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Grosse Zahlen

Eigentlich hätte sie auf dem Weg zurück in die kleine Stadt an ihrem Vortrag schreiben sollen. Im Zug hatte sie ein Abteil für sich und hätte einen «geradezu hervorragenden» Arbeitstitel gehabt. «Code und Algorithmus, das Abbild der Realität». Karen wachte erst kurz vor der kleinen Stadt auf, rieb sich die Augen und hatte keine Ahnung mehr, was sie hier sollte, als der Zug in den Bahnhof einfuhr. Schnell stopfte sie ihren Laptop in ihre Tasche und riss den kleinen Koffer aus der Gepäckablage. Sie trat hinaus in einen Bahnhof, den sie nicht mehr erkannte, obwohl sie in der Jugend hier viel rumgehangen war und Zigaretten geraucht hatte. Schule und Universität waren in der Nähe gewesen, so dass am Bahnhof der kleinen Stadt viele Geschichten anfingen und viele in der Unterführung endeten.

Jetzt war alles anders: Brezelkönige, Saft-Queens und der selbsternannte Herrscher über die Currywurst füllten die düsteren Ecken in ihrer Erinnerung, in denen früher manche jugendliche Romanze begonnen hatte. Leuchtreklamen flimmerten über dem Kiosk und priesen elektronische Zigaretten und Schoko-Riegel an. Ob Ryan tot sei, fragte eine Schlagzeile. Schreckliche Morde waren in der kleinen Stadt nichts Aussergewöhnliches, erinnerte sie sich. Die Menschen hier brachten gerne ihre Nachbarn um. Manchmal, weil es im Treppenhaus nach Curry roch, manchmal wegen Falschparkens. In der kleinen Stadt blühten seltsame, neo-Christliche Religionen, so dass im Namen Jesu und der Erweckung eine ganze Familie dran glauben musste, weil ein Jesus-Freak befürchtet hatte, die Leute hätten satanische Rituale durchgeführt.

Aber der kleinen Stadt ging es eigentlich gut. Es gab Biergärten mit schönen Lauben, das Flussufer, wo man den Hund laufen und hinscheissen lassen konnte. Es gab Cafés, die günstig dicke, sahnige heisse Schokolade servierten. Die Altstadt war gut erhalten und nach langem Streit um die Pflästerung war rund um die kleinen Läden, die nicht allzu trendige oder wilde Mode verkauften, wieder Ruhe eingekehrt. Gemächlich war die kleine Stadt in Europa angekommen, ohne es zu merken. Plakate priesen ein neues Stadtviertel an, Hochhäuser, dort wo früher die Schlote der Industrie am Fluss gewesen waren.

Karen überlegte, ob sie nachschauen sollte, ob der Kiosk ihr Buch im Ständer stehen hatte, aber die Gier nach einer Zigarette war jetzt grösser. Sie warf noch einen letzten Blick auf Ryan, der offenbar entführt worden war, zog ihren Koffer auf den Platz vor dem Bahnhof. Vor dem Eingang herrschte ein kleines Gewühl und die Glas- und Stahlkonstruktion, die überall auf der Welt als weltoffen und freundlich galt, wirkte trotz Hochdruckreiniger-Totaleinsatz versifft und abgerissen.

Sie kam raus, kurvte ihren Koffer mit einer hektischen Armbewegung neben eine Mauer und tastete ihren Oberkörper nach Zigaretten ab. Das Päckchen war schnell gefunden, aber das Feuerzeug war eine andere Geschichte. Über der hochspringenden Flamme sah sie Bomberjacken, die mit hochgereckten Fäusten irgendwelche Parolen skandierten. Obwohl ihr klar war, die erfolgreichen Neo-Nazis sassen längst im Parlament und wohnten in einer Villa, liess sie es sich nicht nehmen, den Jungs den Mittelfinger zu zeigen. Das störte die Polizisten nicht weiter, die an die beiden Kastenwagen gelehnt, eher gelangweilt auf ihre Handys starrten.

«Kanaken entführen unsere Kinder», las Karen auf einem Plakat. Einer der Typen versuchte, sie anzuspucken, obwohl sie noch mindestens sechs Meter von ihm entfernt war. «Für Ryan, gegen Kanaken», schrien sie ihr nach und dann: «Blöde Nutte». Soviel Einfallsreichtum weckte in ihr das Gefühl, endgültig zurückgekehrt zu sein. Obwohl sie nichts von Ryan und seiner Entführung wusste, widerte es sie an, dass neben Trauer, hektischer Polizeiarbeit und wilder Suchaktionen noch rassistische Hetze ins Spiel kam. Sie zündete sich noch eine Zigarette an und zog ihren Koffer weiter. Zurück ins Viertel, zu ihren Eltern würde sie nachher gehen. Karen wollte zuerst ins Hotel. Sie hatte ja Zeit. Sie war wieder hier.

Sie legte die Notizen auf die eine Seite des Bettes, die Schuhe hatte sie in die Ecke geschmissen. Sie hatte nicht die geringste Lust, etwas zu arbeiten. Die Mini-Bar gab trotz des horrenden Zimmerpreises nicht viel her. Aber irgendwo würde sie wohl etwas zu trinken besorgen können. Sie hätte ihre Mutter anrufen sollen. Sagen sollen, sie sei da. Stattdessen starrte sie auf ihr I-Phone, gab den Schuhen in der Ecke einen Tritt und stellte sich ans Fenster. Eine ruhige Strasse, ein Lüftchen in den Baumkronen. Es war immer noch Nachmittag. Die Tageszeit der Mütter mit den Kinderwagen und der Rentner, die gemächlich über den Bürgersteig auf ihr Nirgendwo aus dreckigen Windeln oder salzlosen Mahlzeiten zu schlenderten.

ABC-Schütze Ryan war nicht aus der Schule heimgekommen. Der Neunjährige sei alleine unterwegs gewesen, der Weg in der kleinen Stadt jedoch nicht weit. Vom Aussehen von Kleinbussen war die Rede, von drei Männern, eben im Kastenwagen und von einem Pädophilen, der seit Ryans Verschwinden nicht mehr anzutreffen gewesen sei. Eine Sonderkommission der örtlichen Polizei sei eingesetzt worden, Interpol eingeschaltet. Ein Polizeisprecher sagte entnervt in die Kamera des Lokalsenders, er könne das alles nicht kommentieren.

Nach ein paar Tagen war jeder Journalist zum Detektiv geworden. Karen liess der unheilvolle Unterton vorerst kalt. Sie sah sich auf dem Internet noch ein paar Berichte an. Von Abbruch in der kleinen Stadt war die Rede, von der Notwendigkeit des Aufbruchs, von Fortschritt und Innovation natürlich auch. Die kleine Stadt müsse endlich vorwärts machen und keine kleine Stadt mehr sein, hiess es da. Schwer zu sagen, dachte Karen an ihrem Fenster, wenn sie weniger mochte, die Bomberjacken oder die Krawattenheinis. Sie war wieder hier.

«Wie geht es dem Vater?», fragte sie in der Küche. Der Tee auf dem Tisch war so schwach, dass er nicht wirklich von Wasser zu unterscheiden war. «Ich habe euch doch Geld geschickt, da könntet ihr euch doch mindestens Tee leisten.» Der Vorwurf in den hellen blauen Augen ihrer Mutter erschien ihr unerträglich dumm und unerträglich hilflos gleichzeitig. «Er hat sich hingelegt, er mag immer weniger.» Es war ja nicht wenig Geld gewesen, fluchte sie innerlich. Aber ihre Eltern sparten für schlechte Zeiten, die längst da waren. Das Haus hatte sie ihnen vor ein paar Jahren gekauft, sie hatten ja nicht aus dem Viertel wegziehen wollten.

Sie erschrak als die Scheibe ihres Mietwagens zersprang. Ein Typ in einer dunklen Bombenjacke, mit hochgezogener Kapuze zeigte ihr den Finger und schmiss noch einen Stein. Er traf beim zweiten Mal den Mietwagen nicht. Sie keuchte, geschockt, sie hatte den Motor abgewürgt, sie musste hier weg und wusste immer weniger, warum ihre Eltern im Viertel bleiben wollten. Endlich sprang der Wagen wieder an, sie wusste ja nicht, ob der Kerl nicht noch andere Kollegen hatte. Eigentlich hatte sie runter zum Fluss fahren wollen. Aber sie musste das Auto loswerden. Es mit einer kaputten Heckscheibe zu behalten, machte keinen Sinn.

«Ich bin wieder hier», sagte sie in ihr I-Phone. Sie sah aus dem Fenster. Es dämmerte und sie wusste nicht, ob sie in der kleinen Stadt ausser ihren Eltern noch viele Leute kannte. Viele waren weggegangen. «Es ist nicht schlecht hier», log sie: «Mein Vater scheint viel müde zu sein.» Sie hatte nicht viel zu sagen. Die Bäume vor dem Fenster schienen immer noch verlassen. «Meine Mutter macht mich wahnsinnig. Ich gebe Ihnen Geld und sie verwendet die Teebeutel immer noch zwei Mal.»

Karen suchte gelangweilt nach der Fernbedienung für den Fernseher. «Immerhin könnte sie mit ihm zum Arzt gehen, oder selbst zum Arzt gehen, dann ginge es ihnen vielleicht besser.» Sie ignorierte die Warnung der Stimme aus dem I-Phone, die kleine Stadt sei gefährlich und sah, dass sie schon wieder über das verschwundene Kind berichteten. «Ich kenne mich aus, hier kann mir nichts passieren, es ist immer der gleiche Scheiss. Hier passiert nie etwas.» Sie hatte nicht traurig klingen wollen, aber sie wusste, es klang traurig. «Hör‘ mal, ich muss noch arbeiten, ich ruf dich später an.» Beide Lügen kamen ihr leicht über die Lippen. Zu leicht. «Es ist nur ein Vortrag, nichts Spezielles».

Ihr Vortrag war nicht besonders gut gelaufen. Auch nicht besonders schlecht. Ihre Mutter, die auch in den Hörsaal gekommen war, hatte sich darüber gewundert, dass so verschwenderisch Gebäck und Häppchen aufgetischt worden waren. Am Anfang war es ihr etwas schwindelig gewesen, so als wäre sie ein übernächtigter Teenie, der übermüdet in einer Vorlesung sass. Nach zu viel billigem Wodka, nach zu wenig Schlaf. Einmal abgesehen von den Erinnerungen an die Studienzeit, hätte sie über das Ungeheuer von Loch Ness oder die Ausserirdischen sprechen können. Der Saal war voll, aber niemand verstand, worüber sie sprach. Immerhin, ihre Mutter hatte sie stolz umarmt, ihr Vater war müde daheim geblieben. Sie war wieder da.

Sie war Stadtrat XY vorgestellt worden. Es sei toll, dass sie da sei, die Stadt habe grosse Pläne sagte er. Man wolle bauen. Keine kleine Stadt mehr sein. Sie verstehe sicher, dass der Bürgermeister nicht habe kommen können, mit allem, was wegen dem entführten Jungen los sei. So etwas sei natürlich nicht gut für das Image. Schlecht fürs Geschäft. Da müsse er schauen, dass die Investitionen weiter fliessen würden. Karens Erinnerung war nur vage: Mochte sein, der Kleine war seit 36 Stunden verschwunden, vielleicht mehr. Das alles machte seine Chancen nicht grösser. Sie funktionierte analytisch in diesen Dingen. Sie hätte seine Chancen an ihrem Telefon ausrechnen können. Sie war lange weg gewesen.

Der Chef der lokalen Handelskammer war schon anständig beschickert, genau das Richtige, nachdem man einen Vortrag über genau das Falsche gehalten hatte. «Wie kann sich ein Mädel wie sie, jemand von uns, der schon Bücher geschrieben hat, sich um solch einen abstrakten Mist kümmern. Es geht doch darum, dass wir vorwärtskommen, wir müssen vorwärts …» Eher hilflos gingen seine Hände auf die Suche. Aber mit solchen Dingen kam sie klar. Eine Frau, die es fertigbrachte in der Bahnhofsunterführung nicht sinnlos begrabscht zu werden, kam mit einem alten Sack klar, dessen Geilheit mehr Wunsch, denn Verlangen war.

Sie standen jetzt Schlange, die lokalen Grössen. Sie musste noch einige Augenblicke durchhalten. Niemand hatte verstanden, was sie vorgetragen hatte. Karen flüchtete schliesslich auf die Toilette, auf der die alten Schmierereien mit neueren ersetzt worden waren. Kein grosser Verlust. Es war den Kids früher nicht gelungen, einen ordentlichen Schwanz auf die Plättchen zu zeichnen und heute auch nicht. Karen checkte die Newslage kurz ab. Die örtliche Polizei erschien ihr hilflos. Auf dem Holzweg.

Irene fragte: «Ist es nicht zu früh, um zu trinken?» Karen sah sich um. In der Studentenkneipe hatte sich nicht viel verändert. «Ich bin schon seit gestern hier und ich habe weder gekifft, geraucht, noch getrunken.» Irene fragte, ob es an der Uni gut gelaufen sei. «Es ist zu spät, um denen erklären zu wollen, dass auch grosse Zahlen lügen können.» Die Studenten rauchten ungeniert, trotz strengem Verbot. Kein Bier, kein Nichts, schlimmes Hausverbot, drohte das Servierpersonal, aber wer bereit war, sich die Story anzuhören und die Drinks an der Bar zu holen, der hatte mit seiner Zigarette trotzdem seine Ruhe.

Irenes Kinder waren in Ordnung. Ihr Mann war charmant, immer noch ein Nichtsnutz. Ihr Haus, wie sie es beschrieb, etwas windschief. Karen fragte, ob sie Geld brauchte. Irene meinte, es sei jetzt klar, dass die kleine Stadt das windschiefe Haus überbauen wolle und damit hätten sie ausgesorgt. Die Sache mit dem kleinen Ryan sei schlimm, meinte sie nebenbei, aber sie würden ein neues Auto kaufen können und im Hochhaus ein Appartement bekommen, meinte Irene. «Da wo unser Haus steht, kommt dann eine Autobahn hin.»

Karen meinte, sie sollten noch etwas trinken. Sie sagte: «Hör mal, darüber habe ich gerade einen Vortrag gehalten, es kann nicht aufgehen. Es sind grosse Zahlen. Man kann das ausrechnen. Und es geht schief.» Die kleine Stadt wollte gross werden. Obwohl Irene den Babysitter ablösen musste, war sie etwas länger geblieben. Sie mochte Studenten mit leuchtenden Augen. Sie mochte verschwitzte, lange Nächte. Sie waren beide von hier. Karen verstand besser, warum sie an die Uni eingeladen worden war. Sie war ein Feigenblatt. So konnte die Stadt sagen, sie hätten alle Modelle durchgespielt.

Später, die seltsamen Fantasien. Fetzen von Erinnerungen, die sie nicht erlebt hatte. Schales Wasser aus dem Badezimmer. Wodka. Wie in allen Hotels, in allen Badezimmern in Hotels war alles festgeschraubt. Ohne Werkzeug würde sie nicht einmal den Seifenspender stehlen können. Karen fühlte sich irgendwie angeheizt und gleichzeitig im Wodka-Nebel verloren. So viel hatte sie gar nicht getrunken. Sie setzte sich vor den Fernseher und sah sich die Wiederholungen des Lokalsenders an.

Ein Deutscher Polizist von Interpol stand vor einem Polizeiauto in der Nähe des Bahnhofs. Ryan war in einem Park in der Nähe entführt worden. Die Bäume sahen alt und krank aus. Der Sand im Sandkasten wirkte gräulich verfärbt. Das Gelände war weiträumig abgesperrt. Vom Kastenwagen gebe es nichts Neues. Aus der Bevölkerung seien über 600 Hinweise eingegangen. Es brauche seine Zeit, diese zu prüfen. Die Spurensicherung laufe auf Hochtouren. Das war die Nachmittagssendung gewesen. Karen starrte auf den Fernseher, der Sender wechselte zur Werbung und sie wartete auf die Abendnachrichten, die ebenfalls eine Sondersendung zu Ryan waren.

Der örtliche Polizeichef hatte die Medien in der Direktion versammelt. Er fasste ziemlich hektisch die Ereignisse zusammen. Fragen würde er keine beantworten. Das Verschwinden am Nachmittag. Die Zeugen und der Kastenwagen. Der Verdacht, dass ein Pädophiler, der nicht aufzufinden war, der Drahtzieher sei. Ein Gewaltverbrechen könne die Polizei nicht mit Sicherheit ausschliessen. Eine Lösegeldforderung habe es bis am Abend noch immer nicht gegeben. Am Ende appellierte er an die Medien, die Familie von Ryan in Ruhe zu lassen. Der Lokalsender filmte die Medienbande vor dem Haus. Einfach von ein bisschen weiter weg.

Als Karen aufwachte, wusste sie nicht, wie viele Wiederholungen sie verschlafen hatte. Aber es war immer noch das Gleiche. Sie hätte telefonieren sollen. Hätte sagen sollen, sie käme zurück an ihre Uni. Sie würde entscheiden müssen, ob sie das Zimmer behielte. Ob sie heute abreisen würde. Ihrer Mutter hatte sie noch einen Tag versprochen. Sie fühlte sich seltsam nüchtern. Ihr Telefon vibrierte. Der nächste Vortrag wäre erst in drei Tagen. Das war nicht viel, fühlte sich endlos an.

«Es tut mir leid, dass ich nicht angerufen habe», log sie schon wieder ihr I-Phone an. «Es ist ganz gut gegangen», sagte sie und wunderte sich, wie leicht es doch ging. «Ich werde mich sicher nochmals nach Hause zu meiner Mutter gehen.» Sie war alles andere als sicher. Vor dem Fenster geschah immer noch nichts. Neben dem Bett lagen verstreut die Papiere. Sie setzte sich auf den Rand, starrte auf die ihre nackten Knie, die sie zu dünn fand und erklärte überzeugt, sie werde noch ein paar Dinge klären und dann zurückkommen. «Findest du nicht auch, dass meine Knie scheisse sind?» Die Frage blieb unbeantwortet, dafür hatte die Stimme gesagt, sie freue sich, wenn sie zurückkomme.

Der Taxifahrer war redselig gewesen. Nur um an den Fluss zu kommen, hatte sie nicht erneut ein Auto mieten wollen. Irene hatte sie gefragt, warum die Pläne der kleinen Stadt nicht aufgehen würden. Wie das sei, wie mit ihrem Haus, dem windschiefen. «Schreckliche Sache, dass mit dem kleinen Jungen», sagte der Fahrer. Vor den Fenstern drifteten jene Teile der Stadt vorbei, die aus einem Baukasten zu kommen schienen, gesichtslose, graue Häuser, die man nicht unterscheiden konnte. «Die sagen am Radio, die Polizei sei in der Südstadt im Einsatz. Sie sagen, sie seien nahe dran.» Am Fluss schlängelte sie sich durch die Hundescheisse, sah zu, wie er floss, der Fluss und entschloss sich abzureisen.

Sie hatte ihrer Mutter noch frischen Tee gebracht. Ihr Vater war müde gewesen. Ihre Notizen hatte sie einfach weggeworfen. Der Koffer war schnell gepackt gewesen. Am Bahnhof war niemand gewesen, der ihr hätte Nutte nachbrüllen wollen. Niemand, dem sie hätte den Finger zeigen können. Der Kiosk führte ihr Buch nicht. Am Abend, als sie schon lange weg war, fanden sie die Leiche von Ryan in einem Gebüsch im Park. Er war schon drei Tage tot.

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Andy Strässle

Autor: Andy Strässle

Andy Strässle umarmt Bäume, mag Corinne Mauch und verleugnet seine Wurzeln: Kein Wunder, wenn man aus Blätzbums stammt. Würde gerne saufen können wie Hemingway, hat aber immerhin ein paar Essays über den Mann zu stande gebracht. Sein musikalischer Geschmack ist unaussprechlich, von Kunst versteht er auch nichts und letztlich gelingt es ihm immer seltener sich in die intellektuelle Pose zu werfen. Der innere Bankrott erscheint ihm als die feste Währung auf der das gegenwärtige Denken aufgebaut ist und darum erschreckt es ihn nicht als Journalist sein Geld zu verdienen.

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