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Happy Birthday, Darkness on the Edge of Town!

Vor genau 40 Jahren, am 2. Juni 1978, erschien Bruce Springsteens Werk Darkness on the Edge of Town. Darauf fand man kein Born in the USA, kein The River und auch kein Thunder Road. Das Darkness-Album ist der Beweis von Springsteens Unterfangen tunlichst einen Hit zu vermeiden.

Der immense Erfolg von Born to Run, Springsteens drittem Album, welches 1975 erschienen ist, hatte für den damals 26jährigen Musiker heftige Folgen. Ein Rechtsstreit mit seinem damaligen Produzenten, welches ihm verunmöglicht hatte in einem Plattenstudio ein weiteres Album aufzunehmen. So folgte eine beinahe unendlich lange Tour mit der E-Street Band um doch irgendwie die musikalische Kriegskasse zu füllen. Springsteens Leben war für lange Zeit geprägt von Unsicherheit um seine Zukunft. Sein nächstes Album, sollte es eines geben, könnte sein letztes werden. Also musste es Hand und Fuss haben.

War Born to Run noch so was wie ein musikalischer Befreiungsschlag, ein Album voller Hymnen über Freiheit und es „da draussen zu was zu bringen“, kommt Darkness on the Edge of Town wie eine ernüchternde Nachricht daher und zeigt quasi die andere Seite der Medaille. Um es mit den Worten von Jon Stewart zu beschreiben: „Wenn du Bruce Springsteen hörst, dann bist du kein Loser. Du bist eine Figur in einer epischen Geschichte… voll von Losern.“. Eine bessere Bezeichnung als diese kann ich mir für das Darkness-Album nicht vorstellen.

Das Album eröffnet mit Badlands, einer Nummer die mit der Thematik „Angst um die eigene Zukunft“ und „Kontrolle über das eigene Leben“ spielt. Ein toller Opener mit ebenso genialem Text („it ain’t no sin to be glad to be alive!“)

Adam raised a cain zeigt das Familienleben einer sich durchkämpfenden Arbeiterfamilie und das zerstrittene Verhältnis eines Sohns zu seinem Vater. Ein Song voller Wut und Energie. Purer Rock.

Ruhigere Töne spielte die E-Street Band in Something in the Night. Die Hauptfigur ist ein wohl zu sehr nachgrübelnder Mensch, der abends lange Autofahrten dem Leben in der eigenen Bruchbude bevorzugt. Schöner emotionaler Song. „Nothing is forgotten or forgiven, when it’s your last time around“.

Candy’s Room erzählt die Geschichte von unerfüllter Liebe und sexueller Lust. Doch unser Protagonist sieht sich viel Konkurrenz ausgesetzt („Strangers from the city call my baby’s number and they bring Candy toys“). Alleine der Beat verheisst Aufregung. Coole Nummer.

Racing in the Streets ist vielleicht Springsteens grösste Nummer. Der Held der Geschichte erzählt von seiner Freundschaft zu Sonny, der einen grossen Unbekannten am Strassenrand und davon, dass die raue Wirklichkeit des Lebens dir das Leben auch wieder nimmt („Some guys they just give up living and start dying little by little piece by piece.“). Grossartiges Werk.

Fast hellere Töne erklingen in The Promised Land, einem positiveren Song über das Leben im unteren Mittelstand. Und gerne möchte man dem Erzähler glauben wenn er singt „Mister I ain’t a boy, no I’m a man, and I believe in a promised land.“

Factory ist ein beachtlich kurzes Stück welches Springsteen über seinen Vater geschrieben hat. Über die Probleme einer ärmlichen Arbeiterfamilie, bei der die Vaterfigur das eigene Leben völlig hinter das der Familie zurückstellt und von seinem Job im übertragenen Sinne langsam umgebracht wird („Men walk through these gates with death in their eyes“).

In Streets of Fire singt Springsteen davon ausgestossen worden zu sein, was vielleicht auch auf seinen Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Produzenten zurückfällt (I live now, only with strangers, I talk to only strangers, I walk with angels that have no place). Gute Nummer.

Prove it all night erzählt die Geschichte eines Pärchens, welches versucht sich durch harte Arbeit seine Träume zu erfüllen.

Darkness on the Edge of Town erzählt die Geschichte von Racing in the Streets (und vielleicht auch von Thunder Road…?) weiter. Bruce erzählt hier seinem Freund Sonny von seinem Partnerin, die genug hatte vom tristen Leben mit ihm, davon, dass er auch seinen Job verloren hatte und für ihn jetzt nichts mehr zählt („Some folks are born into a good life, other folks get it anyway, anyhow, I lost my money and I lost my wife, them things don’t seem to matter much to me now“) und so wirklich in der Dunkelheit lebt.

Zehn unglaublich kraftvolle Songs sind auf Darkness on the Edge of Town zu finden. Und wenn man jetzt noch sieht, wieviele Songs Springsteen nicht auf die Platte pressen wollte, dann kann man nur sagen, dass der Mann vielleicht a) total verrückt ist oder b) hier einfach eine passende und dreckige Story erzählte wollte, ohne Prunk und ohne Glimmer.

Wer mehr über die Entstehung dieses grossartigen Albums wissen will, dem empfehle ich gerne die Dokumentation The Promise: The Making of Darkness on the Edge of Town. Zudem hat Springsteen 2010 eine Box namens The Promise auf den Markt gebracht, welche viele unveröffentlichte Titel der Darkness-Aufnahmen beinhaltet.

Happy Birthday, Darkness-Album!

https://www.youtube.com/watch?v=P1fQulsE8hI

https://www.youtube.com/watch?v=A6I9BQzI4WE

https://www.youtube.com/watch?v=YqkmZ2p_Gws

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Dominik Hug

Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

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