Entscheidungen bestimmen unseren Alltag. Welche Hose trage ich heute? Welches Shirt? Welche Schuhe? Brauche ich eine Jacke? Kaffee zuhause oder doch eher Coffee to go? Jede einzelne Entscheidung, die wir fällen – bewusst oder nicht, wirkt sich auf unser Leben aus. Manche Entscheidungen sind gross, manche klein, doch sie alle haben eines gemeinsam: sie haben eine Auswirkung darauf, wie unser Leben aussieht.
Die kleinen Entscheidungen gehen uns tagtäglich mit einer gewissen Routine von der Hand. Ob wir einen Sneaker oder einen Schnürschuh tragen, ist weniger eine Sache der Planung als eine der Praxis. Unser Mittagessen wählen wir nach Lust und Laune aus, denn wenn’s uns nicht schmeckt, probieren wir halt morgen etwas anders. Mit solchen Entscheidungen hadern denn auch die wenigsten von uns.
Anders verhält sich das mit den grösseren Entscheidungen im Leben. Möchte ich in einer WG leben oder alleine? Neuen Job suchen oder den alten behalten? Will ich reisen? Wenn ja, wohin? Was passiert mit meiner Wohnung? Will ich Kinder? Sollen wir heiraten? Diese Entscheidungen verlangen uns einiges mehr an persönlicher Auseinandersetzung ab, denn sie sind immer an eine Bedingung, eine Alternative gebunden. Künde ich meinen Job, nur weil mein Chef ein Arschloch ist? Ziehe ich aus, nur weil mein Nachbar seine Glotze nicht leiser drehen will? Gehe ich reisen, obwohl ich keinen Plan habe, wie’s danach weitergeht?
Der Weg zur richtigen Entscheidung kann ein langer sein. Meistens ist es nämlich so, dass Entscheidungen getroffen und verworfen, Optionen evaluiert und priorisiert werden müssen. Dem Grossteil unserer Gesellschaft gelingt es, die für sich selbst richtige Entscheidung zu treffen. Die wenigen Pechvögel, die mit einer weniger akkuraten Treffsicherheit puncto Entscheidungsfindung gestraft sind, verkacken dann und wann ziemlich derbe. Ich schreibe aus Erfahrung. Was für den einen absolut logisch erscheint, ist für den anderen totaler Schwachsinn. Die Reaktionen auf solche Menschen und ihre Entscheidungen gleichen sich oft wie ein Ei dem anderen: Wie hätter de Muet? Nie würi das mache. Sorry, aber ischer tumm?
Dabei geht es doch bei Entscheidungen in den allermeisten Fällen um alles andere als jene, die sich dazu berufen fühlen, ihren ranzigen Senf dazuzugeben. Schlussendlich musst du in jedem Fall selber damit leben, was du dir eingebrockt hast. Kann manchmal auch ziemlich geil sein.
Darum plädiere ich hier für mehr Egoismus, wenn es darum geht, das eigene Leben zu leben. Klar, man sollte anderen mit seinen Entscheidungen nicht unbedingt in den Garten scheissen, aber ein gewisses Mass an “Fick dich, ich mach’s trotzdem.” ist, so glaube ich, absolut legitim.
Gegenredner finden sich für ungefähr alles, was man tun kann. Es hat also im Grunde gar nichts mit dir zu tun, ob jemand deine Idee toll findet oder nicht. Beurteilen kann nämlich jeder nur für sich selbst. Andere in ihren Bedürfnissen, Wünschen und Träumen zu bevormunden ist nicht nur falsch, sondern unmöglich. Nicht, dass man seinen Liebsten keine Ratschläge und Denkanstösse geben darf, gar nicht, aber die Entscheidung ob «Ja» oder «Nein» kann und darf niemandem abgenommen werden. Das erzeugt unnötigen Druck, der nur allzu oft dazu führt, dass falsche Entscheidungen basierend auf falschen Annahmen getroffen werden.
Wenn du dich also das nächste Mal am Anfang zweier Wege wiederfindest, denk daran: gehst du ihn für jemand anderen, oder gehst du ihn für dich? Wenn deine Antwort letztere ist, dann sei forsch und mutig. Dein Leben gehört dir.

