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El Diez – Vaya Con Tu Mismo

2020 ist das Donald Trump aller Jahre. Geprägt von unterirdischem Narzissmus, Selbsthass, projiziert auf andere, deren Leben die Unfähigen gerne hätten – und darum vernichten wollen. Sinnbildlich dafür steht das (Ab-)Leben von ‹El Diez›, Diego Armando Maradona, dem besten Fussballer der Geschichte. Jetzt ist er tot – zur Freude seiner Neider, zum Leide seiner Bewunderer. 

Wer jemals Fussball gespielt und ein Herz hat, ist heute traurig. Viele sind am Boden zerstört. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird in Neapel ein Jahrhundertgottesdienst in der eigens für Maradona errichteten Kirche (Iglesia Maradoniana – La Mano de D10S) stattfinden. Chaos auf den Strassen und in den Gassen der süditalienischen Metropole herrschen. Anhänger des SSC Napoli, den er vom Niemandsland zum Scudetto (Italienische Meisterschaft) und Gewinn des Europapokals führte, sich weinend in den Armen liegen. Verständlich: Ihr Erlöser, der sie erst auf die Landkarte des europäischen Fussballs brachte, der Unsterbliche – ging. Eine Tragödie. 

Landesmeister, Europapokalsieger, Weltmeister – und Verlierer seiner Würde

Anders in weiten Teilen Argentiniens, wo er in ärmlichen Verhältnissen geboren wurde. Für das er mit ausserirdischen Leistungen im Alleingang 1986 die Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Immer noch allgegenwärtig: Das offizielle ‹Tor des Jahrhunderts›. Als er am 22. Juni dieser WM gegen England in der eigenen Hälfte angespielt wurde, sich mittels Absatztrick von drei Gegnern löste, mit direktem Zug zum Tor vier weitere Briten (inklusive Keeper-Legende Peter Shilton) vernaschte und zum 2:0-Sieg einnetzte – innerhalb von 12 Sekunden. 

Und dennoch ’schämen› sich hochrangige Politiker und Funktionäre heute noch für seine Kokain-Eskapaden, welche seine unwirkliche Karriere seit 1990 überschatten. Keinen interessierte das ‹Wieso›, alle empörten sich lediglich über das Resultat. Der bizarre Auswuchs einer heuchlerisch opportunistischen, selbstgefällig richtenden Neid-Gesellschaft. In der sensible Charaktere belächelt, verunsichert, geächtet, ausgenutzt – und fertig gemacht werden.

Von falschen Freunden ausgenutzt und Energievampiren ausgesaugt 

Wie im Fall von ‹El Diez›. Der, wie eindrucksvoll im Kinofilm ‹Maradona› dokumentiert, von Politik, Mafia, Medien und habgierigen falschen FreundInnen auf den letzten Cent und finalen Funken seiner schier unbändigen Energie ausgesaugt wurde. Eine publik vollzogene Vorführung, Denunzierung – eine regelrechte mediale Hinrichtung von mächtigen Egomanen, denen Diego nicht (mehr) zuarbeitend genug war. Die vom wertenden Pöbel konsequent ignoriert wird.

Diese psychische Marathon-Tortur musste einer erleiden, der keinem was zuleide getan hatte. Der als 16-Jähriger sagte, dass er nur Fussball spielen und seiner Familie ein sorgloses Leben bieten wolle. Letzteres war bis zu seinem plötzlichen Ableben gestern seine einzige Motivation, weiterzuleben. Weiter dieser schonungslosen Oeffentlichkeit zu dienen. Ihr das zu geben, was sie wollte: An seinem gottgleichen Ruhm teilhaben – und ihn vernichten. 

Am Boden liegend für seine Familie weiter gekämpft

Besessen darauf wartend, dass er versagt. Sich permanent – frustriert vom eigenen Bierdeckelkosmos – über den Bewohner einer eigenen Multi-Galaxie stellend. Anstatt sich mit ihm zu freuen, trat ihn jeder, der seine 15 Minuten Ruhm suchte, mit Füssen. Jahrzehntelang. Und trieb ihn damit kollektiv in den Tod. 

Wäre sein Herz nicht abermals gebrochen und seine Naivität nicht skrupellos ausgenutzt worden, wäre Dieguito nicht drogenkrank und psychisch zerstört worden. Die Legende wäre noch am Leben.

Estamos triste – Pero vaya con tu mismo 

Was bleibt, ist Fassungslosigkeit und die Gewissheit, dass gestern der grösste Fussballer aller Zeiten von uns ging. Und mit ihm 160 cm geballte Genialität, Hingabe, Lebensfreude und Liebe für das Spiel. 

Gracias por todo, El Diez, has perdido el ultimo partido – pero ganado el juego entero. No te olvidaremosnunca. En nuestros corazones siempre vivirás.

Vaya con tu mismo y que los angeles the guiden.

Kult Tipp: Empfehlenswerte Dokumentation auf Netflix: «Maradona in Mexico»

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Autor: Sascha Plecic

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