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Zitate und gewöhnliche Menschen

Wieso ist das Zitat von jemandem öffentlich Bekannten wichtiger als, das eines öffentlich Unbekannten? Jemand Populäres, der Anerkennung bekam für etwas künstlerisches, politisches, wohltätiges. musikalisches, modisches, popkulturelles – was auch immer die Menschen ausgezeichnet haben, weil sie es für wichtig erachteten. Oder einfach nur, weil sie sich selbst gerne so sähen, wie sie nicht sind. Dabei vergassen, dass eigentlich die, die unsere Gesellschaft tragen, nicht die Philosophen, Denker und Gestikulierer sind, sondern wohlgemerkt das Bürgertum. Der Arbeiter mit Überlebenswillen. Der Gewöhnliche. Wenn uns solch einer sagte, wie er es schaffe jeden Tag hart zu arbeiten ohne Aussicht auf Besserung, trotzdem nicht aufzugeben, zu lachen dabei – fänden wir seine Weisheit genug ehrbar, um sie wertzuschätzen? Ihn zu zitieren, die Zitate in tausend grafischen Variationen auf Google wieder zu finden? Seinen Namen klein unter den Facebook Status zu schreiben?

Wahrscheinlich nicht. Er habe ja keine Höchstleistung erbracht, werden wir denken. Sei halt einer wie viele. Er habe uns nichts gegeben, wovon wir träumen möchten, was wir anstreben möchten. Grosses! Nicht etwas, das jeder kann!

Meine Nachbarin, eine italienische Nonna, etwa 65, sagte vor kurzem: „Jelena, Frau make de Huus. Aber Frau au make de Huus kaputt.“ – So viel Weisheit in so wenigen Worten.

Ich sage: Der grösste Fehler der Menschheit ist wohl, dass sie das Besondere im Gewöhnlichen nicht zu sehen vermag.

Die gedanklichen Meisterleistungen des Alltags  – von gewöhnlichen Menschen erbracht.

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Jelena Keller

Autor: Jelena Keller

Jelena ist von Beruf Journalistin und Sprachlehrerin, Schweizerin serbischer Abstammung. Sie mag lange Texte und langes Grübeln. Sie hat sich daran gewöhnt zu viel zu denken und zu wenig zu schlafen. Wenn sie gar kein Auge zumachen konnte sieht sie die Welt nüchtern und in einem Grauton. Wenn sie ausgeschlafen hat, wandert sie mit ihrem Hund auf grüne Berge, durch bunte Blumenwiesen und rosa Weizenfelder. Schreibt auch mal Gedichte und Kurzgeschichten, reist am liebsten um die Welt und probiert Neues aus. Sie meint tatsächlich, dass sich alle Probleme lösen liessen, wenn man sich nur ab und zu in die Lage des Gegenübers versetzen könnte. Walk in my shoes und so. Trotzdem versteht sie manche Menschen nicht. Die, die sich vor dem Leben und dem Tod fürchten und andere verurteilen. Aber von den meisten anderen denkt sie, sie seien alle Freunde, die sie bloss noch nicht kennengelernt hat.

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