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Oliver Kahntenance: Trockener Choleriker als Anger Manager

Oliver Kahn – das ist ein ehemaliger Kopfbeisser der deutschen Fussball- Nationalmannschaft, den man ins Tor stellte, weil keiner mit ihm, aber auch nicht gegen ihn spielen wollte. Was sich auszahlte, das eigene Team war froh, nichts mit ihm zu tun zu haben, und das gegnerische presste sich ab Strafraumnähe selber zur Mittellinie zurück. Raus aus diesem tief schwingenden Strafraum-Energiefeld, wo es nicht um Spiel, sondern Leben und Tod ging. Und ohne Kopf zum Abendbrot erscheinen – das wollte halt nicht wirklich jemand. Für Kahntenance war Ruhe ausstrahlen ungefähr so, wie Begbie aus Trainspotting in der Bar-Szene, bevor er laut und lange „Jaaaawoll!“ schreit, weil er sich freut, endlich sein Pint über die Rübe des Nachbarn zu hauen – und dem herbeigeeilten riesigen Idioten mit Anlauf in die Eier zu treten.

Eier, die Kahn annodazumal einforderte. Auf dem Zenith seines spirituellen Lebenswegs, als ihn viele Gurus nur ehrfürchtig Kahnatma nannten. Eier, die der zugezogene bayuvarische Ghandi aber bestenfalls in Erbsengrösse anzubieten hatte – in südlichen Gefilden. Und besser wurde es nicht.

Beissen ist Silber, Schweigen ist Gold

Selten einen erbärmlicheren Auftritt eines Board-Mitglieds, in diesem Fall gar eines CEOs, eines internationalen Spitzenkonzerns gesehen, der es (mit Ansage und der wochenlangen Möglichkeit, sich vorzubereiten) nicht schaffte, den weltweit meisten Vereins-Mitgliedern (FC Bayern München) eine passable Antwort auf eine eigentlich lapidare, aber halt für den Verein prioritäre, Frage zu geben: Lassen wir den Katar- Vertrag auslaufen?

Herrlich essen gehen

Ja oder Nein – das wären Eier gewesen. Nichts sagen, weiter Valium schlucken, Gras- Erde-Stollen-Tee trinken und Helmfrisur als völlig normal anzusehen, weil die Lego- Figuren auch so aussehen – das ist Oliver Kahn. Eine Witzfigur, die alles, was sie darstellen will, zu Realsatire verkommen lässt. Früher wollte er den harten Madman im Tor geben, gewesen ist er ein Einzeller mit der kürzesten Zündschnur der Weltgeschichte. Ein Wanna-Be-Gorilla, der Heiko Herrlich in den Hals beissen wollte. Richtig gelesen, Alter – er wollte Heiko Herrlich auffressen. Und Chappi mit gestrecktem Bein ein Loch in den Rücken stechen. Der soll froh sein, haben ihm gegnerische Fans nur Bananen und keine Handgranaten in seinen Kasten geworfen.

Bei Kleidern lachen Leute

Jetzt will dieser Sensej der Wiege des unendlichen Friedens den ruhigen, geerdeten Manager geben – und wirkt so souverän wie eine von eigentlich allem keine Ahnung habende, tickende Zeitbombe. In einem Anzug, den Kahn beim Ballon d ́Or tatsächlich getragen hat. Blue vermeldete Rückspul-Funktion-Rekorde genau dann, als Oliver Kahn den roten Teppich verlässt. Nicht nur ich – alle glaubten das nicht. Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt trauten ihren Augen nicht. Ich wette alle meine Unterhosen, dass das Kahns einziges Kleidungsstück ist, welches einem festlichen Gewand nahe kommt. Sein Konfirmationsanzug, der damas beim Kauf zum ersten und letzten Mal gebügelt wurde – vom Modefachgeschäft „Marcel Scheiner“ in der Karlsruher Einkaufsstrasse.

Billiger Eierneid

Vor diesem ganzen Hintergrund erblödet sich dieser ausbaufähig sympathische, begrenzt aufregende und bescheidenheitsintolerante, geizige Haarhelm auf zwei Beinen, den 18- jährigen Jude Bellingham, mit (zwei) gesunden Land-Eiern, die sich Kahn sehnlichst wünschen würde, über die Medien anzupöbeln, Bellinghams Aussage wegen dem gekauften Schiedsrichter hätte das Mass überschritten. Das müssen nun alle Menschen, weil sie es gesehen und seinen Kommentar gehört haben, jetzt als Realsatire abtun. Ernst nehmen geht ja nicht. Wie auch?

Unterstützen Sie die Stiftung „Kahntenance For All“

Vielleicht spendet der eine oder andere noch ein paar Euro für einen Besuch beim Psychiater seiner Wahl – oder besser der Wahl seines Umfelds. Vorbeugend, weil er 2022 in dieser Funktion, wo man nicht nur böse gucken können und dreissig Valium pro Tag fressen muss, nie überleben wird. Und akut, weil er dringend seine Wahrnehmung von Eiern untersuchen lassen muss. Vielleicht meinte er ja die ganze Zeit Erbsen.

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Autor: Sascha Plecic

Wem sein Leben lieb ist, darf auf keinen Fall:

- Nicht wissen, wer Coco ist, und im Bodycount-Backstage vor Ice-T’s versammelter grimmiger South-Central-L.A.-Truppe mit ihr flirten
- Robb Flynn (Machine Head) sagen, dass Metallica die Village People der Bay Area sind - und bei ungläubigem Nachfragen seinerseits etwas beleidigt und viel lauter werdend darauf bestehen
- Iggy Pop sagen, dass er nur David Bowies Spielball war bzw. dieser ihn schamlos beklaut hat
- Im Grosi-Rägemänteli, mit einer orangen Schlumpfmütze und Spülhandschuhen bei der Bloodhound Gang zum Interview erscheinen -> Resultat: Er wurde u.a. von Evil Jared angepisst. Literally.

IRON PLECIC did it all - und hat’s überlebt.

Maurizio Dottores „Black Reuss“: Till Death Do Us Apart

100. Ausgabe CinéSwiss