in

Der Beziehungskiller #1

http://static.businessinsider.com/image/529377d4ecad04c5283ee080/image.jpg

Wie man kritisiert bestimmt tatsächlich weitgehend, wie sich jede Art der menschlichen Beziehung entwickelt. Kritik kann beflügeln oder ruinieren. Über destruktive (zerstörerische) Kritik, im Gegensatz zur konstruktiven (aufbauenden) Kritik, haben wir schon oft gehört, uns wahrscheinlich trotzdem zu wenig Gedanken darüber gemacht, was dies genau bedeutet.

Destruktive Kritik:

  • kritisiert die Persönlichkeit oder den Charakter, anstelle des Verhaltens
  • ist beschuldigend
  • akzeptiert nur einen richtigen Weg, Dinge zu tun
  • ist erniedrigend

Die Negativspirale

In den meisten Beziehungen beginnt destruktive Kritik klein und eskaliert mit der Zeit immer stärker durch die wachsende Frustration des Kritisierenden. Der Kritisierte hingegen fühlt sich kontrolliert und abgelehnt, was bewirkt, dass er sich widersetzt oder stagniert – was wiederum zu mehr Frustration und noch mehr Kritik auf der anderen Seite führt. Eine Negativspirale, die kein gutes Ende kennt. Diese Art der Kritik funktioniert nicht, weil sie zwei Faktoren beinhaltet, die Menschen am meisten hassen: Sie verlangt Unterwerfung und wertet ab.

Kritische Menschen werden mit der Zeit merken, dass ihr Verhalten in eine Sackgasse führt. Wieso also machen sie dann unermüdlich weiter? Sie tun es, weil dies eine einfache Form der eigenen Ego-Abwehr ist. Sprich: Wir kritisieren, weil wir uns irgendwie abgewertet fühlen vom Verhalten des anderen und auf diese Kränkung reagieren müssen. Über-kritische Menschen sind schnell beleidigt und müssen sich dann verteidigen.

Die Kindheit macht überkritisch

Kritische Menschen wurden in ihrer frühen Kindheit oft kritisiert, was führ kleine Kinder besonders schmerzhaft ist. Egal wie man sie kritisiert, sie verstehen den Unterschied von gut gemeinter Kritik und Ablehnung nicht. Auch wenn man sich noch so bemüht mit der Formulierung: „Du bist ein gutes Mädchen, aber dieses Verhalten ist schlecht“ – sie sind noch zu jung, um im Stande zu sein die wohlgesonnenen Gedanken des Gegenübers zu verstehen. Sie fühlen sich nutzlos.

Der einzige Weg für ein Kind zu überleben ist, sich an die Menschen in seiner Umgebung zu binden. Wenn es sich in diesem Bindungsprozess abgestossen fühlt, verursacht ihm das höllische Angst. Sogar Angst ums Überleben. Um den Schmerz kontrollieren zu können, beginnt das Kind sich selbst zu kritisieren und zu erniedrigen, denn: Selbst ausgelöster Schmerz ist besser als unvorhersehbare Ablehnung von geliebten Mitmenschen. Selbstzerstörung ist kontrollierbar.

In der frühen Pubertät beginnt sich das Kind mit dem Aggressor (dem Kritisierenden) zu identifizieren, zu ihm hinaufzusehen und übernimmt so ab dem frühen Erwachsenenalter die negativen Verhaltensmuster dessen.

Bin ich zu kritisch?

Wie so oft, werden wir unsere unbewussten Verhaltensweisen nicht so leicht zu erkennen wissen. Doch gibt es hier einen einfachen Indikator, der uns sofort feststellen lässt, ob wir anderen gegenüber zu kritisch sind: Nämlich dann, wenn wir genauso herablassend zu uns selbst sind. Wenn uns etwas herunterfällt („Ach, du Idiot!) oder nicht gelingt („Das hättest du besser machen können!“), wenn wir unsere Fehler sehen, beschimpfen wir uns dann selbst? Falls ja, tun wir es wahrscheinlich genauso bei anderen. Wenn uns jemand sagt, wir seien zu kritisch, dann sind wir es ziemlich sicher auch.

Die Lösung: Konstruktive statt destruktive Kritik

Menschen mögen es von Natur aus nicht sich zu unterwerfen, doch sie mögen Zusammenarbeit und Wertschätzung. Wertschätzung führt zu Kooperation, destruktive Kritik führt zu Abwehr und Stagnation.

Hier sind einige Beispiele für die Unterschiede von destruktiver Kritik und konstruktiver Kritik:

  • Destruktive Kritik fokussiert sich auf Fehler: „Warum kannst du nicht besser auf unsere Finanzen achten!“
  • Konstruktive Kritik fokussiert sich auf Lösungen: „Wie wäre es, wenn wir überlegen, wie du die Finanzen besser kontrollieren könntest.“
  • Destruktive Kritik greift die Persönlichkeit an: „Du bist faul!“
  • Konstruktive Kritik beschränkt sich auf das Verhalten: „Ich weiss du hast viel zu tun, könntest du dir die Finanzen morgen trotzdem ansehen?“
  • Destruktive Kritik erniedrigt: „Du bist wohl einfach nicht schlau genug dafür!“
  • Konstruktive Kritik ermutigt: „Ich bin sicher, wir schaffen das gemeinsam / du schaffst das.“
  • Destruktive Kritik beschuldigt: „Es ist deine Schuld, dass wir in dieser Lage sind!“
  • Konstruktive Kritik konzentriert sich auf die Zukunft: „Wir können aus dieser Lage herauskommen, wenn wir andere Dinge beiseite legen. Was meinst du?“
  • Destruktive Kritik kontrolliert: „Ich weiss was das Beste ist, ich mache das!“
  • Konstruktive Kritik respektiert die Autonomie (Eigenständigkeit): „Ich respektiere deine Ansicht, auch wenn ich damit nicht einverstanden bin.“
  • Destruktive Kritik droht: „Wenn du nicht tust, was ich will, wird das Konsequenzen haben!“
  • Konstruktive Kritik zwingt nicht: „Wir werden eine Lösung finden, die für beide stimmt.“

Auch wichtig: Bevor man jemanden dazu bewegen möchte, sich zu ändern, ist es wichtig, die eigenen Emotionen zu regulieren. Der emotionale Unterton wird dazu führen, dass sich das Gegenüber angegriffen fühlt, egal wie man sich zu artikulieren versucht.

Wenn du eine kritische Person bist, überdenke dein impulsives Nörgeln, bevor es Beziehungen zerstört.

 

 

 

(Bild:http://static.businessinsider.com/image/529377d4ecad04c5283ee080/image.jpg)

(Quelle: Dr. Steven Stosny – Psychology Today)

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Loading…

0
Jelena Keller

Autor: Jelena Keller

Jelena ist von Beruf Journalistin und Sprachlehrerin, Schweizerin serbischer Abstammung. Sie mag lange Texte und langes Grübeln. Sie hat sich daran gewöhnt zu viel zu denken und zu wenig zu schlafen. Wenn sie gar kein Auge zumachen konnte sieht sie die Welt nüchtern und in einem Grauton. Wenn sie ausgeschlafen hat, wandert sie mit ihrem Hund auf grüne Berge, durch bunte Blumenwiesen und rosa Weizenfelder. Schreibt auch mal Gedichte und Kurzgeschichten, reist am liebsten um die Welt und probiert Neues aus. Sie meint tatsächlich, dass sich alle Probleme lösen liessen, wenn man sich nur ab und zu in die Lage des Gegenübers versetzen könnte. Walk in my shoes und so. Trotzdem versteht sie manche Menschen nicht. Die, die sich vor dem Leben und dem Tod fürchten und andere verurteilen. Aber von den meisten anderen denkt sie, sie seien alle Freunde, die sie bloss noch nicht kennengelernt hat.

Facebook Profil

ALLES LEBEN IST EIN PHANTOMSCHMERZ

Gonzo mit Tarzan & Jane