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Star Trek: Discovery – Besprechung Episode 15 („Nimm meine Hand“)

von Gastautor Sebastian Blasek

Spoilerwarnung. Dieser Artikel enthält massive Spoiler zum Inhalt der fünfzehnten Discovery-Folge „Nimm meine Hand“ und sollte nur gelesen werden, wenn man die Episode und sämtliche vorangegangenen bereits gesehen hat.

I. Einleitung.

Star Trek ist endlich wieder dahin zurückgekehrt, wo es hin gehört: Auf den Fernsehschirm.
So oder so ähnlich konnte man es im Vorfeld allenthalben lesen, denn nach den umstrittenen Kinofilmen unter J.J. Abrams sehnten nicht wenige Fans die Zeiten herbei, als Star Trek noch das Fernsehen revolutionierte.

Und die Vorzeichen stehen gut:
Der Neuanfang bei einem Streaming-Dienst erinnert an den Syndication-Vertrieb von TNG.
Discovery orientiert sich an den Standards moderner TV-Serien.
Ein Mix aus neuen und alten Produzenten scheint eine gewisse Ausgewogenheit zu garantieren.
Ein abschließendes Urteil kann man aber erst nach der letzten Folge fällen – die just dieser Tage bei Netflix anlief…

II. Story.

Auf dem Weg zum Heimatplaneten der Klingonen schwant Burnham schreckliches:

Hinter der Übernahme des Captains-Stuhls durch die Spiegeluniversums-Entsprechung von Philippa Georgiou steckt mehr als nur eine simple Kartierungsmission für einen präventiven Militärschlag. Georgiou ist willens, die Drecksarbeit für die angsterfüllten Sternenflottenkommandeure zu erledigen und durch einen Genozid an den Klingonen das Kräfteverhältnis im Beta-Quadranten dauerhaft zugunsten der Sternenflotte zu verändern.

In den zerklüfteten Vulkanschloten auf Qo’noS kommt es so zu Showdown zwischen einer Michael Burnham, die ihren Glauben an die Prinzipien der Sternenflotte zurückgefunden hat und einer Imperatorin, die keinerlei Skrupel hat, ganze Zivilisationen für ihre Auslegung von Stärke auszulöschen…

III. Lobenswerte Aspekte.

Kanonfutter.

Meine Güte, da hat es aber jemand gut gemeint.
So viele Premieren!
Die erste Landung eines Föderationsschiffes innerhalb der klingonischen Heimatwelt!
Die erste Urinalszene der Franchise!
Und die erste Andeutung eines absolut nicht jugendfreien Dreiers!
Aber es gibt noch mehr!
Die klingonische Sprache erhält auf den letzten paar Metern noch einmal eine ordentliche Vokabel-Transfusion, das TOS-Urgestein Clint Howard (Balok) bekommt einen kleineren Gastauftritt und der Serie wird eine quantitativ nie erlebte Fülle an Kanon-Referenzen zuteil:

Molor, Betazoiden, Mintaka III, Ceti-Alpha-Aale, Tranya, Trills, klingonische Transportereffekte, Paris, das andorianische Symbol, die dreieckigen Sternenflottenverdienstabzeichen, eine Kameraeinstellung, die eindeutig an den Star-Trek-Pilotfilm „Der Käfig“ anspielte, ein TOS-Abspann und noch einiges mehr.

Bei aller Freude hinterlässt dieser wahre Goldregen an Bauchpinseleien für den wissenden Alt-Fan aber auch einen gewissen bitteren Beigeschmack.

Warum etwa hat man den Kanon, der ohnehin in den letzten paar Episoden massiv überspannt wurde, innerhalb der letzten sechs oder sieben Folgen am langen Arm verhungern lassen? Gerade im Hinblick auf die letzte Szene von „Nimm meine Hand„, in der die Discovery der heiligen Kuh der Trekkies (der buchstabenlosen USS Enterprise) vor die Nase gesetzt wird, kommt ein wenig der Verdacht reinen Fanservices auf.

Dabei ist die Situation nicht unspannend: Sarek und Burnham stehen dem Schiff gegenüber, auf dem ihr Anverwandter seinen Dienst verrichtet. Das riecht förmlich nach Konflikt, Abenteuer und griechischer Tragödie!

Aber Discovery hat den Zuschauer bislang ein paar Mal zu oft mit vermeintlichen Cliffhangern gefoppt und es darf immerhin als schwierig gewertet werden, ob es den Produzenten am Ende glückt, angemessene Schauspieler zu verpflichten (oder zu bezahlen), denen es gelingen kann, die großen Fußstapfen von Star-Trek-Legenden wie Pike, Spock oder Nummer Eins auszufüllen.
Der Ball liegt jedoch immerhin in der Hälfte der Discovery-Verantwortlichen. Es dürfte spannend werden zu sehen, was aus der Vorlage am Ende tatsächlich herausspringt…

Charaktermomente.

Es war abzusehen, dass die letzte Folge einen starken Fokus auf Burnham aufweisen würde. Sonequa Martin-Green nutzt ihre Omnipräsenz für mehrere Ausrufezeichen, indem sie zum Beispiel eine Lernkurve Burnhams aufzeigt, die Biografie ihrer Figur erweitert, und vor allem die Föderation davor bewahrt, ihre Unschuld zu verlieren.

Insbesondere dieser Kampf um die Prinzipien der Föderation, der zwischen Genie (die Unterredung mit Admiral Cornwell an Bord der Discovery) und Pathos (Burnhams Rede auf der Erde) gratwandelt, wird zum großen Teil erfolgreich auf ihren Schultern ausgetragen. Am Ende gelingt es ihr größtenteils, eine denkwürdige Performance zu liefern, vor allem, wenn sie mit anderen Schauspielern im Dialog tritt: So reißt sie vor allem mit, wenn sie zusammen mit Sylvia Tilly, Admiral Cornwall, Sarek, Amanda Grayson oder L’Rell vor der Kamera steht. Selbst ihr Austausch mit Ash Tyler hat längst nicht mehr den Fremdschämfaktor wie in der vorherigen Folge.

Kurz hinter ihr rangiert fraglos Sylvia Tilly, deren Rolle zwar viel Menschlichkeit und Wärme transportiert, aber im gleichen Atemzug auch immer wieder als Ventil für mehr oder weniger komödiantische Einlagen herhalten muss.

Viel zu wenig Raum erhalten wichtige Personen wie Sarek, Amanda Grayson, Saru, Paul Stamets oder Cornwell, bei deren Auftritten kaum Zählbares herausspringt. Sicherlich bieten sie Unterhaltung auf hohen Niveau, aber bei der Dominanz, die Burnham einnimmt, bleibt ihnen kaum noch nennenswerte Momente übrig, um eigenständige Duftnoten zu hinterlassen. Das zeigt sich auf tragische Weise am besten wohl an Saru, dem nach seinen außergewöhnlichen Leistungen die Captainswürde verwehrt bleibt, nur um mit einer billigen Blechmedaille abgespeist zu werden, die angeblich nie zuvor einem Kelpianer an die Brust geheftet wurde.

Immerhin gelingt es Shazad Latif als Ash Tyler wieder in ruhigeres Fahrtwasser zu gelangen und seine zerrissene Figur mit einer stillen Erhabenheit auszufüllen, die zwar im Kontrast zu seinen vorherigen Auftritten steht, aber immerhin als Selbstreifungsprozess gewertet werden kann. Schade eigentlich, dass dieser nunmehr spannende Charakter auf Qo’noS verbleiben musste.

Selbst L’Rell waren einige Momente im Licht vergönnt. Allerdings ergaben sich aus ihren Auftritten mehrere Unstimmigkeiten, auf die wir später noch einmal genauer eingehen werden.

Die große Enttäuschung hingegen war in meinen Augen die Imperatorin Philippa Georgiou. Auch wenn sie viel von Essen redet, hat sie doch deutlich an Biss eingebüßt und ist zu einem flachen Charakter ohne nennenswerte Szenen mutiert. Von der vielschichtigen, skrupellosen und unausrechenbaren Frau, die sie vor allem im Spiegeluniversum gewesen ist, bleibt in „Nimm meine Hand“ jedenfalls nicht mehr viel übrig.

Moralität.

Das große Staffelfinale spielt gleich mit mehreren Themen.

Zum Beispiel mit der Liebe zum Feind, die sich an Burnhams Beziehungen zu Georgiou oder Tyler zeigt.
Oder dem großen Thema der unterschiedlichen Wahrnehmung von Identitäten, dem sich Burnham genauso stellen muss wie L’Rell, Killy-Tilly oder eben Ash Tyler. Allerdings wird dieses Motiv mit dem überhasteten Abschied Tylers gegen Ende der Folge ein wenig ad Absurdum geführt, denn ich hatte doch arge Schwierigkeiten, jenen Ash Tyler bei den Klingonen Asyl finden zu sehen, der sich zuvor so verzweifelt an Michael Burnham  und sein Menschsein geklammert hat.

Aus diesem Grund deklariere ich an dieser Stelle ein anderes, viel offensichtlicheres Thema zum zentralen Aspekt der Folge, das zwar wenig subtil daherkommt, aber von essentieller Bedeutung für die Philisophie Star Treks ist:
Die Weigerung der vereinten Discovery-Crew, die Sternenflottenprinzipien für die Aussicht auf dauerhaften Frieden über Bord zu werfen, markiert nach langer Hungerphase einen passenden Tusch zum Ausklang der ersten Staffel, der nicht nur eherne Traditionslinien neu beschwört, sondern auch als hoffnungsvolles Versprechen an die zweite Staffel gewertet werden dürfte.

IV. Kritikwürdige Aspekte.

Stilbruch.

Friede! Freude! Und Eierkuchen!

Zumindest eine Menge Essen und Anspielungen darum.

Nach dem rasanten Tempo, dass vor allem die letzten paar Folgen vorgelegt haben, kann man dem heißersehnten Finale vor allem eines zubilligen: Es war lahm.

Die Erzählgeschwindigkeit war ein absoluter Bruch mit vorangegangenen Episoden. Traurigerweise hätte eine Raumschlacht, eine Verfolgungsjagd per Shuttle oder wenigstens ein Feuergefecht „Nimm meine Hand“ gut getan!

Stattdessen muss Georgiou (aus welchem Grund auch immer) schon ihre kooperativen Bettgefährten vermöbeln, um die einzig nennenswerte Kampfszene der gesamten Episode zu fabrizieren (das Vermöbeln einer gefesselten Gefangenen mag ich nicht ernsthaft ins Feld führen wollen). Ein wirkliches Bedrohungsgefühl will nach den emotionalen Achterbahnfahrten der zurückliegenden Wochen nicht mehr so recht aufkommen.

Nimm meine Hand“ fällt so im Vergleich völlig aus dem Rahmen. Statt einer cleveren Entwicklung, die den Zuschauer Schlag auf Schlag trifft und in seinen Bann zieht, werden wir mit einer recht hanebüchenen Alternativ-Lösung vertröstet, die wohl niemanden ernsthaft vom Hocker gehauen haben dürfte.

Zudem verliert die Serie ihren Mut. Nachdem sie sich im Vorfeld nicht scheute, Charaktere wie Georgiou, Culber, Lorca oder Landry ohne mit der Wimper zu zucken auszuradieren, wird sie am Ende erstaunlich handzahm und entlässt zum Abschied plötzlich alle Beteiligten, ohne den sonst üblichen Blutzoll zu erheben. Dieser Widerspruch einer Serie, die sich zu Beginn damit rühmte, Star Trek mit „Game of Thrones“ zu kreuzen, lässt am Ende eher an die Glaubwürdigkeit von Wahlversprechen denken, als an jenes moderne Fernsehen, das hier ursprünglich geboten werden sollte.

Nun könnte man natürlich ins Feld führen, dass nur eine Staffel geplant gewesen sei. Aber im Hinblick darauf, dass mit L’Rell, Ash Tyler und der Spiegeluniversums-Variante von Philippa Georgiou gleich drei zentrale Charaktere darauf lauern dürften, in potentiell kommenden Staffeln wieder aus dem Alt-Figuren-Container gekramt zu werden, wirkt das eher wie ein Rückfall in längst vergessen geglaubte Fernsehmuster.

Kanonbrüche und Logiklöcher.

Manche Widersprüche sind so alt wie Star Trek selbst. Zum Beispiel das rote Klingonenblut, das bei Lichte besehen eigentlich nur im sechsten Kinofilm eine andere Farbe erhielt, um eine günstigere Altersfreigabe zu erreichen.

Ich will auch gar nicht darauf herumreiten, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass man sich auf Qo’noS ausgerechnet Ceti-Alpha-Aale frittieren lassen kann. Mich stören jene Fehler, die verhindern, dass man die Serie ernstnehmen kann.

Nachdem wir bereits in der letzten Rezension festhalten konnten, dass Berichte vom vermeintlichen Ableben der Föderation arg übertrieben waren, stellt sich auch dieses Mal die Frage, wie zum Teufel die Klingonen bitteschön kurz davor stehen können, gleich die gesamte Föderation auszulöschen?

Gerade der Blick auf die klingonische Armada aus sieben popeligen Schiffen (!) ließ doch arge Zweifel darüber aufkommen, dass dies der gefürchtete Sammelangriff der Klingonen gegen die Heimatplanet der Menschen sein sollte. Dass das gar in irgendeiner Form einen Völkermord in angedachter Größenordnung rechtfertigen mag, bleibt in Anbetracht der bislang erwähnten Tatsachen doch recht bemüht.

Zudem hätte es eine einfachere Möglichkeit gegeben, Georgiou nach Qo’noS zu schicken:
Bei der Vorstellung der Sporen-Apparatur in „Lakaien und Könige“ hat Lorca Burnham nämlich gezeigt, dass man sich mithilfe des Myzel-Netzwerkes problemlos auf verschiedene Welten wie Amerind, die Sternenbasis 11 oder Janus VI begeben kann. Die ganze Discovery zu schicken war ein unnötiges Risiko – insbesondere wenn man vom Wert des Schiffes für die Erdverteidigung und von der Verzichtbarkeit Georgious ausgeht.

Ansonsten gab es noch die ein oder andere kleinere Unstimmigkeit, von denen ich vor allem eine erwähnen will:
Sylvia Tilly bringt tatsächlich die Zeit auf, sich vor der Landung auf der klingonischen Heimatwelt die Haare zu glätten.
War dies ein rein praktischer Vorgang?
Waren das Sternenflottenregularien?
Oder hat sie sich der unsichere Fähnrich tatsächlich die Kritik der Imperatorin so sehr zu Herzen genommen?

Ungelöste Rätsel.

Zwar ist die erste Staffel Discovery vorbei, aber das bedeuten keineswegs, dass sie die vielen Fragen, die sie in ihrer kurzen Ausstrahlungshistorie aufgeworfen hat, auch beantwortet hätte.

So wissen wir zwar, dass der Sporenantrieb ein Irrweg sein muss, weil er in den chronologisch folgenden Ären der Originalserie, dem nächsten Jahrhundert oder Voyager (wo dieses Stück Technologie äußerst praktisch gewesen wäre) mit keiner Silbe mehr erwähnt wird.

Doch wer sich dahingehend klare Verhältnisse gewünscht hat, dürfte enttäuscht worden sein.
Auch für das abweichende Äußere der Klingonen wurde nicht einmal ansatzweise eine Erklärung gegeben.
Oder der völlig abweichenden Raumschiff-Optik.
Oder den Uniformen, die laut „Der Käfig“ völlig anders aussehen müssten.
Hätte der Sieg über die Klingonen nicht einen idealen Zeitpunkt geboten, die Sternenflotte mit optimistischeren Uniformfarben auszustatten?

Und was ist mit den schwarzen Sternenflottenabzeichen, die wir zu Beginn an Bord der Discovery gesehen haben? Waren sie nur ein roter Hering, um die Zuschauer vorsätzlich in die Irre zu führen?
Dabei ist das alles nur die Spitze des Eisbergs.

Wir wissen weder, warum denn nun Tyler und Voq so aufwändig zusammengemixt wurden, was mit dem originalen Lorca geschah oder ob Sarus Heimatplanet Mitglied der Föderation ist.
Discovery hinterlässt mehr Fragen als Antworten und es darf bezweifelt werden, dass sich an diesem Zustand etwas ändert, wenn die zweite Staffel ausgestrahlt werden wird.

Abramstrek im Seriengewand.

Vielleicht bin ich ja der einzige, der am Ende an den ersten Abrams-Kinofilm „Star Trek“ (2009) denken musste. Aber die wilde Flut an Beförderungen, Auszeichnungen und Wieder-Indienststellungen hat mich doch sehr an die letzten paar Minuten jenes Werkes erinnert. Auch dort steht Kirk auf Erden vor einer jubelnden Menge, empfängt sowohl seine Absolution, als auch seine Beförderung, nur um von einem an der Originalserie orientierten Abspann abgelöst zu werden.

Wie die Abrams-Interpretation auch verneint Discovery viele liebgewonnenen Star-Trek-Traditionen zugunsten einer eigenen Design-Sprache. Nicht nur, dass man den Klingonen in „Nimm meine Hand“ die Rückkehr zu ihrem traditionellen Aussehen verwehrte – die Orioner erfuhren eine ähnliche optische Neuausrichtung (immerhin blieben sie von roten Haaren verschont).
Hinzu kommt, dass selbst die an sich aus dem Original-Universum entliehene USS Enterprise nicht nur zu Soundeffekten durch das geräuschlose All schwebt, die aus den Abrams-Filmen entliehen sind, sondern auch von den scheinbar unverzichtbaren Lensflares umschwirrt wird.

Eine weitere Parallele scheint zu sein, dass die Produzenten den ein oder anderen zentralen Grundgedanken Star Treks scheinbar nicht verstanden haben:

Die Machtübernahme eines klingonischen Kanzlers auf eine so unehrenhafte, im Prinzip auf reine Erpressung basierende Weise bildet so ziemlich das Gegenteil des klingonischen Ehrbegriffs. So sehr sie auch als Nemesis und Gegenentwurf zur Föderation dienen können, sind sie mitnichten eine plumpe, stumpfsinnige und wilde Rasse, die lediglich „auf Stärke reagiert„. Die Akzeptanz der ungleich vielschichtigeren klingonischen Kultur und die gelebte Toleranz, die damit auf Seiten der weiterentwickelten Menschheit einhergeht, vermisse ich für meinen Geschmack zu häufig.

V. Übersetzung.

Es ist nicht immer einfach, die englische Sprache verlustfrei ins Deutsche zu übertragen (wie man etwa am Titel der Folge sehen kann).

So sind auch die Anspielungen um Sarus Zähigkeit im englischen Original („tough„) ungleich cleverer.
Doch abgesehen vom einer oder anderen Mal, zu dem ich Duzen und Siezen etwas fragwürdig angewendet fand, tut die deutsche Übersetzung ihr Möglichstes, um dem hiesigen Zuschauer die Dialoge zugänglich zu machen.

Das mag sich wenig anhören, aber es ist ein Privileg, dass man im Zweifelsfall auch mal die Tonspur wechseln kann, wenn man nur Bahnhof versteht.

VI. Fazit.

Das große Discovery-Finale will eine Brücke schlagen: Es führt Burnham und die Crew der Discovery wieder zurück in den Schoß der Sternenflotte, lässt die Ideale und Werte der Föderation hochleben und füttert den Zuschauer mit vielen schmackhaften Kanon-Happen, die in einer Sichtung der altehrwürdigen Enterprise gipfeln.

Aber der große Schlussakkord klingt schief, denn er bildet in puncto Handlung, Erzähltempo und auch Erzählrahmen einen zu krassen Bruch mit den vorherigen Episoden. Er vermag es nicht, ein Ausrufezeichen zu setzen, dass der ein oder anderen vorherigen Episode gleichkommen würde. Stattdessen gibt es sich am Ende als Statement für eine Star-Trek-Lesart zu erkennen, die nicht ganz zu Unrecht auf Ablehnung bei vielen Fans stößt.

Bewertung.
Finale ohne Würze.

VII. Schluss.
Es ist Discovery zugute zu halten, dass die Serie ein eigenes Profil gesucht und gefunden hat.

Aber nicht immer hat sie es verstanden, die Stärken Star Treks auf dem Fernsehbildschirm auszuschöpfen. Statt einen eigenen Weg zu suchen, hat sie bislang vor allem versucht, den Richtungsvorgaben J.J. Abrams‘ zu genügen und dem umstrittenen Motto „Not Your Father’s Star Trek“ zu genügen.

Aber es ist abzusehen, dass das allein nicht ausreichen wird. Die erste Staffel hat ohne Frage eine Menge Aufmerksamkeit auf sich ziehen können und vermocht, dass Star-Trek-Fans jeglicher Coleur zusammenfinden, um darüber zu reden, zu streiten oder zu schimpfen. Für den (Neu-)Start war das tatsächlich mehr, als man erwarten konnte.

Doch mit dem Auftauchen der USS Enterprise wird sich Discovery in Zukunft beweisen müssen:
Die Produzenten haben einen Geist beschworen, hinter dem mehr steckt als eine actiongetriebene Raumschlacht-Science-Fiction. Von nun an wird man sich nicht mehr hinter schießwütigen Spiegeluniversumsflüchtlingen verstecken können, sondern muss eine Geschichte liefern, die gleichzeitig höheren inhaltlichen Maßstäben genügt, als auch neue Zuschauerschichten bei der Stange hält.

Ob die Serie das schafft und sich dann wirklich an seinen Vorgängern messen lassen kann, wird sich daher wohl erst im nächsten Jahr zeigen….

Denkwürdige Zitate.

Was ist los; haben Sie Angst, Nummer Eins? Da wo ich herkomme, gibt es ein Sprichwort: Verängstigter Kelpianer bedeutet zäher Kelpianer. Sind sie zäh geworden, seitdem wir zusammen auf der Shenzhou gedient haben, Mr. Saru?
Philippa Georgiou (aus dem Spiegeluniversum)

Sie? Wie das? Unser Gebieter hat ihr Herz durchbohrt! Haus T’Kuvma hat sich an ihrem Fleisch gelabt!
Sie reden von der anderen Philippa Georgiou.
Wie auch immer; Ihnen fehlt es jedenfalls an Würze…“
L’Rell und Georgiou

Das ist ein Palstek. Der geht nicht auf und rutscht nicht weg. Den hab ich als Kind gelernt. Er hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Er verbindet mich mit meiner Vergangenheit.
Ash Tyler

Es konnte ja auch nicht Euer ganzes Universum langweilig sein…“
Georgiou im orionischen Strip-Club

Oh Scheiße, das ist gar keine Drohne!
Sylvia Tilly

Durchaus. Aber eine Frage bleibt: Wieso haben Sie die Mission klammheimlich in die Hände eines Terraners gelegt? Weil wir so niemals vorgehen würden.
Das wird sich bald ändern. Wir können uns den Luxus von Prinzipien nicht leisten.
Sie sind alles, was wir noch haben, Admiral! Vor einem Jahr dachte ich auch noch, dass unser Überleben wichtiger war, als unsere Prinzipien. Ich habe mich geirrt. Ist heute wieder eine Meuterei nötig um zweifelsfrei zu beweisen, wer wir sind?
Michael Burnham und Admiral Cornwell

Besprechung Episode 01 & 02
Besprechung Episode 03
Besprechung Episode 04
Besprechung Episode 05
Besprechung Episode 06
Besprechung Episode 07
Besprechung Episode 08
Besprechung Episode 09
Besprechung Episode 10
Besprechung Episode 11
Besprechung Episode 12
Besprechung Episode 13
Besprechung Episode 14

Sebastian Blasek (auch als Turon47 bekannt) ist in selbst seinen späten Dreißigern noch immer ein großer Star-Trek-Fan, nachdem er 1988 das erste Mal “Raumschiff Enterprise” im Westfernsehen sehen durfte. Aufgewachsen in einem Staat den es nicht mehr gibt, wohnt er heute in Potsdam, wo er Deutsch und Geschichte studiert hat. Der anglophile Fußballfan schreibt in seiner spärlichen Freizeit Artikel für die Star-Trek-Tafelrunde “Hermann Darnell” und schläft am Wochenende gern aus.

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