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The TREE of LOVE

Weihnachten naht, droht, lässt uns wehrlos dem Plätzchenrausch verfallen aus Angst vor Drama Queens und gähnenden Langweilern. Es soll jedoch auch Ausnahmen geben, Menschen, die sich jubilierend vor die Krippe stellen und beglückt vor dem Baum ein Liedchen tirilieren. Gepriesen sei wer auch immer, wenn die Endorphin-Ausschüttung drei Tage lang anhält!

Ich wage es jedoch, zu prophezeien, dass die Füllung der Gans oder spätestens die Konsistenz der Bratäpfel zu spitzen Bemerkungen führen werden. Der Weg von der Glückseligkeit zum Zerwürfnis, von jauchzenden Papillen zu Temperamentsausbrüchen, die einer neapolitanischen Mamma zur Ehre gereichten, ist manchmal erstaunlich kurz. Ein zweifelnder Blick, ein Geruch und schon sind sie da, die verhexten Erinnerungen aus der Kindheit, Familiendramen, Liebesschmerz, längst verschütt geglaubt und plötzlich wild entfesselt unter dem Baum tobend.

Contenance!

Ein probates Allheilmittel gegen Weihnachtsschmerz oder Familiendramen-Präventionspillen gibt es nicht. Es bleibt lediglich zu hoffen, dass alle Gäste Contenance wahren oder best case in ein begnadetes Weihnachtsdelirium verfallen. Essen, singen, Pakete auspacken… Schauen wir Sissi an oder den kleinen Lord? „Drei Nüsse für Aschenputtel“ geht immer. Zumindest sitze ich dann schluchzend vor dem Fernseher, während die Kinder den Tisch decken und Beruhigungsformeln murmeln. Wenn sich Aschenputtel im Baum versteckt und die ersten Töne des Filmtracks erklingen, schwebe ich bereits und L.O.V.E. macht sich breit in meinem Herzen. Gefühle tauchen auf, Gedanken an Menschen, die ich einmal geliebt habe, mit jeder Faser meines Herzens, die verschwunden sind aus meinem Leben, verblüht, vergangen, die ich jedoch niemals missen möchte.

Grenzen und Normen

Deshalb widme ich diesen Menschen (sorry, dass ich Gender-Kriterien nicht berücksichtige, Männer haben mich nun einmal vorrangig beglückt) einen Ehrenplatz an meinem Tree of Love. Ein Symbol, etwas Haptisches, Greifbares, Sinnliches soll an den Baum, ein glänzender Gedanke, ein außergewöhnlicher Augenblick, ein Gefühl, das Grenzen und Normen sprengt.

Ästhetische Kriterien spielen bei meinem Weihnachtsschmuck demnach keine Rolle. Lametta in or out ist für mich kein Thema! Es gibt auch keine Diskussionen über Stilrichtungen und Farbgestaltung, Plastic Elastic oder Nachhaltigkeit. Mein Baum ist ein Tree of Love. Jedes Schmuckstück erinnert mich an einen Moment, in dem ich mich besonders glücklich gefühlt habe.

Hier die Top 5 meines Tree of Love 2016:

Nr. 1: DER KUGELFISCH

„Du bist mein feuerroter Kugelfisch – entweder deliziös oder tödlich.“

Lieber H., dieses Kompliment werde ich nie vergessen! Wahrscheinlich sitzt du jetzt in San Francisco und denkst du über M&As, Kartellrecht oder Alcatraz nach. Vielleicht aber blitzt die Erinnerung an Chamade, den Kugelfisch, den morbiden Charme einer Dostojewski-Figur und die Diskurstheorie des Rechts auf, die wir in Alpbach auf den Kopf gestellt haben. Cheers, lieber H.K.! Ein Kuss für den Schöpfer des Kugelfisches!

Nr. 2: DER FABELVOGEL

Was hat man sich darunter vorzustellen? Ein magisches Tier? Einen Phönix, der sich aus der Asche erhebt? All das und noch viel mehr! „Du bist mein Fabelvogel“, sagtest du, „mein fabulierendes, schillerndes Wesen, ungezähmt und frei, das sich nur manchmal auf meiner Hand niederlässt und dann wieder fortfliegt.“ Wir haben uns Geschichten erzählt, lieber J., und sie gelebt und dann bin ich weggeflogen, weil ich als Fabelvogel nicht anders kann… Der Gedanke aber, das Souvenir eines großen Gefühls bleiben. P.S.: When I fall in love… I fall in love to easily… I know that Chet knows…

Nr. 3: PARADIESFRÜCHTE

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere… Was haben wir nicht verkostet? Austern beim Käfer, Jakobsmuscheln und Steinbeißer im Margaux. Der Champagner floss in Strömen und die Tränen – ein bisschen Kitsch muss sein! – leider auch. Und dann der Wandel, die wunderbare Metamorphose, ein Gefühlsmatrioschka-Püppchen nach dem anderen stand vor uns. Freundschaft, Liebe, Freundschaft, er, sie, du, ich… Eine unendliche Geschichte! I still believe in… Siehst du es? Da steht es doch im Abspann: HAPPY END!

Nr. 4: DER EIFFELTURM

Gnade! Recht! Liebe! Hass! Alles vergessen! Weihnachtstrauma aufgelöst im Le Jour du Grand Pardon. Es war zu schön, um wahr zu sein und irgendwann war es nur noch ein Gefühl, das verloren und suchend wie der Juif Errant in der kapitalistischen Wildnis und den eigenen Untiefen verschwand. Alles war möglich! Alles! Die Welt stand uns offen! Keine Hoffnung zu groß! Keine Zukunftsvision zu hell! Un conte de fée et puis… l’enfer! Sssh…ssssh! Quand il me prend dans ses bras Il me parle tout bas Je vois la vie en rose…

Nr. 5: MAGIC MUSHROOM

In Thailand am Strand auf einem Felsen liegend, die Sterne über dir, flog sie dir zu, die wunderbar-fantastische Idee, mich zu heiraten. Als du zurückkamst, begann mein neues Leben. Arbeit, Düsseldorf, weg aus Franken. Komm mit! Bleib hier! Komm mit! Und dann wurde ich entführt zum Eiffelturm (man sieht, dass Chronologie hier keine Bedeutung hat). Das Leben mit dir war ein ruhiger Fluss, geboren aus dem Magic Mushroom der Liebe. H., mein Bester, verzeih mir!

So, und jetzt lasst sie erklingen, eure Jingle Bells, lasst sie erglänzen, eure Gedanken-Kugeln, eurer Liebes-Lametta, die flammenden Kerzen über silbernen Nüssen, Engelshaar und Magic Mushrooms!

Merry Christmas und einen wunderbaren Tree of Love wünscht euch

Ute

 

 

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Ute Cohen

Autor: Ute Cohen

„Langeweile ist eine Sünde, für die es keine Absolution gibt.“ (Oscar Wilde)

Aus gutem Grunde verlässt Ute Cohen nach dem Abitur das kleine fränkische Dorf, in dem sie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Das Studium der Linguistik und Geschichte und eine Dissertation folgten. Schließlich
war es an der Zeit, den Elfenbeinturm zu verlassen. Amerikanische Unternehmensberatungen lockten. Business statt Beckett!
Dann von Düsseldorf nach Paris: Kinder, Küche und Arbeit für eine internationale Organisation. Zurück in die Welt der Wirtschaft mit Kommunikationsberatung und Ghostwriting in Paris, Frankfurt und Berlin. Im Februar wird ihr erster Roman im Septime-Verlag veröffentlicht.

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