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Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten

Hallo Jessy.

Grüezi Herr Stiefel.

Du bist hübsch. Darf ich das so sagen?

Das darfst du so sagen. Dankeschön.

Gerne. Aber: „Du bist hübsch, ich würde gerne Liebe mit dir machen!“ geht wohl nicht, nehme ich an.

Haha. Naja, so sehr ich den Ausdruck „Liebe machen“ schätze, ich würde es dir nicht empfehlen den gleich zu Beginn zu bringen.

Dabei habe ich mich extra gepflegt ausgedrückt. Du hast dich auf deinem FB-Profil kürzlich darüber beklagt, dass mit dem heissen Wetter auch die Glüschtler wieder aus den Ritzen kriechen. Wie hast du das gemeint?

Naja die einen spüren den Sommer mehr als die anderen, hab ich das Gefühl.

Die konkrete Situation war die folgende: Es war ein echt heisser Tag und ich hab mich zuhause kurz umgezogen (lange Hosen aus, kurze Hosen an) bevor ich zur Post gegangen bin und wurde auf dem Weg dorthin (5 minütiger Weg) von drei Typen angegrüselt…

… sie wollten „Liebe mit dir machen“?

Möglich. Der eine hat aber darauf beharrt, dass er nur was trinken gehen wolle. Sogar als ich ihm gesagt habe, dass ich einen Freund habe (was gelogen war, ich gebs zu…) hat er lapidar gemeint: „Aber ich will ja nur was trinken mit dir, ist doch voll okay.“ Ja eh, ist klar.

Du sagst also: Du trägst kurze Hosen eigentlich bloss, weils dir mit langen zu heiss ist?

Wieso trägst du denn kurze Hosen, Pete?

Ich trage kurze Hosen, weil mir mit langen zu heiss ist.

Na, also.

Aber ich wurde auch nicht vor einigen Jahren zum – mit Verlaub – geilsten Arsch der Nation gewählt.

Au Backe (seufzt). War ja klar, dass du wieder tief in der Vergangenheitskiste wühlen musstest.

Ich habe mich natürlich auf unser Gespräch vorbereitet.

So so. Aber ja, es stimmt, ich war mal das Aushängeschild von Sloggi Schweiz. Das ist aber schon ewig her, und ehrlich gesagt weiss das in der Zwischenzeit fast niemand mehr, und ich erzähl das auch niemandem. Und ich hab sämtlichen Content aus dem Internet nehmen lassen.

Damals bist du sehr selbstbewusst mit deinem Körper aufgetreten. Wie stehst du heute zu ihm?

Also ehrlich gesagt war ich nie besonders selbstbewusst was meinen Körper angeht. Ich bin da so reingerutscht. Ich wäre davor gar nie auf die Idee gekommen dass irgendjemand meine Physiognomie besonders ansprechend finden könnte. Ich fand mich immer zu dünn und zu wenig kurvig. Ich hatte zwar den Übernamen „Pralinefüdli“ in der Primarschule, aber ich glaube das kam daher, dass einer meiner Klassenkameraden damals gehört hat wie meine Mutter mich so gerufen hat… (lacht) Ich habe heute ein entspannteres Verhältnis zu meinem Körper als früher, denke ich.

Ich bin zierlich und wie es aussieht werde ich zierlich bleiben. Und es scheint zwar gerade die Zeit der Kim Kardashians und der Nicki Minajs zu sein und ich werde nie so aussehen, aber das ist doch wurst. Es ist einfach nicht so wichtig.

Ich habe mir ehrlich gesagt auch vor der Sloggi-Geschichte nie allzu viele Gedanken über solche Sachen gemacht… Ich habe mir nix auf meinen Po eingebildet, ich verwende ihn ja in erster Linie um darauf zu sitzen. (lacht)

Aber du magst dich schon – und deinen Po auch – und du geizt auch nicht gerade mit deinen Reizen.

Was für eine infame Behauptung.

Na gut, setzen wir ein Fragezeichen hinter diesen Satz.

Manchmal mag ich mich, und manchmal mag ich mich überhaupt nicht. Da bin ich glaube ich wie alle Frauen. Interessant ist: Nach dieser Sloggi-Sache war ich für längere Zeit etwas komisch drauf. Ich meine, ich habe die ganze Sache nicht so richtig ernst genommen, für mich war das alles mehr Spass. But it’s all fun and games. Bis auf einmal ein Fremder auf die Haustelefonnummer deiner Eltern anruft und sagt, was er gerne alles mit dir machen würde. Ab diesem Punkt fand ich es dann nicht mehr so witzig. Aber ja, ich war noch sehr jung. Ich glaube, heute könnte ich besser mit solchen Situationen umgehen.

Danach hab ich echt ein paar Jahre mit meinen Reizen „gegeizt“, weil ich niemanden provozieren und ich mich auch nicht selbst auf mein Äusseres reduzieren wollte. Heute kann ich da viel besser drüberstehen. Ist doch voll okay, kurze Hosen anzuziehen, meine Güte. Oder ein Kleidchen!

Aber du stehst auch heute noch gerne im Mittelpunkt. Immerhin arbeitest du sehr aktiv und erfolgreich als Schauspielerin.

Ach, du glaubst mir ja sowieso nicht, dass ich nicht mal besonders gerne im Mittelpunkt stehe. Wobei, manchmal tue ich das natürlich schon. Aber ich glaube ich bin nicht die Rampensau, für die mich alle halten. Ab und zu halte ich mich gerne im Hintergrund. Vor allem wenn es um „Jessy“ geht. Mit bzw. in einer Figur/einer Rolle nach vorne zu treten und mich zu entblössen ist nicht mal halb so furchteinflössend.

Natürlich. Aber kann man es jemandem übelnehmen, wenn er bei diesem Anblick schmutzige Gedanken hat?

Nein, kann man nicht, und das tu ich auch nicht. Aber wie ich schon bei meinem FB-Post geschrieben habe: Es gibt einen Unterschied zwischen einem anerkennenden Nicken/Lächeln und einem mentalen Durchficken in 15 verschiedenen Positionen.

Sind die Gedanken nicht frei?

Die Gedanken schon. Aber dann behalte sie verdammt nochmal für dich.

Es gibt die sehr aktuelle Diskussion, dass Frauen so wenig anziehen können sollen, wie sie wollen – und dass dies kein Freipass ist, sich ihnen in anzüglicher Weise zu nähern. Das ist im Grundsatz selbstverständlich korrekt.

Ich schätze du kennst die Situation nicht, wenn ein alter „niedlicher“ Mann, welcher im Zug gegenüber von dir sitzt ein Gespräch mit dir anfängt und du dir denkst „Oh wie süss, der alte Mann ist bestimmt einsam!“ und plötzlich (in Mitten eines normalen Gespräches) kriegt er diesen gierigen Blick, beugt sich zu dir rüber und flüstert dir ins Ohr, was er gerne alles für versaute Sachen mit dir machen möchte.

Nein, das ist mir noch nie passiert.

Dachte ich mir (lacht). Was denkst du würde passieren, wenn sich die Frauenwelt mal 24 h lang so verhalten würde?

Ich glaube nicht, dass 24 Stunden ausreichen würden. So lange würde ein Grossteil der Männer wohl alles als Kompliment auffassen.

Ja, damit könntest du recht haben.

Die Frage ist doch, wo wird die Grenze zwischen ’sexy‘ und ‚auffordernd‘ liegt – und wer sie zieht.

Immer das Individuum.

Etwas schwierig, wenn das Kollektiv funktionieren soll.

Wenn keine eindeutigen, nonverbalen oder verbalen Signale kommen, dann ist ein kurzer Rock noch kein Hinweis darauf, dass eine Frau deinen D. möchte! Und was sie schon gar nicht möchte, ist auf primitive Art und Weise angequatscht oder gar betatscht zu werden. Es ist doch im Grunde ganz einfach.

Im Grunde ist vieles sehr einfach – in der Umsetzung haperts dann meist. Wenn einem die Lust in die Quere kommt, beispielsweise.

Ja, aber Lust haben wir doch alle. Aber zum Glück haben wir neben dem Lustzentrum auch einen Frontalcortex… Der soll eben verhindern dass wir uns wie Tiere verhalten. Also liebe Männer: Benützt euren Frontalcortex! Zumindest wenn es darum geht, eine Frau anzusprechen. (lacht)

Nun, bist du ja nicht nur jung, hübsch und übst dich mit Erfolg in der Schauspielkunst, sondern studierst auch noch Psychologie.

Ich habe diesen Sommer abgeschlossen.

Wir gratulieren!

Vielen Dank.

Hat es denn eine Frau überhaupt nötig, sich sexy zu kleiden, um sexy zu wirken? Ist mehr nicht manchmal mehr?

Es ist doch keine Frage des „nötig habens“, sondern wenn man Lust darauf hat sich sexy anzuziehen, soll man das doch machen können. Und zwar ohne dass man dabei Gefahr läuft, dass man auf dem Weg zur Post oder zum Club oder wohin auch immer blöd angemacht oder gar betatscht wird.

Anders ausgedrückt: Könnte sexy Kleidung einfach ein Ausdruck mangelnder Fähigkeiten sein, sich anders in Szene zu setzen?

Nein, das glaube ich überhaupt nicht. Jede Frau fühlt sich doch manchmal gerne sexy. Ich definiere mich zu einem grossen Teil über meinen Intellekt und auch über mein Herz. Und trotzdem bin ich ab und zu gerne sexy, das ist doch völlig legitim. Und das sollte eben jede Frau ausleben können und dürfen.

Nun befinden wir uns in einem Kulturkreis, in welchem Frauen sogar im Bikini in eine Kirche gehen können. Und trotzdem funktioniert es nicht, dass sich jede und jeder so kleiden kann, wie er oder sie möchte. Woran liegt das?

Hmm schwierige Frage. Da spielen vermutlich mehrere Faktoren eine Rolle. Einerseits sind es bestimmt immer noch gewisse Vorurteile und die Signale, die manche Männer wahrzunehmen glauben, wenn sie eine Frau in einem sexy Outfit sehen… andererseits sind gewisse Menschen vermutlich einfach nicht gleichermassen fähig, Inhibition zu betreiben und sich eben entsprechend zusammenzureissen, wenn sie mit gewissen Reizen konfrontiert werden.

Kannst du uns Männern einen Punkteplan aufstellen, wie wir uns einer sexy gekleideten Frau gegenüber idealerweise verhalten?

So gerne ich das machen würde. Ich kann nicht für jede sexy gekleidete Frau und ihre Intention sprechen. Ich kann euch aber vielleicht sagen, wie ihr euch idealerweise NICHT verhalten solltet:

  • Wenn ihr ein Kompliment machen wollt, ist das in Ordnung (so sehe ich das), aber es sollte schon ein charmantes, nettes Kompliment sein und nicht eine vor Geilheit triefende anzügliche Bemerkung
  • Pfeift oder schreit ihr nicht hinterher
  • Verfolgt sie nicht, schon gar nicht über längere Strecken und nachdem sie schon „nein, danke“ gesagt hat
  • FASST SIE NICHT AN!
  • Nein bedeutet nein und nicht „ja, vielleicht“

Ich glaube, wenn man diese Sachen beachtet, kann man eigentlich gar nicht sooo viel falsch machen.

Mit diesem Ratgeber sollte einem aufgeschlossenen und konfliktfreien Sommer nichts mehr im Wege stehen. Wir bedanken uns für dieses freizügige Gespräch und wünschen dir weiterhin einen schönen, heissen Sommer!

Haha, gleichfalls! Viel Spass und eine tolle Zeit!

Jessy_Portrait

Jessica Matzig ist Klinische Psychologin und Schauspielerin. Sie hat in den letzten Jahren im In- und Ausland in diversen Theater, TV- und Kinoproduktionen mitgewirkt. Gerüchten zufolge wird sie die Hauptrolle in Quentin Tarantinos Kill Bill 3 übernehmen, worin sie die mittlerweile erwachsene Tochter von Uma Thurman spielen wird.

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Pete Stiefel

Autor: Pete Stiefel

Pete konnte pfeifen, bevor er der gesprochenen Sprache mächtig war – und an seinem ersten Schultag bereits schreiben. Trotzdem ist er da noch einige Jahre hingegangen. Danach schrieb und fotografierte er fürs Forecast Magazin, für Zürichs erstes Partyfoto-Portal stiefel.li, fürs 20 Minuten, MUSIQ, Q-Times, Party News, WORD Magazine, war Chefredaktor vom Heftli, lancierte das Usgang.ch Onlinemagazin – und er textete für Kilchspergers und von Rohrs Late Night Show Black’N’Blond und Giaccobo/Müller. Er trägt (vermutlich) keine Schuld daran, dass es die meisten dieser Formate mittlerweile nicht mehr gibt.

Irgendwann dazwischen gründete er in einer freien Minute seine eigene Kommunikationsagentur reihe13, die seit nunmehr 13 Jahren besteht. Er ist mittlerweile in seiner zweiten Lebenshälfte, Mitinhaber vom Interior Design Laden Harrison Spirit, schreibt für seinen Blog Living Room Hero und Pointen für Giacobbo / Müller und jetzt auf dem Planeten Kult gelandet. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein grosser Schritt für Pete.

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