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Albumkritik: Brian Fallon – Sleepwalkers

Brian Fallon hat es geschafft. Er hat sich vom Schatten seiner Band The Gaslight Anthem lösen können und gilt als respektierter Solokünstler. Sein Debütalbum Painkillers gehört zu den besten Heartland-Rockalben der letzten Jahre. Das Warten auf eine weitere Scheibe vom inzwischen 38jährigen Fallon fühlte sich unendlich lange an. Tom Petty hatte recht als er damals The Waiting is the hardest Part gesungen hatte. Ruhe in Frieden, Tom.

Am 9. Februar 2018 erschien Sleepwalkers, Brain Fallons zweites Soloalbum. Eine Platte, die Brian selbst nicht dem Rock oder Punkrock zuordnet, sondern dem selbsternannten Genre Heavy R&B. „Brian Fallon can’t fail“, so die Meinung des Autors bislang.

Sleepwalkers eröffnet mit dem locker-sehnsüchtigen If your Prayers don’t get to heaven und den Zeilen:
I’m packing up, I’ve gotta move, I’ma blow a fifty-foot hole through the dark clouds in our room
I’m making a change I’m gon‘ starting today, I’ma roll these dice with a song tonight, I’m gonna whip these blues away
And I’m gonna run so far they’ll never find me again.“
Brian Fallon at it’s best. Ein guter Opener.

Forget me not ist der zweite Song des Albums und wurde von Fallon als kleiner Teaser bereits vor einigen Monaten veröffentlicht. Eine perfekte Konzerthymne mit wunderschönem Text, einem kleinen Wink auf die Beatles („And I would put my black suit on and visit your bones, nd bring a Football top and a play that you wrote, and an English song by a band that you love, here comes the sun, little darling…“) und Fallons Stimme krächzend und dröhnend wie selten. Einer seiner besten Songs.

Eines der wiederkehrenden Themen in Fallons Werken ist die nicht existierende Beziehung zu seinem Vater. Diese wird auch auch in Come Wander with Me, dem dritten Stück dieser Platte, thematisiert. Ein schöner Song mit Lyrics („Oh but you, you always said, „you’re just too good a ship to wreck.“ You said, „never mind nothin‘, there’s a summertime humming once the bandages come off. „Yes, and you always believed there was some kind of diamond in me..“) wie nur Fallon sie schreiben kann.

Etta James ist ein eher langsamer Song, der vorwiegend von Fallons grossartiger Stimme lebt, mich jedoch nur mittelmässig gepackt hatte.

Mit Her Majesty’s Service folgt eine eher lockere Nummer, welche ich beim ersten Durchhören der Platte schnell übersprungen habe. Und dies wohl auch künftig so halten werde. Anwärter auf Fallons schwächsten Song?

Kurz vor der Platten-Halbzeit folgt Proof of Life, eine weitere langsame und zugegeben schöne Nummer, die mich so aber auch nicht wirklich packt. Ich werde langsam unruhig.

Erleichterung. Little Nightmares ist eine schneller und packende Rocknummer und wiederrum bin ich fasziniert von Fallons Gedankengängen („I see you shake and shake and shake and shake and I wanna reach out now, because there must be a brighter light there’s a simple life that gets past these breakdowns..“). Geile Nummer.

Sleepwalkers… Trompetenklänge eröffnen den Song und ich fühlte mich kurz Fehl am Platze. Erst nachdem ich mich mit dem Songtext auseinandergesetzt habe, konnte ich den Song mit anderen Augen sehen. Genial, wie Fallon in diesem Song einen Monolog mit seiner Mutter hält. Der Song könnte mir noch ans Herz wachsen, aber weiter weg von „The ’59 Sound“ war Brian Fallon noch nie.

Krachende Bässe, Drums, krächzende Stimme. My Name is the Night (Color me Black) hat Ohrwurm-Qualität und ist wieder richtiger Fallon-Rock.

In Neptune singt Fallon mal wieder von seinen Ferris Wheels, einem Symbol für vergangene Liebe, welche Fallon immer mal wieder in seinen Songs benutzt. Ordentliche Nummer.

Watson habe ich mehrere Male überhört. Ein ruhiger und nachdenklicher Song, in welchem Fallon über die Ängste singt, eines Tages einsam und allein zu sein. Er singt über London, die Angel Station und Detektive, vielleicht aus Sicht von Sherlock? Wer weiss. „Hang on Watson, hang on Watson“.

Das Album schliesst mit See you on the other Side, einer akkustischen Nummer, wie man sie von Fallon kennt (National Anthem, Red at Night) und gerne hört.

„And when we both grow old
And there’s nothing left to say
I want you to know
That I loved you all my days
And when we close our eyes on this lifetime
I’ll see you on the other side
Yes, I’ll see you on the other side“

Schöner kann man ein Album kaum beenden.

Fazit: Painkillers war das unkompliziertere der ersten beiden offiziellen Soloalben Brian Fallons. In Sleepwalkers versuchte Fallon oft zu experimentieren, was harte Gaslight Anthem-Fans ihm auch übel nehmen könnten. Aber unter dem Strich ist Sleepwalkers ein gutes Album und Brian Fallon ein herausragender Musiker und grossartiger Songwriter. Brian Fallon still can’t fail.

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Dominik Hug

Autor: Dominik Hug

Mitdreissiger. Basler. Auch im Erfolg stets unzufriedener FCB-Fan. Filmkritiker. Leidenschaftlicher Blogger. Strassensportler. Apple User. Hat eine Schwäche für gute Düfte. Liest eBooks. Hört gerne Rockmusik. Fährt einen Kleinstwagen. Geht gerne im Ausland shoppen. Herzkalifornier. Hund vor Katze. Hat immer eine Sonnebrille dabei. Gelegentlicher XBox-Zocker. Hat 2016 überlebt.

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