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Chevrolet ist tot. Ein Nachruf.

Natürlich ist Chevrolet nicht tot tot. Das müssen wir hier festhalten, um mögliche Klagen abzuwenden. Chevrolet ist allerdings klinisch tot, röchelt und hängt an lebenserhaltenden Maschinen, die ihrerseits röcheln und von röchelnden Menschen betrieben werden.

Das waren noch Zeiten, als ein Mädchen ein feuchtes Höschen hatte, der puren Vorfreude wegen, dass ihr Freund sie demnächst mit seinem Chevy abholen wird. Eine gewisse Grundfeuchte vermochten sogar die engsten Freundinnen dieses Mädchens zu verzeichnen – alleine durch die Mitfreude dafür, dass ihre Freundin „es“ geschafft hatte, nun zur richtigen Frau werden würde, weil sie einen Freund mit Chevy hat.

Heute, und das ist dem Rad der Zeit und dem Lauf der Dinge zu verdanken, prahlt man eher noch mit einem Paar klobigen Gesundheitsschuhen, als dass man damit angeben würde, einen Chevy sein Eigen zu nennen. Jedenfalls, wenn man eines der neueren Modelle besitzt. Neu heisst in diesem Zusammenhang ein Fahrzeug aus den vergangenen zehn Jahren. Antwortet einer heutzutags, wenn er sich überhaupt traut und sich nicht als Zugreisender tarnt, auf die Frage, was für einen Wagen er fahre, mit „Einen Chevrolet.“, lautet die Antwort: „Das tut mir leid für dich. Gar nicht gewusst, dass es dir SO dreckig geht.“

Dabei hatte alles so gut angefangen: Am 3. November 1911 gründete der Schweizer und Rennfahrer Louis Chevrolet die ‚Chevrolet Motor Company‘. Nach rund 10 Jahren hatte er sein Ziel erreicht: Die Marke Chevrolet war zum grössten Konkurrenten von Ford geworden, dem damaligen Marktleader. Zuvor allerdings, am 2. Mai 1918, wurde sein Unternehmen an GM verkauft, das modifizierte Schweizerkreuz ziert aber noch heute das Logo und somit die Motorhaube jedes Chevys.

1953 war ein wichtiges Jahr: Die erste Corvette erblickte das Scheinwerferlicht der Welt. Zwar interessierte sich noch kaum jemand für dieses Gefährt, was dieses aber nicht daran hindern sollte, zum bis heute erfolgreichsten amerikanischen Sportflitzers zu werden. Seine Form änderte sich mit jedem neuen Modell, welche ungefähr im 10-Jahres-Rhythmus präsentiert wurden. Der Klassiker, welcher in keinem Kinderbuch fehlt, war, ist und bleibt die Corvette C3 aus dem Jahre 1974. Das schnittige Gerät sollte aber nicht der einzige Eintrag ins Buch der All Time Classics bleiben. Im ständigen Machtkampf mit Ford erinnert man sich noch heute gerne an Nova, Chevelle und insbesondere den Camaro, der Antwort auf den Ford Mustang.

Es waren schliesslich die Japaner, welche den Amis das Leben schwer zu machen begannen. Ende der 70er Jahre begann Toyota die asiatische Expansion, auf die es zu reagieren galt. GM tat es unter anderem mittels einer Kooperation, woraus teils wirklich hässliche Kreationen im Billigwagen-Segment resultierten. So RICHTIG hässlich wurde es aber vor nunmehr 10 Jahren, als in Europa der Verkauf der südkoreanischen Marke Daewoo unter dem Chevrolet Label begann. Dem Chevy-Fan drehen sich beim Anblicks dieser Designverbrechen die Eingeweide im Leib um. Wo Chevrolet drauf stand, war fortan nicht mehr Chevrolet drin – sondern Daewoo. Und wo Daewoo drin ist, kommt auch ein Daewoo-Motorengeräusch raus. Immerhin: Das Ästhetenaugenleiden hat bald ein Ende: Chervolet hat vor zwei Jahren bekanntgegeben, dass man sich per Ende 2015 aus Westeuropa zurückziehen will. Und das ist ja dann nur noch… 140x schlafen. R.I.P. Chevy.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe: «Dodge ist tot. Ein Nachruf.»

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Pete Stiefel

Autor: Pete Stiefel

Pete konnte pfeifen, bevor er der gesprochenen Sprache mächtig war – und an seinem ersten Schultag bereits schreiben. Trotzdem ist er da noch einige Jahre hingegangen. Danach schrieb und fotografierte er fürs Forecast Magazin, für Zürichs erstes Partyfoto-Portal stiefel.li, fürs 20 Minuten, MUSIQ, Q-Times, Party News, WORD Magazine, war Chefredaktor vom Heftli, lancierte das Usgang.ch Onlinemagazin – und er textete für Kilchspergers und von Rohrs Late Night Show Black’N’Blond und Giaccobo/Müller. Er trägt (vermutlich) keine Schuld daran, dass es die meisten dieser Formate mittlerweile nicht mehr gibt.

Irgendwann dazwischen gründete er in einer freien Minute seine eigene Kommunikationsagentur reihe13, die seit nunmehr 13 Jahren besteht. Er ist mittlerweile in seiner zweiten Lebenshälfte, Mitinhaber vom Interior Design Laden Harrison Spirit, schreibt für seinen Blog Living Room Hero und Pointen für Giacobbo / Müller und jetzt auf dem Planeten Kult gelandet. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein grosser Schritt für Pete.

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Westbam liest und spielt

Frisch verrutscht: Die mit Hilfe von viel Anabolika und etwas Muskelkraft zerrissene und deshalb für Leute mit schrägem Fetisch phasenweise sogar etwas erotische Top5 der schönsten Schnappschüsse im Netz auf denen die Sportbekleidung ihren verdammt den Job nicht wirklich erledigt