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Ode an das Weibchen

Ich erinnere mich zurück. Einer, wenn nicht DER Text, der mir am meisten Likes eingebracht hat, war meine „Ode an die Männer.“

Ganz alle fanden sie aber nicht lässig – vor allem diejenigen nicht, die Schwierigkeiten haben, zwischen Männerliebe und Frauenhass zu unterscheiden. Das finde ich immer etwas schade.

Um mit diesem Irrglauben aber endgültig aufzuräumen, folgt nun meine längst überfällige Liebeserklärung an mein eigenes Geschlecht.

Liebe Meitli, liebe Frauen, liebe Schwestern

Wir sind grossartig.

Wir sind lieb, wir sind sanft, wir sind warmherzig.

Uns sind die Dinge nicht egal, wir durchdenken sie – ja, manchmal zu oft. Und ja, manchmal zu lange.

Und ja, manchmal sind wir Bitches, es ist wahr – weil wir nicht gleichgültig sind, weil uns das, was uns passiert und gesagt wird, berührt und wir es ernst nehmen. Manchmal, weil die Männer sich wie Idioten aufführen und es schlicht nicht anders verdienen – manchmal, weil wir überempfindlich sind und uns das dann nachher leid tut.

Wir riechen aber auch gut und wir haben zarte Haut, vor allem an den Wangen. Und wir haben schöne (lange) Haare und auch die riechen gut – nach Blumen und Früchten. Und wir sorgen gerne für unsere Männer und tun ihnen Gutes, einfach so. Und wir sorgen auch gut für einander: wenn unseren Freundinnen das Herz blutet, dann schwingen wir uns aufs Velo und bringen mitten in der Nacht selbstgemachte Cupcakes vorbei, hören stundenlang zu, leiden und heulen mit. Ganz ohne uns anstrengen zu müssen.

Und wir menstruieren und drücken beim Gebären etwas von der Grösse einer Melone aus einem Loch, das so gross ist wie eine Erdnuss. Unsere Körper sind robuste, geniale Wundermaschinen – abgesehen von der Anfälligkeit auf Blasenentzündungen vielleicht, darüber müsste man mit Mutter Natur mal noch ein ernstes Wörtchen reden.

Kurz: WIR SIND AWESOME!

Ja. Ich hasse es, jeden Monat Krämpfe zu haben. Ja. Ich hasse es, dass wir durchschnittlich noch immer weniger verdienen als die Männer. Und ja. Ich hasse es, dass Frauen Gewalt angetan wird. Ich werde immer dafür kämpfen, dass das irgendwann aufhört – egal, wie oft man mich Kampfemanze oder Amok-Feministin nennt.
Und trotzdem würde ich immer eine Frau sein wollen, wenn ich die Wahl hätte. Immer. Jedes einzelne Mal.

Meine lieben Frauen, liebe Mütter, meine lieben Freundinnen, Kolleginnen, Bekanntschafterinnen. Ich verneige mich vor Euch und dem, was Ihr leistet. Es ist mir eine fucking Ehre, eine von Euch zu sein!

Foto: listbuzz.com

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Yonni Meyer

Autor: Yonni Meyer

Yonni Meyer (*1982) wuchs dort auf, wo’s mehr Kühe als Menschen gibt. Und das war gut so. Kantonsschule in der Nordschweizer Provinz (Hopp Schafuuse). Studium im Welschland (Sprachen und Psychologie). Umzug an die Zürcher Langstrasse 2011. Seither konstant kulturgeschockt. Ende Juli 2013 Geburt des Facebook-Blogs „Pony M.“
September 2013 Einstieg bei KULT. Ab 2014 Aufbruch in die freelancerische Text-Landschaft der Schweiz. Meyer mag Blues. Meyer mag Kalifornien. Meyer mag Igel. Meyer mag Menschen. Manchmal.

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