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Brainiac Amour – Cruising through Your Brain!

Nerds aller Länder, köpft eine Flasche Champagner oder genehmigt euch – Mmmh! Oui! Encore! – einen Art Smash mit Wodka und Ruinart- Champagne im Trois Rois! Die perfekte Rechtfertigung für dionysische Genüsse liefern Wissenschaftler der University of Mexico, die eine Korrelation zwischen Intelligenz und Spermaqualität festgestellt haben. Und was folgern wir daraus? Mieses Sperma zeugt von Wechsler-Test sprengender Intelligenz? Deshalb meine Aufforderung an alle Hyperintellos, sich schleunigst zu einer Selbsthilfegruppe zusammenzuschließen, deren Mitglieder nicht am Fortbestand einer degenerierten Menschheit Schuld sind? Weit gefehlt! Männer mit höherem IQ hatten gemäß Testergebnis gesünderes und besseres Sperma. Man mag sich nun Szenarien ausmalen, die es an Beweiskraft durchaus nicht mangeln lassen, beispielsweise: Adipöser Tijuanito sitzt auf dem Sofa, schaut Telenovelas und stopft sich mit Junk voll (Satire, Leute!). Zwischendurch vögelt er Consuela. Ergebnis: Nada. Junkfood und Meth-verseuchtes Gehirn, keine Niños! In Basel und Berlin hingegen versorgen die gentrifizierten Pauker im Sabbatical ihre wertvollen Gehirnzellen mit Jahrgangsrhabarberschorle, Algenpräparaten und Propolis-Tropfen (Frau Taschen hat sicher noch ein paar bessere Tipps!), exerzieren die neuesten Cosmo-Freiluftübungen durch und zeigen sich mit tantrischen Streicheleinheiten gegenseitig ihre Wertschätzung. Resultat bzw. Nebenprodukt bzw. Epiphänomen: Kerngesunde Kids, die im Prenzl’berg mit drei Jahren auf Chinesisch smalltalken und achtsam in der privaten Kita ihre veganen Vorlieben erklären.

Bullshit beiseite! So mag’s vielleicht in einer Böhmermann-Satire aussehen. Die Realität weicht definitiv von den Ergebnissen der mit Hundertschaften sorgfältig ausgewählter Probanden durchgeführten Studie ab. Die Unzahl politischer Fehlentscheidungen und unser aller persönliche Fehlgriffe zeugen nicht unbedingt von extraorbitanter Intelligenz. Immerhin könnte die Fertilitätsmisere auf ganz simple numerische (jaja, auch soziökonomische) Fakten zurückzuführen sein: Dumm fickt vielleicht nicht gut, aber oft und bibelgetreu: Gehet hin und … na, ihr wisst schon! Intelligenzija denkt, fickt, kalkuliert und … na, ihr wisst schon! Kinderrate 1,4.

Für die Vermarktung einsamer Seelen taugen diese Studien auf jeden Fall. Auf der Dating-Plattform OKCupid wurde zu den ohnehin weitgreifenden, flächendeckenden Kategorien „pansexuell“, „heteroflexible“ oder „genderqueer“ die Option „sapiosexuell“ hinzugefügt. Sapiosexuell. Man muss sich den Begriff auf der Zunge zergehen lassen. Auch hier trügt der erste Eindruck. Es handelt sich nicht wie etymologisch versierte Zeitgenossen vermuten könnten um sexuell erfahrene, wissende, mit allen Finessen des Sexus vertraute (pädagogischer Zeigefinger sapere = wissen) Lebewesen. Nein, Sapiosexuelle verlieben sich in Intelligenz, Wissen, Esprit des Anderen. Im Optimalfall vereinigt das angebetete Wesen kognitive, soziale und emotionale Intelligenz, wobei Sapiosexuelle Situation und Funktion bei der Erfüllung ihrer Sexualität berücksichtigen. Für einen One Night-Stand genügt schon mal der IQ, bei einer Affäre der EQ und für eine echte Beziehung (so mit Brötchen, Kinder & Co.KG) ist ein hoher sozialer Intelligenzquotient unerlässlich. Der Begriff wird in einem Maße gehypt, dass sich sogar ein Mitglied des Hochbegabtennetzwerks MENSA zu Wort meldete. Cracks tickten auch nicht anders als Normalos. Das ganze Gerede von sexueller Attraktion durch Wissen verkleide letztlich nur ein Sub-Dom-Verhältnis. Oh, wow! Er ist so klug und ich bin ein dummes Mäuschen. Das macht mich so an! Oder auch die Umkehrung: Oh, wow! Sie ist so klug… Verdammt! Macht mich das wirklich an oder steckt sie mich in die Tasche und der Kleine verkrümelt sich schneller als ich es wahrhaben will? Eben. Die Crux liegt bereits im Geschlechterverhältnis. Intelligente Frauen – das weisen wiederum andere Studien auf – haben es wesentlich schwerer als andere, einen Partner zu finden. Allerdings erleichtert sich die ganze Chose bei Anwendung des Prinzips „Gleich und gleich gesellt sich gern“. Nehmen wir mal folgendes Beispiel: Sommerakademien von Hochbegabtenstiftungen. Drei Wochen Sommer, Sonne, Logische Semantik und Cluster-Bildung. Schlussfolgert man aus der mexikanischen Studie, müsste es dort zu orgiastischer Verzückung und hormonellem Big Bang kommen. Fakt ist: Nothing unusual! Man spielt das Spiel der Liebe mit all seinen Irrungen und Wirrungen und da hat eben jeder seine ganz eigenen Präferenzen.

Mon truc à moi ist – wenn ich es schon labeln muss – Brainiac Amour. Patti Smith hat den Begriff geprägt auf der Kult-Scheibe Horses: „Life is full of pain, I’m cruising through your brain.“ Mit Robert Mapplethorpe hatte sie diese ganz spezielle Verknüpfung, die über das irrationale Sehnen einer Amour fou hinausgeht. Manisch und zugleich zärtlich, die Verschmelzung des Intellekts im Namen der Liebe.

Der hämmernde Pulsschlag der Begierde, eine Begierde, die sich aufbäumt und zähmt zugleich. Der galoppierende Rhythmus von „Horses“, (Ride on! Ride on!) und der Songtext…“Got to lose control and then you take control“ fegen mir Sapiosexuelle und Heteroflexibles aus dem Hirn. Fuck IQs, EQs, SQs!

The Look of Love! That’s it!

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Autor: Theresa S Grunwald

Ekstatische Verzückung, Devotion, deutsche Romantik – Theresa S. Grunwald, das Pseudonym dient als sprachliche Verhüllung, lebt nicht nur in einer pornographischen, von einem leisen Hauch Katholizismus durchwehten Welt. Der Durchbruch ins Animalische gelingt nicht immer, Hölderlins Liebe greift sie manchmal hart am Schopfe. Masken sind aber durchaus ein probates Hilfsmittel, um extreme Widersprüche, Sex und Liebe ist nur einer davon, in Genuss umzuwandeln.

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