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Tanzen – auf dem Rand des Vulkans

Komm wir spielen Maskenball, komm wir spielen Carneval, komm wir feiern den Schmutzigen Alltag, mitten in der Woche. Du kennst mich nicht, ich kenne Dich nicht. Wir haben keine Geschichte miteinander, nicht im Guten, nicht im Bösen.

Wir sind einfach nur da. Wir tun, was wir wollen. Dies soll unser gesamtes Gesetz sein. Und Liebe natürlich. Unerschrockene Liebe.

Keine Ewigkeit

Lass und tanzen. Auf dem Rand des Vulkans. Ausser unseren Masken brauchen wir dafür keine Kleider. Nur ein bisschen Schmuck für Dich vielleicht, der genau jene Zonen zur Geltung bringt, die gemeinhin verborgen bleiben. Lass uns tanzen, in der Gewissheit, dass wir nicht für die Ewigkeit geschaffen sind, zumindest nicht als Individuen, dass wir uns auch keine Ewigkeit wünschen. Weil wir bereits jetzt unendlich erfüllt sind. Mehr kann, mehr darf es nicht geben.

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Und wenn wir in die kochende Lava stürzen, wenn die Glut uns bei lebendigem Leib frisst, werden wir erkennen, dass wir – alle Frauen, alle Männer – schon immer Sterne waren. Und alle Sterne müssen einmal untergehen. Dies gebietet die Ordnung der Dinge.

Göttlicher Sekundenkleber

Lass und leben, lass uns sterben, den kleinen wie den grossen Tod. Lass uns Lieder des Wahnsinns singen. Lass uns vögeln. Wie die Irren, die komplett Durchgedrehten wollen wir uns in der Unzucht auflösen. Denn nur sie wissen, was der wahre Sinn der Fleischeslust ist. Sie bringt uns nämlich zum Schweben, dem samtblauen Himmel entgegen, wo der kosmische Sekundenkleber auf uns wartet, der alles wieder zusammenflickt, zusammenfickt, Fleisch und Porzellan, Seelen und Keramik, Herzen und Glas.

Die Sonne ist untergegangen, komm wir spielen Maskenball, komm wir spielen Carneval.

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Schwarze Mutter

Ich gebe Dir einen pulsierenden Rhythmus, einen pumpenden Bass, ein bisschen Hammond-Orgel und elektrische Gitarre – und Du tanzt nackt für mich, bis auf den schmucken Ziergurt, die magische Halskette, die ich Dir einst aus Sainte-Marie-de-la-Mer mitgebracht habe, wo die Heilige Sarah webt und wirkt, die ja eigentlich jene Göttin Kali ist, unsere mächtige schwarze Mutter, Schöpferin, Hüterin, Mörderin des Universums.

Tanze nackt für mich! Denn schön sind deine Backen zwischen den Kettchen, dein Hals in der Perlenschnur…

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Autor: Christian Platz

Lebt in Basel. Arbeitet überall. Reist recht viel. Vor allem nach Asien. Und in den Deep South der USA. Verdient sein Geld seit über einem Vierteljahrhundert mit Schreibarbeiten. Vorher hat er als Pfleger in einer Irrenanstalt gewirkt. Hat mehrere Bücher veröffentlicht. Spielt seit 40 Jahren fanatisch Gitarre, zwischendurch singt er auch noch dazu. Schreibt unter anderem für Kult. Ist manchmal gut aufgelegt. Manchmal schlecht. Meistens so mittel. Sammelt Bücher, CDs, Filme, Artefakte. In einem psychisch leicht auffälligen Ausmass. Verfügt, bezüglich der Dinge, die er sammelt, über ein lexikalisches Wissen. Platz ist einerseits ein Wanderer auf dem Pfad zur linken Hand. Andererseits Neofreudianer mit Waffenschein. Liebt Blues und Voodoo, Rock'n'Roll und die schwarze Göttin Kali. Trinkt gerne Single Malt Whisky aus Schottland. Raucht Kette. Ist bereits über 50 Jahre alt. Macht einstweilen weiter. Trotzdem wünscht er nichts sehnlicher herbei als die Apokalypse.

WARNHINWEIS:
Dieser Mann tritt manchmal als katholischer Geistlicher auf, stilecht, mit einem besonders steifen weissen Kragen am Collarhemd. Dies tut er in gänzlich irreführender Art und Weise und ohne jegliche kirchliche Legitimation. Schenken Sie ihm - um Gottes Willen - keinen Glauben. Lassen Sie sich nicht von ihm trauen, ölen oder beerdigen. Lassen Sie sich von ihm keinesfalls Ihre Beichte abnehmen. Geben Sie ihm lieber Ihr Geld.

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