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Ich will mein geliebtes Demeter-Sanddorn-Jogurt zurück!!!!

Gestern marschierte ich in den Coop-Sihlcity. Ich wollte wieder mal ein paar Becherli meines geliebten Sanddorn-Jogurts kaufen. Diesen gab es in einem hübschen, eher niedrigen Chübeli, drauf das Demeter-Logo, also ein Label mit dem sich der Coop nun auch gerne schmückt. Weil Demeter ja noch besser ist als das hauseigene Coop-Label Naturaplan, bzw. die bestbekannte Bio-Knospe. Demeter ist quasi Superbio. Und man schmeckts. Ehrlich, dieser Jogurt, ich hätte in ihm baden können. So fein, so cremig, so gesund. Sensationell. Erst pflegte ich das Deckeli abzulösen, es dann abzulecken, mit dem Löffel die rahmige Masse umzurühren, bis alles herrlich homogen orange leuchtete. Und dann schmatzte ich dieses Jogurt und leckte zum Schluss noch das Chübeli aus. Bevor ich es ordungsgemäss in seine Bestandteile zerlegte, Karton da, für die Kartonsammlung, dort Plastikteile in einen Sack, zwecks trotziger Entsorgung im Laden. Ja, ich finde, es ist ein Witz, dass wir soviel in Plastik verpacken, aber den immer noch nicht recyclen können, im Laden. Zumal jetzt ja jedes Trübli in einem Plastiksarg verkauft wird.

Beim Coop war ich ja ein wenig gnädiger. Ich schmiss deren Plastiksärge beim Denner in die Pet-Pötte. Aber jetzt, wo Coop mir mein Jogurt weggenommen hat, kriegen die auch ALLEN Plastikmüll retour. Ja, Sie haben es richtig gelesen: Coop hat wieder mal das Sortiment „verbessert“, man dachte, jetzt gvätterlen wir ein wenig an Frau Weissbergs Lieblingsjogurt rum, will heissen, wir zwingen den Produzent Biomilk AG in Worb die Rezeptur zu ändern, und es dann in ein grösseres Becherli zu kippen. Damit wir a) den eh schon saftigen Preis erhöhen können und b) weil wir so blöd sind, etwas Gutes, das von einer guten Firma für uns gemacht wird, zu verhunzen. Einfach so.

Erst merkte ich es ja nicht mal, doch als ich vorhin das verdächtig grössere Chübeli öffnete, war da drin kein herrlich sämiger Sanddorn-Jogurt, sondern eine Art orange Flüssig-Sosse, die prompt über den Rand auf den Boden schwappte. Ich dachte noch, ups, falsch aufgemacht, rührst halt sanft um, doch nichts da, aus Sosse kann man kein Jogurt zurückzaubern. Erst heulte ich auf, dann dachte ich, ich muss das melden. Sicher ein riesiges Versehen!!!!???  Also rief ich eben die Biomilk AG in Worb an, wo mir eine Dame erklärte, ähem, leider, habe der Coop, für den man den Jogurt produziere, verlangt, dass man den Jogurt plötzlich grösser mache. Und den subtilen Quarkanteil subito rausnehme. Sprich die Rezeptur ändere. Man habe das nicht gewollt, aber eben, der Coop habe das so befohlen. Letzteres erfuhr ich erst, als ich etwas nachgebohrt hatte. Ich bin ja nicht nur Hausfrau, sondern auch noch penetrante Journalistin, plus kundige Köchin. Eine Kombi, die bei Hotlines in Sachen kulinarischer Verschlimmbesserungen ganz nützlich ist.

Dann rief ich die Coop-Hotline an, wo mich eine automatische Stimme auf Ziffer eins ermahnte, dass ich absolut keine Emojis mehr bestellen könne, und dass ALLE meine Daten meines Anrufs verwertet würden. Normalerweise hänge ich da sofort ein, aber ich wollte ja meinen herrlich sämig homogenen orangen Sanddorn-Jogurt zurück. Ich dachte, wenn du das erzählst, wie du ihn liebst, wie schrecklich es ist, wenn irgendwelche Mänätscher, die sich wichtig mit Demeter und Knospen dekorieren, sich einen feuchten Müll (ungetrennt) scheren, ob die Kundin, also ich, auch das erwarten darf, was sie LIEBT, immer treu GEKAUFT hat. Ja, dann würden sie beim Coop sagen: äxgüsi, gut dass Sie sich melden. Danke. Wird sofort berichtigt. Die Hotline-Dame hörte auch nett zu, liess mich den Strichcode buchstabieren, fragte, ob ich Feedback wolle? Ich sagte ja, aber ich wolle vorallem mein herrlich cremiges Lieblingsjogurt zurück!! Danke.

Schon beim Einhängen ahnte ich, ich habe verloren. Das ist denen sowas von egal. Die melden sich mit einem blöden Blabla, wieso das nun nötig sei, blablabla, ja, die würden auch ihre Grossmütter vergrössern und verflüssigen, wenn es mehr Profit bringt. Aber womöglich ist alles noch viel schlimmer, es ist irgendwelchen Grossverteiler-Autokraten schlicht völlig egal, was sie produzieren. Oh, das könnte meine Chance sein. Vielleicht denkt so ein Coop-Mensch eines Morgens, oh, wir könnten doch jenes Chübeli wieder etwas verkleinern, der Biomilk AG erklären, dass sie ab SOFORT wieder die alte Rezeptur reinfüllen müssen. Einfach so, aus reiner Willkür. Und so wäre alles wieder wie früher. Die Hoffnung stirbt zuletzt – im Kühlregal beim Shoppen.

Foto: Dieses Foto vom alten Chübeli schoss ich vor kurzer Zeit, ahnungslos, dass es das letzte seiner Spezies sein würde. Ich wollte zeigen, dass es nur wenig braucht, um einen guten Tag zu haben. U.a. dieses allerfeinste Jogurt. RIP.

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Marianne Weissberg

Autor: Marianne Weissberg

Marianne Weissberg, studierte Historikerin/Anglistin, geboren in Zürich, aufgewachsen in Winterthur, ist ganz schön vollreif. Also eigentlich schon ewig da, was sie in ihren Knochen und im Hirn spürt. Lange Jahre verschlang das Lesepublikum ihre wegweisenden Artikel und Kolumnen in guten (und weniger guten) deutschsprachigen Zeitungen und Magazinen. Persönlichkeiten aus Film, Literatur und Musik wie etwa Robert Redford, Isabel Allende und Leonard Cohen redeten mit der Journalistin, die ganz Persönliches wissen wollte, und es auch erfuhr. Irgendwann kam sie selbst mit einer Geschlechter-Satire in die Headlines und begann in deren Nachwehen ihre zweite Karriere als Buchautorin. Auch hier blieb sie ihrer Spezialität treu: Krankhaft nachzugrübeln und unverblümt Stellung zu beziehen, bzw. aufzuschreiben, was sonst niemand laut sagt. Lieblingsthemen: Das heutige Leben und die Liebe, Männer und Frauen – und was sie (miteinander) anstellen in unseren Zeiten der Hektik und Unverbindlichkeit. Und wenn man es exakt ansieht, gilt immer noch, jedenfalls für sie: Das Private ist immer auch politisch – und umgekehrt.

Sonst noch? Marianne Weissberg lebt mitten in Züri. Wenn sie nicht Kolumnen oder Tagebuch schreibt, kocht sie alte Familienrezepte neu, betrachtet Reruns von „Sex and the City“, liest Bücher ihrer literarischen Idole (Erica Jong, Nora Ephron, Cynthia Heimel) oder träumt davon, wie es gewesen wäre, wenn sie nicht immer alles im richtigen Moment falsch gemacht hätte. Aber das wäre dann wieder so ein Thema für einen neuen Kult-Text.

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