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„Soldier“ oder das Unvermögen eines Mannes mehr als 2 Worte pro Filmminute zu sprechen

Ich muss zugeben, es dauert stets Jahre bis ich mich einer neuen Technologie wirklich verschreibe. DVDs habe ich lange ignoriert. Lieber hielt ich mich an der romantisch-verklärten Vorstellung fest, dass unsauberes Bild und ewiges zurückspulen von Bändern einfach zum Filmgenuss dazugehören. Der Wechsel zu neuen Formaten erfolgte trotzdem. Jedoch, was mir ein wenig Mühe bereitet ist diese neue digitale Welt. Du kannst jederzeit jeden Film auf dieser Welt irgendwo runterladen, legal oder illegal, digital ausleihen, etc. Jedoch stürzen wir uns mit Vorliebe nur noch auf neues Zeug. Ein Klick auf aktuelle Download-Charts oder auf die neusten Releases reicht und der Abendfilm ist ausgesucht. Richtiges Stöbern gibt es kaum noch. So gehen viele ältere Filme unter und werden schlicht für immer vergessen.

Kürzlich lief ich über einen Flohmarkt. Da gabs an einem Stand DVDs für 2 Stutz. Und da konnte ich stöbern. So richtig old school. Meine Finger rassten sauschnell durch die paar hundert DVDs, während ich mich wieder fühlte als wäre wieder das Jahr 2003. Soldier von 1998 war unter den erworbenen Titeln. Den hatte ich gut 15 Jahre nicht gesehen. Umgehend nachgeholt.

Inhalt:
Der zum ultimativen Soldaten erzogene Todd (Kurt Russell) gehört zu den härtesten seiner Sorte. Keiner hat mehr Kills auf dem Konto als er. Als eine neue Generation von gezüchteten Supersoldaten, unter Führung von Caine 607 (Jason Scott Lee) ihren Dienst antritt, werden Todd und seinesgleichen getötet oder ausgemustert. Vermeintlich Tod wird Todd auf einem Müllentsorgungsplaneten abgeladen, kann sich jedoch in eine menschliche Siedlung retten und wird dort wieder aufgepäppelt. Die neuen Supersoldaten haben aber ihr Werk noch nicht vollendet und planen die komplette Vernichtung aller Siedler.

Hollywood war einst so herrlich bekloppt. 75 Millionen US Dollar betrug das Budget von Soldier, eingespielt hat er knapp 14 Milliönchen. Kurt Russell selbst kassierte ein Salär von 20 Millionen Dollar. Unglaubliche Zahlen für einen Film dieser Art. Ein Flopp sondergleichen.

Die Story ist so simpel, sie könnte auf einem Post-It entworfen worden sein. Und doch hat der Film einen interessanten Hintergrund, soll Soldier doch in der Welt von Blade Runner spielen. Zudem, die Optik lässt auf eine wirklich grosse Produktion schliessen, denn die Settings, Kostüme und Effekte waren Klasse.

Im Film geht es vorallem um den Kampf eines ausrangierten und roboterliken Mannes gegen die noch gefühlslosere neue Generation von Soldaten. Und dieser Kampf wird natürlich nicht mit Worten sondern mit viel Blei und Schweiss ausgetragen. Der Film schlägt eine sehr erfreuliche härtere Gangart ein, ohne jedoch in John Rambo-mässige Gefielde abzuweichen.

Kurt Russell ist in diesem Film definitiv nicht der Mann vieler Worte. Genauer gesagt spricht er während des ganzen Streifens nur 104 Worte. Das ist wenig. Ich spreche während den ersten Stunden meiner Arbeitstage aber nicht viel mehr. Jedoch liegt dies daran, dass ich ein totaler Morgenmuffel bin. Russells Rolle hingegen hat einfach verbal nicht mehr zu sagen, lässt jedoch in jeder Szene seine Mimik sprechen, meist sehr subtil und wohlüberlegt. Sein versteinertes Schauspiel scheint auf hohem Niveau zu geschehen, verglichen mit Darstellungen diverser Actionstars im höheren Alter, die einfach schauspielerisch nicht mehr drauf haben als grimmig durch die Gegend zu schauen. Jason Scott Lee als Russells Antagonist Caine 607 ist körperlich sehr präsent, aber wirkt leider etwas unterfordert. Jason Isaacs kann man wie in all seinen Filmen herrlich hassen. Connie Nielsen hat nicht viel zu tun als gut auszuschauen und Gary Busey und The Shield-Star Michael Chiklis wirken leider ziemlich verschenkt.

Fazit: Die Gangart ist hart und ruppig, geredet wird wenig. Soldier ist ein richtig dreckiger kleiner SciFi-Actionfilm geworden. Heutzutage würde dieselbe Produktion als kleiner B-Streifen mit Minibudget enden. Sind wir doch froh, kommt dieser Film aus einer Filmzeit, in der Hollywood teilweise noch etwas riskierte und so hin und wieder auf die Nase flog. Soldier war ein Flopp an den Kinokassen, kann aber im Heimkino überzeugen. Wir wünschen viel Spass.

 

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Dominik Hug

Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

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