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Stephan Sulke kommt nach Zürich: Stimmungsvoll und mit viel Humor

Eigentlich sollte ich nicht über ihn schreiben. Eigentlich wollte ich auch nicht. Als ich letztes Jahr über ihn schrieb, fand er, das sei eine einzige Lobhudelei. War es wahrscheinlich auch. Was hätte ich denn sonst schreiben sollen. Dass er schwierig ist, zu Übertreibungen neigt, dass er einen leichten Touch zur Arroganz hat und eine Eigenbrotbäckerei betreibt. Wen interessiert das.

Ich schreibe lieber über seine Arbeiten. Zwar ist er ein unzuverlässiger Lieferant, aber bei ihm gibt’s nun mal die perfekte Ware. Seine Lieder sind Poesie, nicht nur textlich, auch melodisch, und umfassen die ganze Bandbreite. Von Melancholie auf Optimismus, von Resignation auf Komik in einer halben Minute. Und wenn er auf eine Bühne steigt, ist er immer noch der freche Flegel, der er immer schon war und wohl auch bleiben wird. Man darf sich da keinen falschen Hoffnungen hingeben. Stört ja auch nicht weiter. Denn er hat so viel zu erzählen. Hat sich ja auch eine Menge angesammelt, seit er uns seine erste LP mit deutschen Liedern eingebrockt hat. Da haben wir zum erstenmal vom ersten mal mit Lotte erfahren. Eine erste Liebesgeschichte bei Winterregen, Loch im Schirm und dem miesen, grauen Kämmerlein, das die Welt bedeutete. Denn auch sein kluger Kopf konnte sich nicht zur Wehr setzen, als sie ihn lachend anschaute und es um ihn geschehen war. Aber es gab nicht nur Kissin‘in the rain Geschichten. Er hat uns auch von Ulla erzählt, einer ausrangierten Dirne, die eine liebe Oma hätte werden können, ihr Leben aber am falschen Ort vergab. Und von Tom, der sich in klugen Sätzen sonnte, dann aber rausfand, dass alles nur Maske war und sich ein Loch in den Kopf schoss. Er hat seither so viele Menschen besungen, von der kleinen Annabella über die emanzipierte Uschi bis zum alten Herrn im 5. Stock ganz links und alten Menschen, die in einem Altersheim stranden, weil den Kindern das so besser in den Kram passt. Alle Altersklassen kamen dran. Auch viele Städte und Länder. Vom Stimmungswechsel in Wien zu den frohen Nächten in Bahia, von Gemeinsamkeiten mit Russland, über die Lage auf der Autobahn Hamburg-Hannover, vom Kanton Jura bis zur Tragödie im verlogenen Tiefenkaltenstein. Und vor ein paar Jahren hat er eine wundervolle CD namens „Niederfallen ferner Sterne“ abgeliefert, auf der die Lorelei, der Zauberlehrling, der Erlkönig und weitere deutsche Gedichte, mit wunderschönen Melodien untermalt, erzählt wurden. Man ärgert sich grün und blau, wenn eine solche Scheibe nur Insidern bekannt ist, während die Massen in den Fischerdörfern und den Berggemeinden sitzen und schaukeln. Trotzdem. Sulke wird weiter gegen den Strom schwimmen und für eine Gemeinde auftreten, die weiss, was sie an ihm hat. Und die längst Stadtausmasse erreicht hat. Denn mit seiner aktuellen CD, die es auch retromässig auf Vinyl gibt, bietet er sogar einen Kurs an für Anfänger in Sachen Liebe. Das hat sogar die Kultis vom Rolling Stone interessiert, die ihn in der Juli Ausgabe unter die Lupe genommen haben. Und das interessiert uns ja so ziemlich alle, denn das bleiben wir doch unser Leben lang. Ob er uns Patentlösungen verraten wird? Ich bezweifle das. Aber er wird uns stimmungsvoll und mit viel Humor erzählen, wie man sich fühlt, wenn das Herz futsch ist und Türen zu bleiben. Und das Thema ganz ohne Powerpoint präsentieren, aber mit Liedern über die Liebe und all dem faulen Kram. „Ich geb‘ mein Herz nicht mehr“ und „Ich mach’s wieder“. Widersprüche gehören wohl zur Liebe. Zum Leben. Und zu Sulke.

Alles über den Anfängerkurs am 16. Juni um 20.00 Uhr, Anmeldung und Kursgebühren, erfährt man beim Kursveranstalter Bernhard Theater Zürich:

www.bernhard-theater.ch

www.stephansulke.com

Isabelle Arnau

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