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Guest TOP 5 Tsüri by Rolf Imhof

Text, Selektion, alles Weitere: Rolf Imhof

 

Der gute Alex hat mir für diese Woche die Top 5 anvertraut. Was für eine Ehre, ich fühle mich gebauchpinselt und lege also gleich los mit schreiben. Einfach so von der Leber weg, was mir gerade einfällt. Die Reihenfolge ist rein zufällig, aber ich fand es irgendwie flauschig,  mal mit einem Konzert zu beginnen…

 

 Ennio Morricone Live am Sonntag im Hallenstadion (The 60 Years of Music Tour)

 Sonntag, 05.03.2017 ab 18:00 Uhr im Hallenstadion.

Ab und zu werde ich gefragt, wer denn nun mein absoluter Liebling sei in Sachen Musik. Und obwohl die Auswahl (wenn man sich seit knapp 30 Jahren mit Musik auseinandersetzt und seine Wohnung mit einer respektablen Plattensammlung teilen darf) gewaltig ist, fällt mir gerade diese Antwort immer leicht: mein ganz persönlicher Held ist der mittlerweile 88-jährige italienische Komponist Ennio Morricone. Mit weit über 500 geschriebenen Filmmusiken für Kino und Fernsehen kann er auf eine beispiellose Karriere zurückblicken und ich bin total happy, den Maestro am kommenden Sonntag noch einmal live zu erleben. Ich wage zu behaupten, dass mich kein anderer Musiker mit seinen Melodien (bereits vom Teenager Alter an, als ich als 70er Jahre-Kind zum ersten mal seine legendären Kompositionen für „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei glorreiche Halunken“ gehört habe) so stark berühren kann wie Signore Morricone. In einzelnen Filmszenen steigen mir heute noch die Tränen ins Auge obwohl ich die schon 20x gesehen habe. Absolut göttlich, meine vollste Bewunderung und unendlicher Dank dafür. Wie es sich für einen König gehört reist er mit einer Entourage von 200 Musikern und Sängern an. Wer das verpasst ist selber schuld. In eigener Sache: wer auch vor Ort ist und mit mir etwas fachsimpeln, ein Bierchen killen oder einfach nur die Kelle schütteln möchte, ich sitze auf Platz 22, Reihe 34 im Sektor X1.

 

 

David Morales am Freitag in der Gallery

Freitag, 03.03.2017 ab 23.00 in der Gallery

Beim Namen David Morales erübrigen sich für jeden Clubber, der sich in den letzten drei Jahrzehnten auch nur am Rande für elektronische Tanzmusik interessiert hat, an und für sich die Worte. Ein paar wenig möchte ich trotzdem verlieren: als Mitbegründer der legendären Def Mix Combo (mit Godfather Frankie Knuckles, Hector Romero und Satoshi Tomiiee) hat er die Housemusik ab Ende der 80er Jahre massgeblich geprägt. Der puerto-ricanisch stämmige David hat sich insbesondere als Remixer und DJ einen exzellenten Ruf erarbeitet, war drei Mal für den Grammy nominiert und hat regelmässig mit absoluten Weltstars wie Mariah Carey, Björk, Janet Jackson, Jamiroquai, Madonna, Michel Jackson, Seal, Pet Shop Boys, U2, Whitney Houston oder den Spice Girls zusammengearbeitet, welche ihre Hitparaden-Tracks von ihm clubtauglich aufbereiten liessen. Da die Gallery an diesem Abend gleich noch ihr Opening feiert und mit Jamie Lewis einen weiteren famosen Headliner präsentiert, ist das für mich die Top-Empfehlung für den Freitag. Ein Blick auf die nahe Zukunft mit Sandy Rivera (USA, Kings of Tomorrow) am 17.3. zeigt, dass die Crew vom Gallery den gewagten Spagat zwischen „Chic Clubbing“ und urbanem Untergrund mit qualitativem Line-up durchaus ernst meint und ihre Hausaufgaben gemacht hat. In eigener Sache: mich trifft man in der Gallery an besagtem Freitag (nach meinem Set im Casino) ab 2.30 Uhr auf der Tanzfläche, oder aber eine Woche später am 11.3. zusammen mit Paradiesvogel René S. am Plattenteller.

 

 

Shlomi Aber am Samstag in der Babette

 Freitag, 03.03.2017 ab 23.00 in der Babette

Vornamen für Clubs sind ja im Trend und eignen sich nicht nur für Liebeserklärungen ganz gut („I love Lexy“) sondern auch für Sprüche („Applaus für Klaus“, „Im Bett mit Babette“ etc.) und amüsante Anekdoten aller Art. Zudem mag ich Frauen. Auch die an der Langstrasse. Wer jetzt leicht skeptisch die Nase rümpft dem lass gesagt sein, dass ich sogar schon „dini Mueter“ dort gesehen habe. Echt jetzt. Beim Line-Up der Babette ist dann aber Schluss mit lustig. Die Betreiber um Patrique Etter haben einen eigenen Weg eingeschlagen und hauen uns konsequent Techno auf die Ohren. Sicher nicht das falscheste an dieser tollen, aber scheinbar wirtschaftlich nicht ganz einfachen Lage bzw. Location. Der Neustart mit langen Warteschlangen an der Kasse und rundum zufriedenen Gesichtern auf dem Heimweg ist ja geglückt und wenn man auch noch regelmässig Hochkaräter wie den israelischen DJ, Producer und „Be As One“-Labelchef Shlomi Aber aus dem Ärmel schütteln kann, dann wird man bestimmt auch den hohen Ansprüchen der Zürcher Clubgemeinde gerecht. Ein unvergesslicher Abend mit Gänsehautfeeling ist garantiert. Ohne wenn und aber. Sorry, natürlich mit Aber, ist ja der Headliner. Hingehen und abfeiern an Zürichs sündigster Meile.

 

 

 

Pete Tong am Samstag im Kaufleuten

 Samstag, 04.03.2017 im Kaufleuten Klub.

Alte Liebe rostet nicht. Der Kaufleuten Klub hat seit eh und je einen ganz speziellen Platz in meinem Herzen. Als Gast unzählige unvergessliche Abende erlebt, als DJ vier Jahre lang den Donnerstag beschallt, 2002 eine CD zur legendären „Kaufleuten Mixes Serie“ beitragen und und und… Jedenfalls ist der Club nach einer (nach meinem Empfinden) eher ruhigen Phase nun seit geraumer Zeit wieder auf bestem Weg zu alter Stärke und Akzeptanz. Dank diversen neuen Labels und einigen geschickten Personalentscheidungen scheint das Bestreben, die etwas ältere Partygeneration wieder zu begeistern und mobilisieren geglückt, was mich persönlich ausserordentlich freut. Ein feines Näschen beim buchen der internationalen Artisten, sei es für Konzerte oder Parties, sowie die Bereitschaft, für echte Stars auch mal etwas tiefer in die Tasche zu greifen, haben den Kaufleuten Klub schon immer ausgezeichnet. Mit der englischen DJ- und Radio-Legende Pete Tong holt man nächsten Samstag einen Act in die Zwinglistadt, der mit seiner wöchentlichen Musiksendung „Essential Mix“ auf BBC Radio 1 seit unglaublichen 25 Jahren die wichtigsten Releases aus den Bereichen House & Techno vorstellt. Einen ausgewiesenen Fachmann also, der die gestandene House-Community in Massen anziehen und genüsslich mit der Zunge schnalzen lassen wird. In eigener Sache: am gleichen Abend lege ich in der Pelikanbar vorne auf. Wer also Bock auf einen kurzen Schwatz oder einen Shot Hierbas hat, nur zu! Ist ja im gleichen Gebäude. Prost.

 

 

 

Bedouin am Samstag im Hive

Samstag, 04.03.2017 ab 23.00 im Hive.

Der allseits beliebte Bienenstock in den geschichtsträchtigen Gemäuern an der Geroldstrasse ist sozusagen der Nr. 1 Stammgast in den Top 5. Auch ich habe hier seit den Katakomben-Zeiten (später UG) unzählige absolut erinnerungswürdige Abende durchlebt, tolle Musik entdeckt, noch tollere Menschen kennengelernt, aber auch mal eine Jacke, einen Rucksack oder sogar ganze Tage verloren. Alles, was zu einem Party-Hard Wochenende so dazugehört. Und gerade weil das Hive hier so oft erwähnt wird, wollte ich es eigentlich sein lassen, aber Bookings wie jenes der DJ-Combo Bedouin am kommenden Samstag machen mir dies einfach unmöglich. Ein Bedouin-Set schickt dich im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste. Du hast das Gefühl auf einer Sanddüne zu liegen, einen Pina Colada in der linken und eine Wasserpfeife in der rechten Hand, während zehn Jungfrauen deine Eier kraulen. Wahnsinn. So ein Sets hört und fühlt sich  unglaublich gechillt an, das könnte man sogar der zukünftigen Schwiegermutter ohne Bedenken vorspielen. Und darum ist mein letzter Tip für diese Woche, obwohl ich damit natürlich keinen Innovationspreis gewinne, der Bienenstock. Viel Spass beim feiern.

 

 

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Alex Flach

Autor: Alex Flach

Alex Flach (*1971) erblickte das Licht in der Klinik Bethanien in Zürich. Nach langen Jahren des Herumeierns bei Versicherungen und nach Erreichen der Bachelor-Würde in Ökonomie, kam er zum Schluss, dass ihm seine Freizeitgestaltung besser gefällt als der Arbeitsalltag und er beschloss, dass es eine feine Idee sei, seine Hobbys Schreiben und Clubbing zu kombinieren. Nachdem er einige Jahre für Medien wie das Forecast Magazin, das 20minuten, den Blick am Abend und natürlich KULT übers Ausgehen geschrieben hatte, erkannte er, dass Clubs bezüglich Medien zumeist ähnlich grosses Talent an den Tag legen, wie Erdferkel bezüglich Quantenmechanik - und dies obschon viele von ihnen ein Programm bieten, das eine regelmässige und umfangreiche Berichterstattung verdient.

Heute betreut Alex die Medienarbeit diverser führender Clubs in der deutschen Schweiz, darunter führende Locations wie das Hive (Zürich), der Nordstern (Basel), das Rok (Luzern), die Zukunft (Zürich) oder der Hinterhof (Basel). Zudem schreibt er im Tages Anzeiger eine wöchentliche Nightlife-Kolumne, ist wöchentlich Studiogast in der Sendung Friday Night von Jonas Wirz auf Radio 24, ist Chefredaktor der Drinks Schweiz, des offiziellen Organs der Schweizer Barkeeper Union, betreut seit Anbeginn die Kommunikation des tonhalleLATE-Projekts der Tonhalle-Gesellschaft Zürich und bildet neuerdings, und zusammen mit Marc Blickenstorfer, Zürich Tourismus-Exponenten in Sachen Nachtleben aus.

Kurzum: Seine Couch und sein Schreibtisch stehen exakt auf der Schnittstelle zwischen dem Schweizer Nachtleben und der Öffentlichkeit. Dass er bisweilen zum über die Stränge schlagenden Berserker werden kann, wenn die von ihm so geliebte Nachtkultur (selbstverständlich völlig zu Unrecht) angepöbelt wird, versteht sich da von selbst.

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