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7 Orte, die während der Pandemie zum Verweilen einladen (Teil 1)

Man saying hush or be quiet with finger on lips, close up with selective focus

Von Janina Fischer

Der Wald ist für Anfänger. Wir haben ein paar echte Geheimtipps an Orten gesammelt, wo es sich während der Corona-Zeit wunderbar verweilen lässt – von B wie Backregal bis Z wie Zugtür. Machen Sie es sich am vorerst letzten Lockdown-Wochenende noch einmal richtig gemütlich.

Zuhause Bananenbrot backen? Vita-Parcours abklappern? Ach, kommen Sie! Das können Sie besser. Mit unseren Geheimtipps werden Sie zum Profi-Krisentourist. (Sie haben die Grundlagen schon verinnerlicht? Hier gehts zu Teil 2.)

Doch Vorsicht: Bald kommt die nächste Lockerungswelle! Und die verändert womöglich wieder alles. Nutzen Sie also am besten die Zeit am Wochenende, um es sich in den letzten Lockdown-Tagen noch einmal an möglichst vielen Orten so richtig gemütlich zu machen.

Ach ja: Wir wissen, dass Ironie über das geschriebene Medium schwer zu transportieren ist. Aber wir machen es trotzdem. Falls Sie unsicher sind, wie Sie sich verhalten sollen (und eigentlich auch sonst), empfehlen wir Ihnen den mehrteiligen Kult-Selbsttest: «Bin ich ein Krisen-Arschloch?»

Geheimtipp 1: Vision Quest beim Backregal

Die Inspiration kommt beim Backregal. Willkommen in dieser lauschigen Oase der Ruhe. Nehmen Sie sich einen Keks, bleiben Sie doch ein bisschen! Wenn Sie noch nicht wissen, was Sie backen wollen, ist dies Ihr Raum der Inspiration. Hier können Sie stundenlang auf die Backsachen starren, ohne eine Entscheidung zu treffen.

Und scheuen Sie sich nicht, genervt zu schnauben, wenn Sie kein Maniokmehl finden. Denn hey, es ist auch in diesen Zeiten Ihr gutes Recht, ihren glutenfreien fucking Maniok-Nuss-Traubenkernkuchen zu backen. Da möchte jemand eine Packungen Zucker ergattern? Weichen Sie keinen Schritt zur Seite. Das ist Ihr fucking Regal. Fuck.

Geheimtipp 2: Bummeln mit Bro

Ganz generell: Ein Streifzug durch Migros, Coop und Co. ist immer eine erfrischende Angelegenheit. Um einen solchen Trip besonders interessant zu gestalten, nehmen Sie eine(n) Bekannte(n) mit. Führen Sie lebhafte Gespräche (kann man auch allein, braucht aber etwas Übung). So haben auch andere etwas davon.

Wichtig: Seien Sie kein Einkaufsbummler, haben Sie eine Mission. Suchen Sie zum Beispiel gezielt nach Produkten wie Trockenhefe und wenn Sie diese nicht finden, werfen Sie sich gegenseitig vielsagende Blicke zu. Und reden Sie darüber. Viel und laut. Oder tuscheln Sie über Eltern, die mir ihren fünf Kindern einkaufen gehen. Und dann reden Sie darüber. Viel und laut. Oder beschimpfen Sie Leute, die in Gruppen stehen. Reden Sie auch darüber. Viel und laut.

Alternative, falls Sie keine Freunde haben und keine Selbstgespräche führen wollen: Bewaffnen Sie sich mit einem Selfie-Stick (damit stellen Sie auch sicher, dass andere die Abstandsregel einhalten) und drehen Sie einen Vlog. Reden Sie dabei. Sie wissen schon. Viel und laut. Wenn Sie auf dem Land wohnen, drehen Sie einen Vlog im Volg. Freuen Sie sich über das lustige Wortspiel.

Geheimtipp 3: Schwimmen Sie gegen den Strom

Die Kassen von Coop, Migros und Co. haben sich in den vergangenen Wochen zu regelrechten Chill-out-Hotspots gemausert. Leider längst auch kein Geheimtipp mehr sind Self-Scanning-Kassen.

Machen Sie es anders als die Idioten der breiten Masse. Gehen Sie nur zum Zahlen an die Kasse und halten Sie dafür später an einem der vielen anderen Supermakt-Geheimspots einen kleinen Schwatz mit Freunden und Bekannten.

Und keine Sorge wegen der Leute, die in einigen Metern Abstand an der Kasse herumlungern. Die stehen da nur und denken noch immer, sie hätten den neusten Geheimtipp zum Verweilen entdeckt. Diese Idioten. Die können Sie getrost überholen.

Update der Redaktion: Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie beim Vorgang des Überholens an der Kasse plötzlich angebrüllt werden. Dies ist Teil eines neuen, punktuellen Corona-Flashmobs und als kleines Spässchen am Rande zu verstehen. Lächeln Sie am besten leicht verlegen und nicken Sie der brüllenden Person freundlich zu, während Sie sich geschickt weiter Richtung Kasse schlängeln. Googeln Sie dieses merkwürdige Verhalten später an einem Wohlfühl-Spot Ihrer Wahl. Oder noch besser: Verhalten Sie sich, als wären Sie ein Eingeweihter – und brüllen Sie zurück.

Geheimtipp 4: Saubere Sache!

Gönnen Sie sich nach der ausgiebigen Shopping-Tour durch Kartoffeln, Badesalze und Papeterie-Artikel eine kleine Pause bei der Desinfektions-Station am Ladenausgang. An diesem ruhigen und geheimen Spot stehen sie garantiert niemandem im Weg und können einfach mal durchatmen (höhö). Ideal ist dieser Ort auch, um das Münz zu verstauen, welches Sie bei der Barzahlung als Wechselgeld erhalten haben. Sie ignoranter Sack.

Geheimtipp 5: Sinnieren im lauschigen Grün

Der Lockerung sei Dank: In den schmalen Gängen von Gartengeschäften lässt sich im lauschigen Grün endlich wieder neue Kraft tanken.

Halten Sie einfach einmal inne und schauen Sie verträumt herum. Oder denken Sie nach, über das, was der Schorsch von der Buchhaltung gestern am Telefon gesagt hat. Oder kramen Sie Ihr Handy hervor und schreiben Sie wieder einmal eine Nachricht („Schatz, es hät Primeli!! Lg Müsli“).  Oder entfernen Sie endlich diesen Fetzen Pouletfleisch (für Veganer: Mais) zwischen Ihren Zähnen, der Sie schon seit Montagmittag plagt.

In den wunderbaren Gängen der Schweizer Gartengeschäfte fühlen wir uns so richtig daheim. In diesem Sinne: Bleiben Sie zuhause!

Hier könnte Ihr Tipp stehen:
Verraten Sie uns IHRE Geheimtipps! Wo und wie geht man seinen Mitmenschen während der Corona-Zeit am besten auf den Sack? Verraten Sie es uns in den Kommentaren. Und damit Ihre Geheimtipps auch geheim bleiben, schreiben Sie einfach ganz leise. Danke.

-> Hier gehts zu Teil 2

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Janina ist Texterin in Zürich. Sie ist auch gelernter Koch. Ausserdem geht sie gerne hungrig einkaufen. Dabei regt sie sich oft auf und sammelt dann still und heimlich Ideen für neue Kolumnen.

(Foto: stevanovicigor – Envato Elements)

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