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Dick ist doof (Teil 5)

Fortsetzung von «Dick ist doof» (Teil 4)

Eines vorweg: Ich habe mein Gewicht nicht halten können.

Wer wieder normal isst, nimmt zu
Bei jeder Diät, egal welche Form man wählt, ist jeder im persönlichen Umfeld ein Jojo-Effekt-Spezialist und Prophet: „Musst nur schauen, wenn du anschliessend wieder normal isst, legst du die verlorenen Pfunde null Komma plötzlich wieder zu. Das war bei mir so, das war schon bei meiner Mutter so, bei meiner Grossmutter – und es wird auch bei meinen Kindern wieder so sein.“ Natürlich ist das so, und da muss man auch keinen Bachelor in Ernährungsberatung besitzen: WENN man sich hinterher wieder GENAU SO ernährt, wie man es vor der Diät getan hat. Selbstverständlich habe ich das NICHT getan. Deshalb ist es mir auch nicht gelungen, mein Gewicht nach der Saftkur zu halten, sondern ich habe seither, es ist inzwischen ein weiterer Monat vergangen, noch drei zusätzliche Kilos abgenommen, und der Weg zeigt weiterhin nach unten. So jedenfalls der Plan.

Die Lust an jeder einzelnen Mahlzeit
Wer einen ganzen Monat keine feste Nahrung zu sich genommen hat, der freut sich ganz ungemein, überhaupt wieder etwas zwischen die Zähne zu bekommen. Ich habe von dieser Vorfreude in den vorherigen Folgen meiner Fortsetzungsgeschichte ausführlich erzählt. Die Kunst nach einer solchen Kur besteht jetzt einerseits darin, seinen gesamten Menuplan zu überdenken – und andererseits dieses Lustgefühl an jeder einzelnen Mahlzeit beizubehalten. Zugegeben, das ist nicht ganz einfach, besonders dann, wenn man zwischendurch wenig Zeit fürs Essen hat. Ist dieses Zeitmanko ein Dauerzustand, ist es möglicherweise an der Zeit, seinen Lebenswandel ganz generell zu überdenken. Nahrung ist schliesslich nicht bloss Mittel zum Zweck (ein Sättigungsgefühl zu erreichen, weil einem mit leerem Magen alles viel schwerer fällt), sondern der wichtigste Weg, seinem Körper alle notwendigen Nährstoffe zuzuführen. Hand aufs Herz: Wer weiss schon, was der tatsächliche Tagesbedarf all dieser Stoffe ist, und womit wir uns einfach Ballast zuführen, den wir anschliessend als Mehrgewicht mit uns herumtragen? Eine Saftkur ist nicht die einzige, aber eine sehr gute Gelegenheit, sich einmal darüber zu informieren. Und zwar nicht nur über den Kalorienbedarf, sondern auch auch Kohlenhydrate, Eiweisse, Fette, Cholesterin, Natrium, Kalium…

Was sich in unserer Narung verbirgt
Ich gehe hier nicht auf Details ein. Ich bin kein Ernährungsberater, und da draussen gibt es massenhaft Literatur, die man zu Hilfe nehmen kann. Welches jetzt der richtige Ratgeber ist, muss man für sich selber herausfinden – was sich als nicht ganz einfach gestaltet, denn der Bücher-Dschungel ist gross, ebenso die Gefahr, dass man sich darin verliert. Aber wer sich gerade am überlegen ist, in Zukunft mehr Augenmerk auf die Auswahl der Nahrungsmittel zu legen, wird sich bestimmt auch die Zeit nehmen, den für sich passenden Weg zu suchen. Es gibt allerdings nicht nur reine Berater, sondern viele interessante Bücher, die unsere Essgewohnheiten durchleuchten und Spannendes aus der Lebensmittelindustrie zu berichten haben. Ich möchte hier bloss zwei Titel erwähnen, die bei mir gerade auf dem Nachttisch liegen: „Fette Irrtümer – Ernährungsmythen entlarvt“, von ETH Dozent Paolo Colombani, erschienen im Orell Füssli Verlag. Und „Die Essens Fälscher“ von Thilo Bode, erschienen bei S. Fischer. In diesen beiden Titeln zu blättern bringt so einiges zu Tage, worüber wir uns oft wundern. Beispiel: „Ich esse eigentlich ganz normal und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich in den letzten Jahren dermassen zugenommen habe.“ (Ich zitiere mich hier auch gleich selber.) Jedes Kind weiss, dass wir heutzutage massiv zu viel Zucker konsumieren. Wo sich dieser aber überall versteckt, entzieht sich unserer Kenntnis oft. Drehen Sie bei der nächsten Gelegenheit einmal die überaus gesund erscheinende Packung Knäckebrot beim Grossverteiler und checken Sie die verpackten Kalorien pro 100 Gramm. Sie werden erstaunt sein. Wiederholen Sie das auch bei anderen Gütern des täglichen Bedarfs. Ihr Erstaunen wird keine Grenzen kennen. Besonders dann, wenn Sie ihren täglichen Kalorienbedarf kennen.

Halb leer oder halb voll?
Eine wichtige Tatsache ist: Seitdem ich wieder esse, gibt es für mich nicht mehr die zwei Perspektive vom entweder „halb leeren“ oder „halb vollen Glas“, rsp. Teller. Wenn ich etwas zu mir nehme, sei es nun Frühstück, Mittagessen, Abendessen oder Snack, ich freue mich immer darauf. Diese Freude zu empfinden hängt natürlich auch sehr damit zusammen, was auf den Teller kommt. Meine Lust am Gesunden ist nach einem Monat uneingeschränkt. Zwar hatte ich schon vorher gerne Früchte, Gemüse und Salate, von allem gabs aber, aus der jetzigen Optik betrachtet, viel zu wenig. Ich werde mit grosser Wahrscheinlichkeit nie auf mein Stück Fleisch verzichten wollen, dafür schmeckt es mir viel zu gut. Im Zentrum meiner Ernährung steht heute aber, was zuvor Beilage war. Die kulinarische Horizonterweiterung kennt praktisch keine Grenzen. Bloss weil ich derzeit keine Pasta esse, keinen Reis, kein Brot, keinen Käse, wenig Kartoffeln – alles Dinge, die ich ausgesprochen gerne habe und welche bisher täglich zu meinem Menuplan gehörten – muss ich nicht darben. Ich liebe es, Gemüse- und Früchteabteilungen zu durchforsten und mich mit kiloweise Grün & Bunt einzudecken. Vieles davon schmeckt vorzüglich roh, im Salat, geknabbert zwischendurch und alles gekocht, gedünstet, angebraten oder im Ofen gebacken. Dazu gibts ein Pouletschnitzel oder sonst ein mageres Stück Fleisch. Oder auch mal gar keines. Zwischendurch schlage ich übrigens durchaus auch auch mal über die Stränge. Dann gibts auch mal ein Kalbs Kotelette, eine halbe Flasche Rotwein, eine Bratwurst (ohne Brot) und auch mal zwei, drei, vier Bier. Solange man sich bewusst ist, dass überzählige Kalorien (und Fette und Eiweisse, etc.) hinterher etwas zusätzliche Bewegung erfordern, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Ist man zu bequem dazu, gibts am darauffolgenden Tag einfach etwas weniger auf den Teller, und das Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Erkenntnis: Ich bin für mich und meinen Körper ganz alleine verantwortlich (solange ich nicht an einer Stoffwechselkrankheit leide). Ich habe es in der Hand, ungesunden Verlockungen zu widerstehen und mir stattdessen Gutes zu tun. Das muss ich allerdings mit Überzeugung wollen, kneifen gilt nicht.

Von King Kong und Elefanten
An Gewicht hatte ich also bisher 15kg verloren. Noch deutlicher zu spüren ist allerdings, dass mein Bauchumfang markant abgenommen hat. Das schlägt sich darin nieder, dass mir Hemden perfekt passen, die sich vorher nur mit Mühe oder überhaupt nicht mehr zuknöpfen liessen. Der Moment war gekommen, auf meiner gewichtsmässigen Talfahrt einen kleinen Zwischenhalt zu machen und mich garderobetechnisch neu einzudecken. Wohlwissentlich, dass ich mich bei meinem momentanen Gewicht bloss auf der Vorbeireise befinde. Ich beabsichtigte demnach nicht, mich gerade vollumfänglich neu einzukleiden. Und schon gar nicht, mir extra teure Klamotten zuzulegen. Nein, es sollte einfach eine neue Hose sein. Dies ist nämlich dasjenige Kleidungsstück, welches mir in der Regel am meisten Kopfzerbrechen bereitet beim Kleiderkauf. Wie quetscht sich die Menschheit in solch enges Beinkleid, in welches ich – etwas überspitzt gesagt – gerade mal meinen Oberarm reinbringe? Sollte ich jetzt etwas Passendes finden, ohne dafür in der Elefanten-Abteilung danach zu suchen? Eine kleine Anekdote hierzu: In Malaysia hat mir einst ein Marktverkäufer zugerufen: „Got T-Shirts for you Sir! We got your size! Got King Kong size Sir!“ Sehr schmeichelhaft, Schlitzauge! Ich habe verzichtet. Am letzten Samstag habe ich hingegen nicht verzichtet. Ich habe tatsächlich eine Hose gefunden, die nicht nur hervorragend sitzt, sondern auch noch sehr hübsch aussieht. Wie schmeichelhaft! Und wissen Sie, was das Beste war? Es gab sogar noch Hosen in grösseren Grössen. Ich habe mir von meinem Modell gleich vier Stück in vier verschiedenen Farben gekauft. Et voilà!

Wie weiter?
Bei allem Glücksgefühl in der Hose muss ich gleichzeitig zugeben: Das Gewicht halten zu können oder gar noch mehr zu verlieren, ist ein sehr diffiziles Unterfangen. Da sind locker mal wieder 500g oder gar ein ganzes Kilo mehr auf der Hüfte, ohne dass man sich eines speisetechnischen Vergehens bewusst wäre. Zack, wieder ein paar Gramm mehr. Solange sich die Hose weiterhin schliessen lässt, gibts keinen Grund für Beunruhigung. Schwankungen sind natürlich und nichts Besorgniserregendes. Es ist mir aber klar, dass ich nicht darum herumkomme, meine Bewegungsfaulheit abzulegen und mich zusätzlich deutlich mehr zu bewegen. Möglicherweise gar mit Sport! Dies ist nun mein nächster Task, ich werde über den weiteren Verlauf berichten.

In der Zwischenzeit wünsche ich Ihnen einen anregenden Frühlingsbeginn. Vielleicht trifft man sich ja mal zwischen den Gemüseregalen.

Fortsetzung: Dick ist doof (Teil 6)

Was bisher geschah:
Dick ist doof (Teil 1) – Dick ist doof (Teil 2) – Dick ist doof (Teil 3) – Dick ist doof (Teil 4)

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Pete Stiefel

Autor: Pete Stiefel

Pete konnte pfeifen, bevor er der gesprochenen Sprache mächtig war – und an seinem ersten Schultag bereits schreiben. Trotzdem ist er da noch einige Jahre hingegangen. Danach schrieb und fotografierte er fürs Forecast Magazin, für Zürichs erstes Partyfoto-Portal stiefel.li, fürs 20 Minuten, MUSIQ, Q-Times, Party News, WORD Magazine, war Chefredaktor vom Heftli, lancierte das Usgang.ch Onlinemagazin – und er textete für Kilchspergers und von Rohrs Late Night Show Black’N’Blond und Giaccobo/Müller. Er trägt (vermutlich) keine Schuld daran, dass es die meisten dieser Formate mittlerweile nicht mehr gibt.

Irgendwann dazwischen gründete er in einer freien Minute seine eigene Kommunikationsagentur reihe13, die seit nunmehr 13 Jahren besteht. Er ist mittlerweile in seiner zweiten Lebenshälfte, Mitinhaber vom Interior Design Laden Harrison Spirit, schreibt für seinen Blog Living Room Hero und Pointen für Giacobbo / Müller und jetzt auf dem Planeten Kult gelandet. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein grosser Schritt für Pete.

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