze Geschichte hat dich mit 21 auf einen Schlag erwachsener gemacht als alle anderen Gleichaltrigen, nicht?
Das war ein riesen Change, vom Schüler, der keine Sorgen und Sackgeld hatte, keine Ahnung hatte was er machen wollte im Leben, päng, ein Auto, ein Haus, Geld, aber keine Familie mehr. Drum hab ich bis heute ein sehr abstraktes Gefühl zu materiellen Sicherheiten, ich hatte plötzlich Geld, aber ich empfand es irgendwie als schmutzig, wenn ich hätte tauschen können, hätte ich keine Sekunde überlegt. Aber es gab mir auch die Möglichkeit, das zu machen, was ich wollte, was mich interessierte, das waren Film, die visuelle Welt, meine Mutter war Fotografin, ich konnte zwei Jahre lang ohne Druck alles lernen …
… wie war das denn mit der Umgebung? Ich mein, das war ja ein Riesenthema, Blick, Sonntagsblick, die waren voll davon, oder nicht?
Mein Vater war Journalist und kannte die meisten Chefredaktoren persönlich. Ich denke, ich wurde deshalb sehr geschont.
Aber irgendwann gehst Du wieder zur Schule, stehst auf dem Pausenplatz und weisst, die anderen Schüler reden
… ja, das war zwei Monate vor der Matur, aber ich hatte gute Freunde, die hatten mich extrem unterstützt, ich konnte mit dem Gerede relativ gut umgehen. Ein solches Erlebnis relativiert alles …
… ein blöder Spruch auf dem Pausenplatz könnte ja auch gerade der Auslöser sein, dass jemand dann halt durchdreht, oder?
Bei mir nicht, bei mir war es so, dass es so viel wichtigeres gab, als blöde Sprüche.
Und irgendwann kamst Du nach Zürich?
Ja, das war im 97.
Dann kamst du ja nur gerade zwei Jahre vor mir nach Zürich?
Ja, und einer der ersten, die ich hier kennengelernt hatte, war Yves Spink, und ich dachte, läck, da gibts auch noch lustige Leute hier in Zürich.
Einer der ersten, die ich hier kennengelrnt hatte warst glaub Du. Kommt mir grad in den Sinn. das war aneiner Bombshell-Party, Scotoni hat Dich und Simone Bargetze mir vorgestellt. Da dachte ich als Winterthurer auch, Ihr seid zwei Freaks. Was ja auch stimmt, irgendwie.
Ja, damals hatten wir gerade für Star-TV ein Format entwickelt, «freestyle», das war eigentlich das erste Extremsprtart-Magazin in Europa, und Simone und Chris Bachmann hatten das moderiert. Das waren extrem gute Zeiten, das war richtig Rock’n Roll, wir waren in der Produktion total frei, hatten Paul Grau einfach das fertige Tape in die Hand gedrückt und er hats ohne anzuschauen gesendet. Er hat dann zwar einen Rüffel von der UBS bekommen, das war der Hauptsponsor der Sendung, weil wir einen Bericht übers Kiffen drin gehabt haben … aber für uns wars natürlich schön, so zu arbeiten. Im Gegensatz zu heute, wo du so viele Abnahmen beim Fernsehen hast, und alles muss für jeden korrekt sein und blablabla … damals wars wirklich Rock’n Roll.
Und gleichzeitig hast Du heute so viele Sachen, dass du dann gar nichts Neues machen kannst, den die neuen Sachen finden dann halt wieder in den Extremen statt, und die kommen dann nicht durch.
Für die neuen Sachen hast du heute Youtube. Da hast du die Möglichkeit, wenn du eine freakige Idee hast kannst du sie umsetzen und zeigen, da sitzt kein Gremium, welches das ganze abnehmen muss oder jemand der sagt «spinnst du, das zeigen wir sicher nicht».
Ist ja ein bisschen wie in der Musikindustrie, wo dun icht mehr umsverrecken ein Plattenlabel brauchst, um etwas zu veröffentlichen. Die technischen Möglichkeiten mit GoPro und so stehen jedem zur Verfügung und man hat das bisher als «unperfekt» Geltende längst akeptiert, mehr noch, man versucht in den etablierten Institutionen, die Einfachheit und Spontanität nachzustellen, was dann halt meistens nicht gelingt. Wenn du was gutes hast, brauchst du das Fernsehen nicht mehr unbedingt, dann stellst du es ins Netz und vielleicht sehen das dann eine oder zwei Millionen, soviele Zuschauer hast du nicht mal, wenn du die Lauberhorn-Abfahrt gewinnst.
Oder rein die Technik: Vor 20 Jahren, wenn du auf dem heutigen Level Fernsehen machen wolltest, oder Filme, dann musstest du 500’000 Franken ausgeben, heute kostet das 5’000 Franken, für die gleiche Qualität, das ist total krass, da sind einfach zwei Nullen weggefallen, ich mein, früher, so eine 35mm-Kamera hat 100’000 Franken gekostet, ein Objektiv vielleicht 50’000, heute kostet Equipment, welches diese Qualität bringt, ein Bruchteil davon. Heute können Leute ihre Talente zeigen, die es früher aus reinen Kostengründen der Technik nicht konnten.
Die Technik hat die Produktion demokratisiert. Das bringt zwar auf der einen Seite grossartige Sachen hervor, auf der anderen Seite auch viel Schrott. Das hat die natürlich auch die Aufgabe verändert. Früher warst du eine Muschel, heute der Perlentaucher.
Und verschiedenen Perlentauchern gefallen verschiedene Perlen. Es ist heute einfach viel mehr möglich. Du kannst heute sogar mit einem Handy einen Film machen. Das Handy hat vieles verändert.
Erst das Fliessband, dann das Internet und dann das Smartphone.
Aus spiritueller Sicht betrachtet sind es so Abbilder. Das kollektive Unterbewusstsein, oder die Akasha-Chronik, wo alles, was jemals gedacht, gesagt oder getan wurde gespeichert ist, das ist eigentlich das Internet, oder Telepathie, das ist das Handy, ist noch interessant, oder? Wir spüren, dass wir es eigentlich haben und setzen es dann technisch um.
Da stellt sich mir die Frage, was denn die Idee war. Diese Fähigkeiten technisch nachzubauen? Oder sie zu bauen, damit diese Fähigkeiten nicht genutzt werden? Ich mein, waren all die Sachen ein Geschenk oder eine Hypothek?
Sie sind beides. Fluch und Segen.
Für die Kids ist es definitiv ein Fluch. Ich sehs bei meiner jüngeren Tochter. Das beschissene iPhone ist ein richtiger Körperteil geworden, es ist mir ihr verwachsen, jedes Mal, wenn ich es abends einziehe, schreit sie, als würde ich ihr den Arm abreissen. Ich sag dann, mal doch wieder mal was, oder schreib was, oder lies was und sie meint sie lese ja, sie lese Whatsapp-Nachrichten.
Ja gut, aber wenn ich ehrlich bin, ich bin auch nicht der, der jetzt was malt, ich sitze ja auch die ganze Zeit vor dem Computer, ob Smartphone oder Laptop macht für das Kind keinen Unterschied, meiner sagt dann «Und Du? Starrst ja auch die ganze Zeit in den Bildschirm!», da denk ich mir, stimmt ja, kann ja nicht sagen mal was und ich starre in den Bildschirm, da muss wieder was von mir kommen, dann gehen wir in den Keller ein bisschen trainieren, zeig ich ihm ein paar Box-Tricks, oder wir spielen was, irgendwas, was einem selber auch wieder rausbringt. Das sollten die Leute auch sehen, wenn sie sich darüber beklagen, dass die Kinder nur noch vor dem Handy hocken, das sind dann die gleichen Leute, die den ganzen Abend vor dem Fernseher sitzen. Ich mein, wer ist noch kreativ? Nicht mehr wahnsinnig viele, oder? Es ist einfach wichtig, dass man den Kindern Alternativen gibt.
Das Problem sind also wir.
Ja, klar, wir und die ganze Ablenkungsgeneration, du musst dich nicht mehr fragen, was du machen sollst, es läuft immer irgendwo irgendetwas. Vielleicht ist es am Ende ja vielleicht so, dass die Kinder in ihren Chats kreativer sind als die Eltern, die sich einen Abend lang Serien reinziehen. Vielleicht entwickeln sie aber auch ganz andere MultitaskingFähigkeiten. Kürzlich musste mein Sohn ein Gedicht auswendig lernen und er so mit Kopfhörer und Musik und Handy daneben am lernen, und ich dachte, so kann man ja nicht lernen, und als ich ihn nach einer Viertelstunde abgefragt hatte, konnte er es perfekt.

