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5 feine Züripartys von Arnold Meyer

Text, Selektion, alles andere: Arnold Meyer (Bild: Young Nöl-D mit Ice-T).

«Nöldi» hat sich als Rave-Zeremonienmeister der 90er den Beinamen Technopapst verdient. Er war unter anderem Strippenzieher der Energy-Partys im Hallenstadion, jeweils nach den Street Parades. Seine erste hat er im Anschluss an die allererste Parade veranstaltet. Zudem hatte und hat er auch Club-, Party- und Festival-seitig grossen Einfluss auf den elektronischen Klang Zürichs.

 

Freitag bis Sonntag, 13 Jahre Hive im Hive

Seit 13 Jahren bespielt das Hive die Geroldstrasse mit grösstem Erfolg, die Schlangen wollen oft stundenlang nicht abbrechen, stets warten Taxifahrer auf der Strasse, und in der Zürcher Uber-Statistik steht der Club weit oben. Die harte Türpolitik, die auf einen gesunden Geschlechter-Mix achtet, aber auch immer wieder Programm-Highlights wie letztes Jahr Amelie Lens machen den langfristigen Triumpf dieses Club-Dauerbrenners aus, und dies obwohl die Limmatstadt über ein halbes Dutzend reine Techno & House-Clubs aufweist und nochmal so viele, die ab und zu auf das Genre setzen. Am Jubiläum lassen sich die liebenswürdigen Betreiber Nicola Schneider, Anatol Geschwind (u.a. Gonzo), Adrian “Flavor” Wöllhaf (Animal Trainer) und Lars Ruch nicht lumpen. Am Freitag headlinen 2 Many DJs. Die belgischen Brüder – auch als Soulwax bekannt – traten 2003 mit dem eklektischen Nonstop-Mix “As Heard On Radio Soulwax Pt. 2” Türen ein und führten den Mashup ein – zu einer Zeit, als Techno immer monotoner wurde und das Publikum nach einer Abwechslung suchte. In den letzten Jahren wurden ihre DJ-Sets allerdings immer gewöhnlicher, sie verloren ihren einzigartigen Charakter. Am Freitag auf zwei Floors ebenfalls am Start: Ezikiel, La Baaz, Manuel Moreno, R.EK, Vanita. Am Samstag und Sonntag gibt ‘s im Bienestock dann einen Marathon mit den internationalen Künstlern Art Department, Behrouz, Mind Against und Seth Schwarz live. Animal Trainer, Ander (live), Andreas Ramos, Bang Goes, Beez & Simo, Darrien, Definition, Franze, Gleichschritt, Herr Müller, Ida, Matija, Mewa, Nader, Nici Faerber, Patrischa, Reto Ardour, Rumlaut, Simoki, Soame, Solok, Styro, Temo,  Sayin, Tonda und Trinidad vertreten das einheimische Schaffen.

 

Freitag, Liquid Dance im  Escherwyss

Eine Woche vor dem grossen „Le Bal des Fous“ mit DJ Reedow am 16.2. findet ein weiterer rarer elektronischer Event im Escherwyss statt, diesmal auf Goa/Psy fokussiert: Liquid Dance. Aus Isreal wird Sajanka eingeflogen, der ein anderthalbständiges Live-Set spielt.

Der 24jährige Avishai Greenbaum begann 2014 seine Profi-Karriere, als er sich darauf konzentrierte, was ihm am meisten gefällt: Psy Trance. Nach Abschluss einer Sound- und Production School begann er eigene Songs zu schreiben in seinem Stil: „melodic ethnic trance that open the soul and mind“,wie ein Kritiker schrieb: „Massive grooves, amazing vocals and Harmonical stories inspired from lots of musical cultures in one psychedelic project that keeps you on the dance floor to dance and feel!“ Seine grössten Hits “Mystical Electric” , “Time Of India” , “Jumpa Lumpa” intoniert er auch in seinen globalen DJ-Sets. Ebenfalls mit von der Partie: Simex (live, AUT), Jawgrinder (live), Okular (live), 7eleven (live), Beatgrinder, Blax & Neo Flux, Zurvasik.

 

Freitag, Napoli Boogie Night in der Zukunft

Die Zukunft setzt am Freitag auf den Disco-Boogie aus Napoli. Nu Guinea (Massimo di Lena und Lucio Aquilina) treten das Erbe der grossen Napolitaner Pino Daniele, Napoli Centrale, Tony Esposito und Tullio de Biscopo an, die in den 70s und 80s den Ton angaben. Wie ihre Vorbilder sind  auch bei ihnen die Vocals im Dialekt Neapels gehalten. Ihr erstes Album nahmen sie mit ex-Fela Kuti-Drummer Tony Allen auf: „The Tony Allen Experiments“ (2016). Zwei Jahre später folgte das Album „Nuova Napoli“. Ihre Zürich-Premiere wird von Kejeblos (Phantom Island) behutsam eingeführt.

 

Samstag, Stephan Bodzin (D) live im Kaufleuten

Der gebürtige Bremer Stephan Bodzin gehört seit vielen Jahren zu den gefragtesten Melodic Deep Techno-Akteuren und hat sich diesen Status weltweit erarbeitet. Gründe dafür sind neben seinen frenetisch gefeierten Live-Darbietungen, seinen Kollaborationen mit Leuten wie Oliver Huntemann oder auch Marc Romboy, mit dem er Nummern wie „Phobos“, „Atlas“ (im Adriatique Remix) oder „Callisto“ komponierte wie auch auch seine Alben „Liebe ist…“ (2007) und „Powers Of Ten“ (2016). Der Betreiber von Herzblut Recordings räumte auch für die Labels Life & Death („Singularity“) und Afterlife (der Tale of Us-Remix „Monument“ und 2017 die „Strand EP“). Nach seinem Gig am „Rakete presents The Lake“ im Juni kommt er wieder nach Zürich, im Kaufleuten, das letzte Woche beim Durchstarter Fisher aus allen Nähten platzte.  A propros Marc Romboy: der Produzent aus Mönchengladbach wird zwei Wochen später erneut Zürich beehren: einerseits als DJ an der „Modernity“ in der Halle 622, anderseits als Lehrer an der zweitägigen Techno Producing Masterclass. Anmelden kann man sich hier:

https://www.schoolofsound.ch/kurs/masterclass-techno-producing-marc-romboy/

Parallel dazu läuft noch ein Remix-Contest: die Files dafür kann man hier downloaden: https://www.schoolofsound.ch/remix-contest/marc-romboy-moonface-remix-contest/

Support am 9. 2.: Definition und Francesco Guzzo.

 

Samstag, We Play Vinyl & Parat im SpaceMonki

André Galluzzi ist seit einem Vierteljahrhundert ein eingefleischter Vinyl-DJ. Im OG des SpaceMonki wird denn auch am Samstag auschliesslich Vinyl aus der Plattenkiste gezückt. Der Mitgründer von Taksi Records releaste auf Labels wie Cadenza, Cocoon, Ostgut Ton und Highgrade. Der 46jährige Frankfurter durfte als 14jähriger Bartender für einen DJ einspringen – seither ist er mit Leib und Seele DJ. 1995 gründete er mit Paul Brtschitsch das Label Taksi, ein Jahr später zog er nach Berlin und wurde bald Resident im Ostgut bis zur Schliessung 2001. Im Nachfolge-Club Berghain fand er ebenfalls eine Heimat. 2001 gründete er ARAS records.  Ein Jahr später hob er die Party-Reihe “We Play Vinyl” aus der Taufe, die nun im SpaceMonki gastiert. Ebenfalls im OG on the decks: Giorgio Maulini und Kritikal Audio Technique. Das Monki Cage im UG wird von Parat bespielt: Onur, Umut Yasin, Axel Hoffmann, Maseflight.

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Autor: Alex Flach

Alex Flach (*1971) erblickte das Licht in der Klinik Bethanien in Zürich. Nach langen Jahren des Herumeierns bei Versicherungen und nach Erreichen der Bachelor-Würde in Ökonomie, kam er zum Schluss, dass ihm seine Freizeitgestaltung besser gefällt als der Arbeitsalltag und er beschloss, dass es eine feine Idee sei, seine Hobbys Schreiben und Clubbing zu kombinieren. Nachdem er einige Jahre für Medien wie das Forecast Magazin, das 20minuten, den Blick am Abend und natürlich KULT übers Ausgehen geschrieben hatte, erkannte er, dass Clubs bezüglich Medien zumeist ähnlich grosses Talent an den Tag legen, wie Erdferkel bezüglich Quantenmechanik - und dies obschon viele von ihnen ein Programm bieten, das eine regelmässige und umfangreiche Berichterstattung verdient.

Heute betreut Alex die Medienarbeit diverser führender Clubs in der deutschen Schweiz, darunter führende Locations wie das Hive (Zürich), der Nordstern (Basel), das Rok (Luzern), die Zukunft (Zürich) oder der Hinterhof (Basel). Zudem schreibt er im Tages Anzeiger eine wöchentliche Nightlife-Kolumne, ist wöchentlich Studiogast in der Sendung Friday Night von Jonas Wirz auf Radio 24, ist Chefredaktor der Drinks Schweiz, des offiziellen Organs der Schweizer Barkeeper Union, betreut seit Anbeginn die Kommunikation des tonhalleLATE-Projekts der Tonhalle-Gesellschaft Zürich und bildet neuerdings, und zusammen mit Marc Blickenstorfer, Zürich Tourismus-Exponenten in Sachen Nachtleben aus.

Kurzum: Seine Couch und sein Schreibtisch stehen exakt auf der Schnittstelle zwischen dem Schweizer Nachtleben und der Öffentlichkeit. Dass er bisweilen zum über die Stränge schlagenden Berserker werden kann, wenn die von ihm so geliebte Nachtkultur (selbstverständlich völlig zu Unrecht) angepöbelt wird, versteht sich da von selbst.

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