in

Grace Fuckin Jones

Grace Jones ist fuckin Grace Jones. Eine Kategorie. In der David Bowie gerade mal als Warm-Up gut genug war. Grace Jones ist nicht mal ne Liga – sie ist ne eigene Sportart. Heute 72-jährig. Und feiert sich selbst – wie damals mit 27.

Als sie in New York, nach ein paar Jahren modeln, an der Seite von Jerry Hall (Mick Jagger´s zweite Ehefrau), ihren ersten Plattenvertrag bekam. Auf Island Records veröffentlichte sie das Album mit der Kreativbombe von Name „Portfolio“ – und verlieh der Single „La Vie En Rose“ den Soul, welcher dem Spatz von Avignon, Mireille Matthieu, so fremd war wie der Schmäh von Roberto Blanco. 

Dies, nachdem Grace Jones vor dem Mann ihrer Grossmutter floh, bei der sie aufwuchs, welcher sich – tatsächlich – Master P nennen liess. Eine bedauernswerte Kreatur, die sich mit bubenhaftem Stolz auf beispiellose Feigheit und einwandfreier Performance als historischer Kapital-Fehler, selbst in der Minus-Matrix, in eine Reihe mit prominenten federleichtsäckigen Hohlraumfahrern mit eingebauter Kombi-Einzelle (Atmen / Bewegen im 90 Grad Radius) wie Ike Turner oder Joe Jackson stellen kann.

Wer Grace heute abfeiert, kennt ihre Story. Weiss, wer sie ist. Und wofür sie steht. Ich verneige mich. Vor dieser ewigen Göttin. Diesem androiden Funk Phenomenon. Diesem tiefschwarzen Disco Panther. Dieser Frau, der egal ist, was du bist. Und noch egaler, was du von ihr denkst. Denn sie sagt und tut, was sie will.

Angesprochen auf Tony Pike, der verstorbene und jahrzehntelange charismatische Betreiber des „Pikes“ Ibiza (Wham drehten da den Video-Clip zu „Club Tropicana“), sagte sie nur: „Er hatte einen riesigen Penis, und ich war froh, dass ich mich darum kümmern durfte“. Er antwortete als 82-Jähriger auf die Frage, mit wem er den aufregendsten Sex hatte, sofort: „Grace Jones“.

Grace Jones ist mit Leib und Seele personifizierter Sex. Dabei immer tonangebend und fordernd. Sie strahlt konstant Hedonismus aus. Aus einer maskulinen Stärke heraus. Sie spielt mit Typen, stellt Kapitalismus bloss (inhaltlich und musikalisch grandiosest auf „Corporate Cannibal“, s. Video unten) – und befriedigt Frauen.

Feiert wildeste Orgien mit den hübschesten und dekadentesten unter ihnen. Verteilt schon mal Live-Ohrfeigen, wenn sie sich „wie eine Amazone kleidet, und er (der Moderator) sie wie ein Dienstmädchen behandelt“. 

Als schwarze Frau es mit Nachdruck nicht nur zu wagen, sondern zu zelebrieren, eine Horde aufgegeilte – einflussreiche – Typen auszusperren, um sich nur mit den Mädels zu vergnügen – Straussen-Eier. Aufgeführt damals im New Yorker Studio 54, wo sie zur Stilikone aufstieg. Und den Thron nie mehr her gab. An wen schon? 

Ihr Killer-Album „Slave To The Rhythm“ und die Disco-Granate wie „Pull Up To The Bumper“ (Auf „Nightclubbing“) waren ihre Krönung zur Königin der Nacht. Ihre Shows stehen denen von Parliament / Funkadelic seit Jahrzehnten in nichts nach – nur hat sie dafür nicht, wie George Clinton, regelmässig mehr als 20 Leute auf der Bühne. Sie ist selber ein Mothership. 

Grace Jones war und blieb eine Glitter Supernova an Anmut, Grazie, Style, Talent und Exzentrik – und die gleichzeitige Detonation von Biedertum, schlechter Laune und Machismo.

Egal, wo – sie war immer der Herr im Haus. Kooperationen mit David Bowie oder Iggy Pop (Nightclubbing) waren willkommene Nebengeräusche. Quickies. Unbedeutend. Für Grace. Iguana und the Thin White Duke schlachteten die Kollaboration logischerweise aus – bis zum letzten Tropfen.

Diese Frau ist nicht von dieser Welt. Und doch ist sie es mehr als alle anderen. Wenn Grace ihre Grossmutter in Jamaika besucht – und über den mittlerweile verstorbenen Master P redet. Ernst ist, ihn hasst – und dann wieder auslacht.

Grace bleibt ewig die Göttin, zu der sie geboren ist, wenn sie sich, wie im sehr empfehlenswerten Kinofilm „Bloodlight and Bami“ (2017) zu sehen, nach einer Show auch heute noch fehlerfrei wegballert und an der Aftershow Party unmissverständlich deutlich macht, wer hier dirty ist – und wer gefälligst die Drinks holen soll.

Heute mit 72 – wie damals mit 27.

Grace, happy Birthday – du geiles Stück!

Grace Jones – Corporate Cannibal from Artifact on Vimeo.

From Berlin With Gloves

Sascha Plecic

Gefällt dir dieser Beitrag?

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Loading…

0
Sascha Plecic

Autor: Sascha Plecic

Wem sein Leben lieb ist, darf auf keinen Fall:

- Nicht wissen, wer Coco ist, und im Bodycount-Backstage vor Ice-T’s versammelter grimmiger South-Central-L.A.-Truppe mit ihr flirten
- Robb Flynn (Machine Head) sagen, dass Metallica die Village People der Bay Area sind - und bei ungläubigem Nachfragen seinerseits etwas beleidigt und viel lauter werdend darauf bestehen
- Iggy Pop sagen, dass er nur David Bowies Spielball war bzw. dieser ihn schamlos beklaut hat
- Im Grosi-Rägemänteli, mit einer orangen Schlumpfmütze und Spülhandschuhen bei der Bloodhound Gang zum Interview erscheinen -> Resultat: Er wurde u.a. von Evil Jared angepisst. Literally.

IRON PLECIC did it all - und hat’s überlebt.

Lock-Down-Syndrom: Basler Szenis besonders resistent gegen Intelligenzia-Virus. (Die Woche 19/2020)

Strega: Realität mit doppeltem Boden