in

Von der Basler Fasnacht

Weder bin ich in einer Fasnachts Clique, noch in einer Guggenmusik – und meine Schnitzelbänke reime ich höchstens im kleineren Kreis. Und doch, als Basler Vorortler wurde mir das Fasnachtsvirus schon früh eingeimpft. Mein Vater, in jungen Jahren ein aktiver Fasnächtler, lernte mir die wichtigsten Verhaltensregeln schon am Anfang:

  1. Ohne Blagedde geht man nicht an die Fasnacht.
  2. Räppli sind Räppli und kein Konfetti.
  3. Diese Masken heissen Larven.
  4. Man nimmt vom Boden keine Räppli auf und schmeisst diese herum.
  5. Man wirft Kostümierten keine Räppli an.
  6. Nur die Aktiven dürfen sich kostümieren.
  7. Steh den Aktiven nicht im Weg.

Ich erinnere mich auch noch gut an meinen ersten Morgenstraich. Mein Vater nahm mich als etwa 9jähriger Knirps zum ersten Mal mit. Und ich hatte eine Riesenangst. Denn es wird stockdunkel sein, hat Vater mir gesagt. Zudem durfte ich nie seine Hand loslassen, so gefährlich könne es werden. Ja, ich war schon sehr nervös. Viel geschlafen habe ich davor nicht. Und viel weiss ich von meinem ersten Morgenstraich nicht mehr. Wir waren am Marktplatz und danach gabs Zwiebelwähe in der Safranzunft. Der Rest ist mittlerweile weg.

Fasnacht wurde später zum kollegialen Event. Morgenstraich früh morgens, kurz schlafen, dann Cortege und Gässle bis früh morgens, Dienstag ausruhen bis zum Guggekonzert, dann auf die Gasse bis früh morgens, und Mittwoch nochmals das volle Programm bis zum Endstreich um Donnsterstag morgen um 4 Uhr früh. In den Zeiten vor Facebook war die Fasnacht das ultimative Tool um alle deine Freunde und Kollegen kurz mal wieder erblicken zu können.

Lustig war es jedenfalls immer. Und je älter ich wurde, desto mehr interessierte ich mich für die Themen, die Sujets, die Laternen und die Kostüme. Und meine Fasnachtsbegleiter wurden Väter, heirateten oder verschwanden einfach von der Fasnachtsbildfläche.

Mein Vater erzählte früher jedem Nicht-Fasnächtler die selbe Geschichte, „Du kannst Fasnacht jedesmal auf eine andere Art und Weise erleben, sie ist nie gleich wie die vorherige“. Und recht hatte er. Vor einigen Jahren kam ich in die Situation ohne Fasnachtsbegleiter dazustehen. Sehr schräg. Ich versuchte die schönsten drei Tage in Basel zu ignorieren. Aber das war mir genetisch irgendwie nicht möglich. So ging ich alleine an den Morgenstraich. Für mich als Fasnachts-Herdentier damals ein eher deprimierender Gang. Und ich erlebte einen unglaublich schönen Morgenstraich, obwohl es, wie ich meine mich zu erinnern, geregnet hat ohne Ende.

Sauffest? Eher Seelenreinigung. Beinahe wie in Trance schwebte ich durch die dunklen Gassen und Menschenmassen. Folgte wie ein Stalker kleinen Gruppierungen durch die Stadt und hörte ihnen zu, sah eine weitere wilde Formation und begleitete diese für eine Weile. Ungeplant, unkoordiniert, einfach nur existierend. Kein „am 5i bim Barfi bim McDonalds“ oder „meh träfft sich denn und denn dört und dört für e Mählsuppe“. Kein Nerven. Kein Stress. Totales Sein im Hier und Jetzt oder irgendwo.

Ich erinnerte mich an den einen Moment unterhalb des Martinsgässleins. Magie pur. Zig verschiedene Melodien trafen aufeinander. Überall nur friedliche Menschen. Und es war mir, als würde die Stadt in diesem Moment uns allen etwas zurückgeben. Etwas unglaublich wunderschönes.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Loading…

0
Dominik Hug

Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

Facebook Profil

Jakob und das Haus am Ende des Tals

Muss man haben: einen rahmengepressten Noppen-Budapester aus echtem Komfortgummi